Blitzer Bernd: Fünf Tage lang stand das Testblitzgerät der Stadt an der Babenhauser Straße. 7.000-mal erfasste es zu schnelle Fahrzeuge, 60 Prozent davon kamen - wie hier - aus Babenhausen. - © Jens Reichenbach
Blitzer Bernd: Fünf Tage lang stand das Testblitzgerät der Stadt an der Babenhauser Straße. 7.000-mal erfasste es zu schnelle Fahrzeuge, 60 Prozent davon kamen - wie hier - aus Babenhausen. | © Jens Reichenbach

Bielefeld Schild vergessen: Die Stadt Bielefeld muss 7.000 Fotos von Blitzer Bernd löschen

Beschilderung in neuer 30-Zone nicht vollständig. Amt muss nachbessern

Jens Reichenbach

Bielefeld. Damit hatten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht gerechnet: Kaum hatten sie Test-Blitzer "Bernd" an der Babenhauser Straße aufgestellt, lief er nahezu heiß. In nur fünf Tagen löste das Gerät in der 30er-Zone zwischen "Bültmannskrug" und "Farben Voss" 7.000-mal aus. Eine enorm hohe Zahl, trotzdem muss die Behörde jetzt alle Vorgänge annullieren, wie Christiane Krumbholz, stellvertretende Chefin des Ordnungsamtes, auf Anfrage bestätigte. "Wir werden keinen der Vorfälle verfolgen." Grund ist die fehlende Tempolimit-Beschilderung an der Einmündung Splittenbrede. "Wer aus dieser Straße auf die Babenhauser Straße biegt, weiß nicht, dass er sich in einer 30er-Zone befindet", erklärt Krumbholz. Tatsächlich hatten sich zuvor zahlreiche Bürger über die Tempokontrollen in der nur 200 Meter langen 30er-Zone, die erst Anfang Juli eingerichtet worden war, beschwert. Die hohe Fallzahl hatte die Mitarbeiter zudem aufmerksam gemacht. "Wir haben uns daraufhin die Situation noch einmal angesehen", sagte Norman Rosenland, Leiter der Abteilung Verkehrsordnungswidrigkeiten. Verdecktes Tempolimit? Erich Quast spricht von einer "gemeinen Falle" So wie Wolfgang Pollhans, der am vergangenen Sonntag erwischt worden war. "Ich kam aus der Splittenbrede, fuhr auf den Lidl-Parkplatz und von dort weiter nach Babenhausen. Weder an der Kreuzung noch beim Verlassen des Parkplatzes habe ich ein Tempo-30-Schild gesehen." Noch bevor er einen Bescheid erhielt, beschwerte er sich darüber bei der Behörde. Aber auch Autofahrer, die aus Babenhausen kamen, meldeten sich. Denn Bernd blitzt in beide Richtungen. Erich Quast (77) etwa spricht von einer "gemeinen Falle." Er war bei Dunkelheit und Regen in Richtung Feuerwehr Wache an der Jöllenbecker Straße unterwegs, als ihn Bernd plötzlich Rot anblitzte. Auch er kehrte tags darauf zum "Tatort" zurück und erkannte: "Das 30er-Schild steht direkt hinter dem Ortseingangsschild und ist so kaum zu erkennen", sagt der Schildescher. Auch Rainer Putz hat sich diese Stelle genauer angesehen und per Foto dokumentiert: "Mein Bruder ist hier im Wohnmobil geblitzt worden. Gerade für Fahrer großer Fahrzeuge ist das Tempolimit verdeckt." Mindestabstandsmaß für Verkehrsschilder gibt es nicht Ralf Kleimann, Leiter der Straßenverkehrsbehörde, ist hier anderer Meinung. "Ja, die Beschilderung an der Splittenbrede fehlt, da wird noch nachgebessert." Aber das 30er-Schild hinterm Ortseingang sei "durchaus zu sehen". Etwa acht Meter liegen zwischen den beiden Schildern. Von weitem gesehen liegt das Tempolimit noch versteckt, ab dem Bültmannskrug wird es aber für die Fahrer sichtbar. Ein Mindestabstandsmaß für Verkehrsschilder gibt es laut Kleimann nicht. "Ein durchschnittlich aufmerksamer Verkehrsteilnehmer, der mit der erforderlichen Sorgfalt unterwegs ist, muss ein Verkehrszeichen wahrnehmen können", heißt es in der Rechtssprechung. Kleimann und Krumbholz sind sich einig, dass das hier der Fall ist. Zu viele Ungereimtheiten Warum löscht die Stadt dann alle 7.000 Vorgänge - und nicht nur diejenigen, die von der Splittenbrede stadtauswärts fuhren? Schließlich kamen 60 Prozent der Geblitzten aus Babenhausen. "Es gibt einfach zu viele Ungereimtheiten", so Krumbholz. "Theoretisch wäre es möglich, dass Autofahrer von der Splittenbrede kommend auf den Rewe-Parkplatz abgebogen sind und, ohne ein Schild gesehen zu haben, von dort stadteinwärts weitergefahren sind." Nichtsdestotrotz seien die hohen Zahlen in der neuen 30-er-Zone ein Alarmsignal, dass an der Stelle zu schnell gefahren werde, betont Krumbholz. "Wenn die Beschilderung in Kürze nachgebessert sein wird, werden wir dort wieder überwachen." Seit Mittwoch steht Blitzer Bernd übrigens an der Detmolder Straße - Höhe Star-Tankstelle, stadteinwärts.

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