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Bielefeld Wieder Sex-Workshop in Bielefeld

Sexuelle Aufklärung: Ein Selbstuntersuchungs-Seminar an der Uni Bielefeld sorgte im April europaweit für Aufregung. Jetzt plant das Gleichstellungsreferat eine Themenreihe

Lieselotte Hasselhoff
26.10.2018 | Stand 26.10.2018, 16:41 Uhr

Bielefeld. Für Furore sorgte im Frühling ein Workshop zum Thema Ejakulation. In dem Seminar konnten Frauen und Trans*personen unter Anleitung die eigenen Sexualorgane verstehen und stimulieren lernen. Die Reaktionen auf dieses Angebot reichten von interessierten Nachfragen, über Kritik bis hin zur Androhungen schwerer Straftaten. Ausgelöst durch eine Pressemitteilung des Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) erfuhr das Seminar europaweit mediale Aufmerksamkeit. Der RCDS sprach von einem „Masturbations-Workshop", der in der Uni nichts verloren habe. Die Workshop-Referentin hingegen sah in dieser Reaktion ein Zeichen mangelnder sexueller Aufklärung: „Es geht nicht um Masturbation, sondern um Ejakulation. Dass das als Masturbation verschlagwortet wird, zeigt wie desinformiert wir mit sexuellen Themen umgehen." Mythen um die Vagina Um das zu ändern, startet das AStA-Gleichstellungsreferat der Uni Bielefeld am Freitag Abend mit einem Themenzyklus mit dem Titel „Ach so ist das? Eine Veranstaltungsreihe zu sexueller Gesundheit und Selbstbestimmung, Körper und Liebe". „Um Vagina und Vulva ranken sich auch nach jahrzehntelanger feministischer Forschung noch immer absurde Mythen", heißt es im Ankündigungstext. „Beispielsweise ist die Annahme verbreitet, dass Frauen bedingt durch ihre Anatomie sexuell viel weniger intensiv empfinden könnten als Männer", erläutert eine Sprecherin des Gleichstellungsreferats. „Das ist schlichtweg falsch." Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe soll es am Freitag wieder um das Thema der Ejakulation gehen. Am Samstag soll der Workshop des vergangenen Aprils wiederholt werden. Wie beim letzten Mal richtet er sich ausschließlich an Frauen und Trans*personen. Vorab, am Freitag Nachmittag, hält die Referentin, die unter dem Pseudonym Pia Voz Picunt arbeitet, jedoch einen Vortrag für Interessierte jeden Geschlechts. „Der RCDS hat beim letzten Mal beanstandet, dass der Workshop nicht für alle Menschen zugänglich war", berichtet das Gleichstellungsreferat. Teilnehmer untersuchen sich selbst „Im Workshop werden sich die Teilnehmenden unter anderem auch selbst untersuchen, dafür finden wir einen geschützten Rahmen nach wie vor wichtig. Trotzdem fanden wir die Kritik des RCDS in diesem Punkt berechtigt." Im Hörsaal 5 der Uni Bielefeld wolle die Sexualaufklärerin deshalb „bildreich über Anatomie und Funktionsweise der Lustorgane aufklären". Dem Vortrag sollen in den nächsten Monaten weitere Veranstaltungen folgen. „Gemeinsam mit anderen universitären und außeruniversitären Gruppen möchten wir eine Reihe auf die Beine Stellen, die bis ins nächste Semester hineingeht", berichtet das AStA-Referat. Die Themen reichen von Verhütungsmethoden und sexuell übertragbaren Krankheiten über Beziehungsmodelle bis hin zum Thema Schwangerschaftsabbruch. „Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, sich Wissen über ihren Körper anzueignen, das über die reine Fortpflanzungsfunktion hinausgeht", sagt die Referats-Sprecherin. Insbesondere das Sprechen über Sexualität wollten die Veranstalterinnen enttabuisieren: „Es geht uns auch darum, klare und wertschätzende Begriffe für den eigenen Körper und die eigenen Bedürfnisse zu haben, um eine genauso wertschätzende Kommunikation darüber zu etablieren. Sexualität sollte schließlich in erster Linie für alle etwas Schönes sein".

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