Corpus Delicti: Diese Geburtsanzeige in der NW sorgte für reichlich Gesprächsstoff. - © NW
Corpus Delicti: Diese Geburtsanzeige in der NW sorgte für reichlich Gesprächsstoff. | © NW

Bielefeld Geburtsanzeige: Das Geheimnis von „Schannaya-Helmtraudt“

Unglaublich: Eine Geburtsanzeige in der NW sorgte für rege Diskussionen in unserer Leserschaft. Wir klären auf, wie und warum es ausgerechnet zu diesem Namen gekommen ist

Stefan Gerold
22.12.2018 | Stand 23.12.2018, 00:04 Uhr

Bielefeld. Namenswitze sind politisch und moralisch nicht korrekt - schon gar nicht in der Zeitung. So sorgte eine Geburtsanzeige in unserer Ausgabe vom 1. Dezember für rege Diskussionen an so manchem samstäglichen Frühstückstisch in unserer geschätzten Leserschaft. Da hatte tatsächlich ein Elternpaar seine Tochter Schannaya-Helmtraudt genannt. Unglaublich! Schannaya schien vorsichtig vermutet eine eingedeutschte Schreibweise von Shania zu sein - ein Name untrennbar verbunden mit der wunderbaren kanadischen Country-Sängerin Shania Twain. Sie wissen schon, die nichts beeindrucken kann, nicht mal ein Raketenwissenschaftler. Und dann kommt Helmtraudt. Nicht als Nachname, nein, gewollt als zweiter Vorname, klar durch den Bindestrich gekennzeichnet. Ein altdeutscher Name, der schon vor Generationen irgendwie aus der Mode gekommen ist. Helm steht für Helm, übertragend Schutz und trud für Kraft, Stärke. Zusammen "die stark Schützende". Oh Gott, das arme Kind Die Kombination der beiden Namen, rassige Kanadierin gefolgt von germanischer nun ja, Anmut, ließ nur eine Schlussfolgerung zu: Oh Gott, das arme Kind! Allein die Vorstellung von der Durchsage bei Ikea, dass die kleine Schannaya-Helmtraudt von ihren Eltern gefälligst aus dem Bällebad abgeholt werden möchte und daraufhin ein komplettes Möbelhaus prustend in sich zusammenbricht, reicht schon für kollektives Fremdschämen. Was sind das nur für Eltern, die ihr Kind praktisch brandmarken? In diesem Zusammenhang fällt dem geneigten Musikfreund sofort der Klassiker "A Boy Named Sue" von Jonny Cash ein. Der Text behandelt die Problematik, wenn ein Junge mit einem Mädchennamen aufwachsen muss. Ein Mann mit dem Vornamen Sue (englische Kurzform von Susanne) sucht Ort für Ort nach seinem Vater ab, der ihn im Alter von drei Jahren verlassen hat. Er will sich an ihm rächen und ihn töten, weil er ihm den schrecklichen Vornamen Sue gegeben hat, wofür er sein Leben lang Schikanen ertragen musste und gehänselt wurde. Schließlich findet er seinen kartenspielenden Vater in einem Saloon. Beide prügeln sich im Matsch, und als der Vater nach seiner Pistole greifen will, zieht der Sohn seine. Der Vater lächelt daraufhin und erklärt, warum er ihm diesen Namen gab. In einer rauen Welt sollte der Name den Sohn abhärten, damit er lerne sich zu wehren, denn der Vater wusste schon bei der Geburt des Sohnes, dass er nicht lange bei ihm bleiben würde. Daraufhin vergibt der Sohn dem Vater, und sie umarmen sich. Schannaya-Helmtraudt hätte ihren Eltern niemals vergeben! Das Rätsel ist gelöst So suchten die findigsten Reporter aus der Lokalredaktion Ort für Ort nach jenen, die ihr den schrecklichen Vornamen gegeben haben, wofür das Mädchen sein Leben lang Schikanen ertragen und gehänselt werden würde. Schließlich fanden wir sie. Die Eltern lächelten daraufhin und erklärten, warum sie ihr diesen Namen gar nicht gegeben haben. Denn in Wirklichkeit heißt Schannaya-Helmtraudt gar nicht Schannaya-Helmtraudt! Sondern? Das bleibt geheim. Warum dann diese Anzeige? Ganz einfach, die Eltern hatten nach der Geburt schlicht noch keinen Namen für das Kind und so wurde in der Zeitungsanzeige spaßeshalber einfach der Arbeitstitel der Nachbarn verwendet: Schannaya-Helmtraudt. Fake News in den Geburtsanzeigen, so weit ist es also schon. Mister President, übernehmen Sie!

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