Baden verboten: Am Baggersee in Schloss Holte-Stukenbrock wurde die Gruppe Männer auf frischer Tat ertappt. - © Andreas Fruecht
Baden verboten: Am Baggersee in Schloss Holte-Stukenbrock wurde die Gruppe Männer auf frischer Tat ertappt. | © Andreas Fruecht

Gütersloh/Bielefeld Polizeischüler begeht Hausfriedensbruch am Baggersee - Anzeige zurückgezogen

Der Sportfischereiverein Bielefeld erstattet Anzeige wegen Hausfriedensbruch gegen fünf junge Männer. Einer davon ist Kommissaranwärter

Ingo Müntz
09.08.2018 | Stand 09.08.2018, 17:00 Uhr
Benedikt Schülter

Kreis Gütersloh/Bielefeld. Der 16. Juli war einer dieser heißen Tage. Ein Tag, an dem der Baggersee ruft. Doch diese Rufe sind trügerisch, denn die meisten Baggerseen der Region sind keine offiziellen Badegewässer, sondern Abbaugebiete. So auch die Sandgrube Brink. Hausrecht haben dort lediglich das Abbauunternehmen und der Sportfischereiverein Bielefeld. Nicht jedoch die illegalen Badegäste, die täglich auf das Gelände stürmen. An jenem 16. Juli stieg auch eine Gruppe von fünf jungen Männern verbotenerweise über den Zaun, um an den Baggersee zu gelangen. "Wie so oft haben wir an diesem Tag die Polizei angerufen", berichtet ein Mitglied des Sportfischereiverein. "Denn die Horden von illegalen Badegästen zerstören unsere Zäune, missachten Verbotsschilder, lassen haufenweise Dreck am Uferrand zurück und bringen sich in Lebensgefahr." Anzeigen mit einer gewissen Brisanz Eine Polizeistreife rückte an und nahm die Personalien der Schwimmer auf, auch die der jungen Männer. "Die Gruppe war sehr kooperativ, hat sofort ihr Fehlverhalten eingesehen und bedauert", berichtet das Vereinsmitglied weiter. Die Aufnahme der Personalien und die folgenden Anzeigen des Sportfischereivereins bargen allerdings eine gewisse Brisanz. Einer der jungen Männer ist Kommissaranwärter bei der Polizei, steht kurz vor Abschluss seiner Ausbildung und vor einer anschließenden Verbeamtung. Eine besondere Geschichte kam ins Rollen. Wie ein Vorstandsmitglied gegenüber der NW berichtet, hätten sich nach dem Vorfall mehrere Polizeibeamte bei ihnen gemeldet. Einer von ihnen sei ein Ausbilder des Polizeischülers gewesen. Man möge doch die Anzeige gegen seinen Schützling, dessen Name der Redaktion bekannt ist, zurückziehen, habe er angeblich die Mitglieder des Sportfischereivereins Bielefeld gebeten. Doch nicht nur das. So habe es wohl mehrere Anfragen seitens Polizeibeamter gegeben, die den Verein auf die Geschehnisse vom 16. Juli ansprachen. Laut Aussage des Vorstandsmitglieds meldete sich außerdem ein ranghoher Polizist, der die Mitglieder des Vereins darum bat, dass sie ihre Anzeige wegen Hausfriedensbruch gegen den Polizeianwärter aufrecht erhalten sollten. Schlussendlich entschieden sich die Mitglieder dann aber am 23. Juli doch, den Strafantrag gegen den Kommissaranwärter zurückzuziehen, allerdings nur gegen ihn. Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt Gegen die anderen Beteiligten wird weiterhin ermittelt, wie die Pressesprecherin der Gütersloher Polizei, Corinna Koptik, bestätigt. Die Aussagen des Bielefelder Sportfischereivereins, bezüglich der Kontaktaufnahme mit den Vereinsmitgliedern, weist sie aber mit aller Entschiedenheit zurück: "Polizeibeamte der Kreispolizeibehörde Gütersloh haben keinesfalls versucht, auf die Mitglieder des Bielefelder Sportfischereivereins einzuwirken, damit die Anzeige gegen den Kommissaranwärter zurückgezogen wird." Das Ermittlungsverfahren liegt laut der Gütersloher Polizeisprecherin momentan bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Den Eingang der Akten konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld, Moritz Kutkuhn, gegenüber der NW nicht bestätigen. Fest steht, dass sich am 18. Juli, also zwei Tage nachdem die Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt wurde und fünf Tage bevor die Anzeige gegen den Polizeischüler zurückgezogen wurde, ein Entschuldigung per E-Mail beim Sportfischereiverein einging. Dieses Schreiben liegt der NW vor. Darin bieten die Beschuldigten an, dass sie "im Rahmen einer Vereinsspende oder der Räumung von Müll an ihrem See Wiedergutmachung leisten wollen, natürlich auch auf einem anderen Wege. Selbstverständlich werden wir Ihre See und Sportstätte nicht wieder aufsuchen". Wirkung zeigte diese E-Mail aber nicht. Ein Vorstandsmitglied schreibt in seiner E-Mail an ein anders Vorstandsmitglied, dass er genug von der Angelegenheit habe. Er werde "nichts mehr zurückziehen". Diese Aussage galt da aber schon nicht mehr dem Polizeischüler.

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