Beim jüngsten Neziaufmarsch in Quelle wurden Teile der Antifa von der Polizei gestoppt. Als Reaktion darauf zogen die Antifaschisten anschließend durch die Innenstadt zum Hauptbahnhof. - © Jens Reichenbach
Beim jüngsten Neziaufmarsch in Quelle wurden Teile der Antifa von der Polizei gestoppt. Als Reaktion darauf zogen die Antifaschisten anschließend durch die Innenstadt zum Hauptbahnhof. | © Jens Reichenbach

Bielefeld Antifaschisten wollen geplanten Naziaufmarsch in Bielefeld verhindern

Erste Demo schon am 9. November vom Jahnplatz zum Standort der ehemaligen Synagoge an der Turnerstraße.

Jens Reichenbach

Bielefeld. Am 10. November werden in der Bielefelder Innenstadt Neonazis für die Freilassung der in Brackwede inhaftierten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck demonstrieren. Jetzt hat das Antifaschistische Bündnis Bielefeld angekündigt, den "Naziaufmarsch entschlossen zu verhindern." In einer Pressemitteilung heißt es, dass sich antifaschistische Gruppen aus Bielefeld zu einem Bündnis zusammengeschlossen haben, um den Aufmarsch der Rechtsradikalen und Rechtsextremen unter dem Motto "Erinnern heißt Kämpfen!" zu verhindern. Zahlreiche Antifagruppen aus NRW rufen bereits zur Teilnahme auf. "Erinnern bedeutet für uns einen Bogen zu schlagen zwischen der Geschichte und der Gegenwart", erklärt Anna Schmidt, Sprecherin des Bündnisses. "Am 10. November 2018, fast auf den Tag genau 80 Jahre nach der Reichspogromnacht, wollen sich alte und neue Faschisten mit einer Antisemitin solidarisieren. Haverbeck und ihre Anhänger leugnen bis heute die historische Tatsache der Shoah und verherrlichenden Nationalsozialismus. Das ist für uns unerträglich." Erst Demo am 9. November, am 10. November dann kämpfen? Deshalb werde das Bündnis bereits am Tag vor der Nazidemo in Bielefeld auftreten. Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November soll es um 18 Uhr eine antifaschistische Demo vom Jahnplatz zum Standort der ehemaligen Synagoge in der Turnerstraße geben. Diese war in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 von Nationalsozialisten ausgeraubt und niedergebrannt worden. Die Antifaschisten wollen sich damit nicht nur den Nazis in den Weg stellen, sondern auch ihrer Opfer gedenken - den Millionen Ermordeten des Holocaust, aber auch den heutigen Opfern rassistischer Gewalt wie den Opfern der NSU-Morde. Weil die Antifa am Samstag, 10. November, mit einer hohen Beteiligung auf Seiten der Neonazis und Holocaustleugner aus dem ganzen Bundesgebiet rechnet, so die Mitteilung, tritt das Bündnis ungewöhnlich offen auf: "Wir werden den Nazis nicht die Straße überlassen und rufen bundesweit zur Beteiligung an den antifaschistischen Protesten auf. Unser Ziel ist klar: Den Naziaufmarsch entschlossen verhindern!", sagt Anna Schmidt. Bereits großer Protestauftritt vom "Bündnis gegen Rechts" Wie berichtet, hat das Bielefelder "Bündnis gegen Rechts", das sich aus Bielefelder Parteien, Kirchen und Vereinen zusammensetzt, bereits mehrere Mahnwachen und Kundgebungen als Gegenprotest gegen den Naziaufmarsch angemeldet. Motto: "Faschismus und Holocaustleugnung sind keine Meinung, sondern ein Verbrechen." Klaus Rees von „Bündnis gegen Rechts" betont: „Wir werden in der bekannten Weise den Nazis gegenübertreten – und das auf jeden Fall gewaltfrei." Dennoch würde er sich freuen, wenn der Aufmarsch zu verhindern sei. So war es im August 2011 Gegendemonstranten in Bielefeld zuletzt gelungen, eine Nazi-Demo durch eine Blockade zum Umkehren zu zwingen. Rees: „Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir so einen Aufmarsch ganz verhindern können." Auf die Frage, ob der Aufruf der Antifa friedliche Demonstranten von der Teilnahme abhalten könnte, antwortet Rees: „Auch in der Vergangenheit ist es uns in Bielefeld stets gelungen, Teilnehmer, die wir vorher nicht kannten, in unserem Sinne einzubinden." "Jeder kann sich den Protest auswählen, der zu ihm passt" Wiebke Esdar weist auf die besondere Strategie des Bündnisses gegen Rechts hin: „Wir bieten den Menschen in der ganzen Stadt verschiedene Möglichkeiten, sich zu beteiligen. Jeder kann sich den Protest auswählen, der zu ihm passt." Weil noch immer nicht genau klar ist, wo die Neonazis am 10. November vom Hauptbahnhof aus marschieren werden, hat das "Bündnis gegen Rechts" an mehreren wichtigen Plätzen in der Innenstadt Auftritte geplant. So wird die Deutsch-Israelische-Gesellschaft an der Turnerstraße eine Mahnwache abhalten. Das Welthaus wird an der Pauluskirche demonstrieren. Des Weiteren sind Kundgebungen geplant am Jahnplatz, vorm Rathaus, am Kesselbrink, am Siegfriedplatz und auch am Mahnmal für die deportierten Juden, das sich auf dem Bahnhofsvorplatz befindet. Welche Protestaktionen schließlich am 10. November tatsächlich stattfinden werden, soll bei einem  Planungstreffen am 29. Oktober im Haus der Kirche eruiert und geplant werden. Das Bündnis behält sich auch die Möglichkeit spontaner Demos vor.

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