Von Brake über Großdornberg nach Brüssel: Sally Lisa Starken (28) gehört zu den jungen Hoffnungen in der SPD. Ihre Partei hat sie auf Platz 9 der NRW-Liste für die Europawahl gewählt. - © Barbara Franke
Von Brake über Großdornberg nach Brüssel: Sally Lisa Starken (28) gehört zu den jungen Hoffnungen in der SPD. Ihre Partei hat sie auf Platz 9 der NRW-Liste für die Europawahl gewählt. | © Barbara Franke

Bielefeld Mit Herz und Kung Fu: Diese Bielefelderin will ins Europa-Parlament

Kandidatin im Porträt: Sally Lisa Starken ist 28, schreibt an ihrer Masterarbeit, pendelt beruflich nach Hamm und ist auch noch auf Wahlkampftour. Sich durchzuboxen, hat sie früh gelernt

Christine Panhorst
16.11.2018 | Stand 15.11.2018, 21:22 Uhr

Bielefeld. Ihr liegt es, Bündnisse zu schmieden, vor allem unter Frauen. Parteikollegen sagen, sie könne einfach gut mit Menschen. Mit Leidenschaft tritt sie für Feminismus, Gleichstellung, Frauenthemen ein. Jetzt will die Bielefelderin Sally Lisa Starken ihre junge, weibliche Perspektive in Europa einbringen. Die 28-Jährige ist derzeit als SPD-Kandidatin auf Wahlkampftour in Vorbereitung auf die Europawahl im Mai 2019. Es ist Starkens Jahr: Im Januar startete sie beruflich in Hamm durch. Dort leitet sie die Koordinierungsstelle für das betriebliche Gesundheitsmanagement bei der Generalstaatsanwaltschaft. Seit dem Sommer bekleidet sie zudem das Amt der stellvertretenden Bundesvorsitzenden in der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF). Dann folgte die Kandidatur zur Europawahl. »Europa ist für viele weit weg« Im September verfehlte die Bielefelderin mit nur einer Stimme den aussichtsreichen Listenplatz vier der NRW-SPD. Jetzt steht sie auf Platz neun der Liste - ein sehr gutes Ergebnis für eine, die zum ersten Mal dabei ist. Das Ziel: Sie will als Abgeordnete ins Europäische Parlament. Dafür macht die Diplom-Rechtspflegerin jetzt erstmals Wahlkampf in eigener Sache. Ihr Glück sei, sagt sie, dass sie dabei "Herzenspolitik" vertreten dürfe. Europa und Feminismus - die junge Sozialdemokratin hat sich in der Politik Schwerpunkte gesucht, die eher als schwer vermittelbar und undankbar gelten. Themen, die zugleich aber in Zeiten von Brexit und MeToo-Debatte neue Relevanz gewonnen haben. Sie sagt: "Europa ist für viele weit weg. Dabei gibt es so viele Orte auch in Bielefeld, an denen Europa präsent ist. Wir haben zum Beispiel den größten Innenstadt-Skaterpark, der von der EU finanziert ist. Viele Menschen arbeiten hier in Unternehmen, die einen Europabezug haben." Frauenthemen spielten ohnehin überall mit hinein. "Zum Beispiel bei der europäischen Arbeitsmarktpolitik." Ein Schwerpunkt Starkens, in dem sich ihre weiteren Themen - Migration, ein "Europa des Zusammenhalts" - gut verbinden lassen. Dabei stimmt auch Starkens Timing: Sie vertritt moderne Inhalte als frische Kandidatin einer Volkspartei, die sich gerade groß Erneuerung auf die Fahnen geschrieben hat. Seit erst fünf Jahren ist die Brakerin in der SPD "Sie macht Dinge auf ihre ganz eigene Art und Weise, stellt dabei ihre Persönlichkeit nach vorne und gibt Feminismus einen sehr modernen Anstrich", sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann über ihre Kollegin und Freundin. Die sagt selbst: "Feminismus hat gar nichts mit Lila-Latzhosen-Politik zu tun." Starkens sehr persönlicher Politikstil kommt an - dazu gehören nahbare, verständliche politische Botschaften und Schnappschüsse auf ihren Onlineseiten. Seit erst fünf Jahren ist die gebürtige Brakerin Parteimitglied, lebt heute in Großdornberg. Die Bielefelder ASF ist seit 2013 Starkens politisches Zuhause. In den Anfangszeiten ihr "Schutzraum in der Partei", sagt sie. Die langjährige Vorsitzende Gabriele Stillger hat sie gefördert, übergibt das Amt 2016 an Starken. Die Ältere sagt über die Jüngere, sie habe durch ihre berufliche Laufbahn eine "Erdung in der Gesellschaft". "Dazu ist sie klug, hat eine hohe kommunikative Kompetenz und ein sehr differenziertes Verständnis für politische Zusammenhänge." »Man erlebt ein großes Teamgefühl« Sich durchboxen, auch das kann die ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Bielefelder Jusos, und zwar wortwörtlich. Weil sie lernen sollte, sich zu wehren, meldete der Vater sie als Kind zum Kampfsport an: erst Judo, später Kung Fu. Sie hat einen schwarzen Gürtel. Mit 14 Jahren folgte der Boxsport. "Ich glaube das macht selbstbewusster und man erlebt ein großes Teamgefühl in diesem Sport." Heute stehe eher Entspannungssport an, sagt sie. Yoga als Gegengewicht zu einem vollen Alltag. Starken ist permanent auf Achse. In Düsseldorf wohnt ihr Lebensgefährte, sie pendelt zur Arbeit nach Hamm, für Termine der SPD-Frauen auch nach Berlin. Und bald Brüssel? Das dürfte für Starken auf Listenplatz neun schwierig werden. "Ich bin im Sommer angetreten, weil ich Lust habe, für Europa einzutreten, unabhängig davon, ob ich dann hinterher tatsächlich in Brüssel sitze", sagt die Jungpolitikerin. Sie will vor einer rechten Mehrheit im Europaparlament warnen. Ihre Botschaft: "Europa, das ist unsere Zukunft."

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