Und ab in den Feierabend ... der eigentlich ein Feiermittag ist: Lasse Rheingans (r.) verabschiedet um 13 Uhr seine Mitarbeiter. - © Wolfgang Rudolf
Und ab in den Feierabend ... der eigentlich ein Feiermittag ist: Lasse Rheingans (r.) verabschiedet um 13 Uhr seine Mitarbeiter. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Ausgezeichnet: Bielefelder erfindet 5-Stunden-Arbeitstag

Chancengleichheit: Lasse Rheingans, der vor knapp einem Jahr für Aufsehen sorgte, belegt den zweiten Platz beim "Chefsache Award" und wird im Hamburger Michel gefeiert

Kurt Ehmke

Bielefeld. Fast in jedem relevanten Medium Deutschlands durfte Lasse Rheingans seine Idee des Fünf-Stunden-Arbeitstages (bei vollem Lohn) vorstellen - und nun kommen die Preise. Der 37-Jährige erhielt gestern in Hamburg beim Zeit-Wirtschaftsforum den "Chefsache Award"; er landete auf Platz 2. Der zum dritten Mal vergebene Preis widmet sich dieses Mal der "Chancengleichheit von Frauen und Männern". Dass Rheingans? Firma "Digital Enabler" in diesem Bereich gewürdigt wird, hängt für den bundesweit ersten Unternehmer mit Fünf-Stunden-Tag weniger mit der Arbeitszeit zusammen als mehr mit den damit verbundenen neuen Chancen, mehr vom Leben zu haben, Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen, effizienter zu arbeiten. "Bei mir sind zwar tatsächlich alle drei Führungskräfte weiblich", sagt Rheingans, doch sei es der Jury aber weniger um diesen Aspekt gegangen. Vielmehr hätten seine 15 Mitarbeiter in dem noch immer gültigen Fünf-Stunden-Tag "eine deutlich bessere Ausgangslage für mehr Chancengleichheit". Rheingans: "Ich habe angestoßen, worüber viele andere nachgedacht haben - und das scheint preisverdächtig zu sein." Die Chancengleichheit sei dabei nicht nur einseitig zu sehen, "es gibt auch viele Männer, die sich gerne eine Elternzeit oder eine Vaterzeit nehmen wollen". Nur für Rheingans gilt die Fünf-bis-Sechs-Stundenregel nicht In seiner Firma laufe es gut mit dem Fünf-Stunden-Tag, der aber immer wieder auch einmal aufgeweicht werde - "wenn es tatsächlich notwendig ist". Unter dem Strich aber sei es auch dann im Schnitt kein Sechs-Stunden-Tag. Da das Projekt auch wissenschaftlich begleitet wird, liegen Rheingangs auch hier erste Erkenntnisse vor: Es werde sehr effektiv gearbeitet, allerdings beschäftigten sich viele Mitarbeiter auch schon vor der Arbeit sowie danach mit Themen des Jobs, so dass hier etwas Zeit auf den Fünf-Stunden-Tag draufzuschlagen sei. Unter dem Strich präge eine "Kultur des Nicht-einfach-auf-dem-Platz-Sitzenbleibens" das Unternehmen. Der Einzige, für den die Fünf-bis-Sechs-Stundenregel nicht gelte, sei er selbst als Inhaber der Firma, sagt Rheingans mit einem Schmunzeln - aber man darf ja noch Ziele und Träume haben.

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