0
Der Ordnungsamtsmitarbeiter erklärt: „Tauben werden sehr oft geschossen. - © andreas frücht
Der Ordnungsamtsmitarbeiter erklärt: „Tauben werden sehr oft geschossen. | © andreas frücht

Bielefeld Jäger erschießt Taube und erschreckt Spaziergänger

Bielefelder kritisieren fehlende Sorgfaltspflicht mitten am Tag am Johannisberg

Jens Reichenbach
09.01.2019 | Stand 10.01.2019, 06:14 Uhr

Bielefeld. Schock für eine 52-jährige Bielefelderin und ihren Freund beim Spaziergang am Freitag am Johannisberg: In dem Moment, als sie gegen 10.15 Uhr von der Treppe, die vom Caroline-Oetker-Stift hinaufführt, die Grünanlage oberhalb der Winzerschen Gärten erreichten, fiel plötzlich in ihrer Nähe ein Schuss. „Im selben Moment fällt rechts von uns eine Taube tot vom Baum", berichtet die Bielefelderin. Erschrocken beobachten beide, wie sich ein Mann unterhalb der Winzerschen Gärten entfernt. „Er sah aus wie ein Jäger." Der Bielefelderin sei klar, dass Jäger so etwas theoretisch tun dürften. „Aber nicht am späten Vormittag wenn dort Menschen herumlaufen. Das war eine klare Verletzung der Sorgfaltspflicht und hätte um Sekundenbruchteile fahrlässige Körperverletzung sein können", sagt sie. Zunehmende 
Probleme durch Enten und Gänsen Auf Nachfrage bei Jürgen Kley, beim Ordnungsamt zuständig für Jagdangelegenheiten, bestätigt sich, dass an jenem Vormittag der für den Johannisberg zuständige Jäger vor Ort war. „Grundsätzlich haben wir Erlaubnisse zur beschränkten Jagd auf Friedhöfen sowie in Kleingarten- oder Grünanlagen. An dem Ort und zu diesem Zeitpunkt hat der Erlaubnisinhaber tatsächlich eine Taube geschossen", so Kley. Die Spaziergänger habe er erst zum Zeitpunkt der Schussabgabe im Augenwinkel gesehen. „Ihm zufolge waren die Spaziergänger dort nicht in Gefahr", gibt Kley nach Rücksprache mit dem Jäger wieder. Die Bielefelderin sagt: „Der konnte uns auch gar nicht vorher sehen. Wir kamen – aus seiner Sicht – von rechts unten. Aus unserer Sicht war das ganz schön knapp." Sie schätzt die Entfernung zu dem Baum, von dem die Taube fiel auf 20 Meter. Sie erwarte, dass um so eine Uhrzeit zumindest die Wege abgeriegelt seien. Jürgen Kley gibt zu, dass die Uhrzeit des Abschusses ungewöhnlich sei. Üblicher sei der frühe Morgen. Der Jäger, der seit 35 Jahren am Johannisberg agiere, habe aber deutlich gemacht, dass bei regnerischen Wetter um diese Uhrzeit am Johannisberg sehr wenig los sei. "Die Jäger machen das sehr gut" Die 52-Jährige entgegnet: „Wir waren nicht alleine. Dort war noch ein anderer Spaziergänger. Der Ordnungsamtsmitarbeiter erklärt: „Tauben werden sehr oft geschossen." Es gehe dabei um einen Vertreibungseffekt und eine Populationsbeschränkung. Speziell auf den Friedhöfen gebe es viele Beschwerden über Kaninchen, weil sie die Gräber zerstörten, und über Tauben wegen des Kots auf den Grabsteinen. „Die Jäger machen das sehr gut. Das zeigt sich dadurch, dass es in der Bevölkerung kaum wahrgenommen wird." Ein zunehmendes Problem seien Enten und Gänse, so Kley. Aber auch Marder und Waschbären stünden teilweise auf der Abschussliste der Stadtjäger. Die Spaziergängerin bleibt skeptisch: „Da gehen doch auch Gäste vom Mercure-Hotel spazieren. Das dürfte Anwohner und Hotelverantwortliche interessieren, dass dort mitten am Tag geschossen wird."

realisiert durch evolver group