Die Verantwortlichen: (v.l.) Architekt Jürgen Käller, Geschäftsführer Rainer Norden, Geschäftsführerin Maren Thäter und Chefarzt Michael Siniatchkin stehen in einem Zimmer der zukünftigen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bethel. - © Andreas Zobe
Die Verantwortlichen: (v.l.) Architekt Jürgen Käller, Geschäftsführer Rainer Norden, Geschäftsführerin Maren Thäter und Chefarzt Michael Siniatchkin stehen in einem Zimmer der zukünftigen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bethel. | © Andreas Zobe

Bielefeld Bethel eröffnet Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bielefeld

Neue Einrichtung in Bethel: Am Remterweg entsteht im ehemaligen Alterssitz der Diakonissen eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Bedarf dafür steigt

Ansgar Mönter

Bielefeld. Wenn immer mehr Kinder unter Ängsten oder Phobien leiden, wenn sie depressiv sind, aggressiv, autistisch, zwanghaft oder schon süchtig, dann läuft etwas schief in der Gesellschaft. Einen "sprunghaften Anstieg" dieser psychischen Krankheiten hat Michael Siniatchkin diagnostiziert. Der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie erforscht und behandelt seit Jahrzehnten diese Leiden bei Heranwachsenden. Jetzt wird der Professor Chefarzt der neuen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bethel, die im Januar eröffnet wird. 4,2 Millionen Euro kostet der Umbau  27 Betten und 16 tagesklinische Plätze entstehen im bisherigen Haus Abendstern aus dem Jahr 1980, dem ehemaligen Alterssitz der Diakonissen am Remterweg 13a. Das Gebäude wird für 4,2 Millionen Euro unter Anleitung von Architekt Jürgen Käller für den neuen Bedarf umgebaut. Das Evangelische Krankenhaus Bielefeld (EvKB) hat sich laut vorsitzendem Geschäftsführer Rainer Norden seit langem um den Zuschlag für diese Klinik bemüht. Anfang 2017 kam dann die positive Nachricht vom Land NRW. Mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bethel wird eine Lücke geschlossen. So eine Einrichtung fehlte bisher in Bielefeld. "Es kann nicht sein, dass Eltern 30 bis 50 Kilometer für ihre Kinder fahren müssen", sagt Norden. Mit dem Haus unter der Leitung von Siniatchkin wird nun der Bedarf gedeckt - zumal die Probleme mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen eher größer als kleiner werden. Als Ursache dafür nennt der Chefarzt eine Mischung aus gestiegenem Druck und Stress im Alltag der Minderjährigen, verbunden mit dem Zerfall intakter Familienstrukturen, die Heranwachsenden eigentlich Sicherheit geben. "Fehlende Orientierung kann zu Störungen führen", erklärt der 47-Jährige. Zunehmender Stress und fehlende Orientierung Zu seinen Aufgaben in der Klinik zählt zudem die Erforschung neuer Behandlungsmethoden. Eines seiner Projekte befasst sich mit der Stimulierung bestimmter Hirnareale mit schwachem elektrischen Strom bei Kindern und Jugendlichen, die an Autismus oder Aufmerksamkeitsstörungen wie ADS oder ADHS leiden. Gefördert wird die Untersuchung von der EU. Die Stationen der neuen Klinik werden nach und nach in den ersten Monaten ihren Betrieb aufnehmen. Etwa 70 Mitarbeiter wird die Einrichtung beschäftigen, davon 16 Ärzte und Psychologen. Hinzu kommen Therapeuten, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Forscher und Verwaltungsmitarbeiter. An der Spitze steht der 1971 in Saratow, Russland, geborene Arzt und Wissenschaftler. Siniatchkin hat mit seinem Konzept und seiner Erfahrung "sofort überzeugt", wie Geschäftsführer Norden berichtet. Der Professor war zuletzt Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie sowie Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz an der Uniklinik Kiel.

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