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Symbolfoto - © Andreas Frücht
Symbolfoto | © Andreas Frücht

Bielefeld Unfälle mit Kindern: Polizei wendet sich mit Appell an Bielefelder

Fahrerflucht: Auch wenn der Minderjährige unversehrt ist, dürfen Autofahrer nicht wegfahren. 2.329 Unfallfluchten registrierte die Bielefelder Polizei im Jahr 2017

Jens Reichenbach
09.07.2018 | Stand 09.07.2018, 10:28 Uhr

Bielefeld. Die Flucht des Autofahrers (28), der mit seinem Audi am Donnerstagabend einen Sechsjährigen anfuhr und dabei schwer verletzte, gehört sicherlich zu den schwerwiegenden und daher selteneren Fällen. Fahrerflucht ist für die Ermittler des Verkehrskommissariates 1 dennoch ein Dauerthema. 2.329 Verkehrsunfallfluchten registrierte die Polizei 2017 im Bielefelder Stadtgebiet. In den meisten Fällen handelte es sich um Sachschäden. 83-mal suchten die Unfallverursacher aber auch das Weite, obwohl sie jemanden dabei verletzt haben (Aufklärungsquote: 55 Prozent). Dazu gehört auch ein aktueller Fall aus Heepen. Auf den ersten Blick kann man dem Autofahrer, der am Freitag, 29. Juni, am Alten Postweg einen 16-jähriger Schüler angefahren und verletzt hatte, nicht viel vorwerfen. Laut Polizeibericht war der 16-jährige Jugendliche kurz nach 8 Uhr auf dem Radweg in falscher Fahrtrichtung unterwegs. Als ein Auto vom Gelände der Realschule Heepen auf den Alten Postweg biegen wollte, übersah der Fahrer den Radler und stieß mit ihm zusammen. Der Jugendliche stürzte und zog sich Schürfwunden am Fuß zu. Obwohl sich der Autofahrer bei dem 16-Jährigen erkundigte und anbot, den Rettungsdienst oder die Polizei zu rufen, ermittelt die Polizei gegen ihn wegen des "unerlaubten Entfernens von der Unfallstelle". Denn der Autofahrer stieg ins Auto, nachdem der "Jugendliche die Polizei mehrmals abgelehnt hatte und fuhr davon", berichtet Polizeisprecher Michael Kötter. Doch in der Schule riefen dann die Lehrer Rettungswagen und Polizei. Seitdem sucht die Polizei den Fahrer (1,75 Meter, Vollbart) des roten Kleinwagens. "Fragen wie 'Tut es noch weh?' oder 'Wie geht es Dir jetzt?' sind nicht zielführend" Erster Polizeihauptkommissar Oliver Naber erklärt: "Kinder wollen nach einem Unfall nur eines: Sie wollen weg. So schnell wie möglich nach Hause." Deshalb reagierten Kinder oft ablehnend, wenn man anbiete, Polizei oder Rettung zu rufen. Es sei deutlich mehr als nur ein Ärgernis, so der Ermittler vom Verkehrskommissariat 1, wenn Autofahrer nicht verantwortungsvoll reagierten. "Fragen wie 'Tut es noch weh?' oder 'Wie geht es Dir jetzt?' sind nicht zielführend. Zuhause zeigen sich oft doch noch Blutergüsse oder es tritt ein Schwindel auf", sagt Naber. Insbesondere junge Verkehrsteilnehmer könnten unter Schock stehen. Daher sei es wichtig, dass Kinder nach einem Unfall nicht allein gelassen werden", so Kötter. "Die Autofahrer begeben sich andernfalls in den Bereich der Strafbarkeit, wenn sie weggefahren sind." Deshalb appelliert die Polizei dringend an alle Verkehrsteilnehmer: "Wenn ich einen Unfall mit einem Kind habe, dann kann ich nicht einfach wegfahren", so Naber. Passiert das, werde auf jeden Fall wegen des Verdachts der Unfallflucht ermittelt. "Bleiben Sie also vor Ort und informieren Sie die Polizei und wenn nötig den Rettungsdienst. Das gilt auch, wenn das Kind nicht angefahren oder verletzt wurde." Zeugenhinweise zum Unfallgeschehen am Alten Postweg oder zum Autofahrer erbittet die Polizei unter Tel. (05 21) 54 50.

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