Seine Idee rettete das Projekt: Der damalige Hochbauamts-Architekt Hartmut Scheiding entwarf das Multifunktionskonzept der Seidensticker Halle. - © Wolfgang Rudolf
Seine Idee rettete das Projekt: Der damalige Hochbauamts-Architekt Hartmut Scheiding entwarf das Multifunktionskonzept der Seidensticker Halle. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Jubiläum: Die Bielefelder Seidenstickerhalle wird 25 Jahre alt

"Halle für alle"

Joachim Uthmann

Bielefeld. "Multitalent", "Imagegewinn", "Glücksfall" - viel Lob gibt und gab es für die Seidensticker Halle. Die Multifunktionshalle an der Werner-Bock-Straße mit Platz für bis zu 7.500 Zuschauern ist so gebaut, dass Sportwettkämpfe, Schulsport und Großveranstaltungen laufen können. In der "Halle für alle", wie Sportamtsleiter Joachim Middendorf sie nennt, treten berühmte Künstler auf. Mehr als 2,8 Millionen Besucher kamen zu Sport und Events. Am 5. März wird sie 25 Jahre alt. Ein Erfolgsmodell - das wie in Bielefeld typisch eine lange und strittige Vorgeschichte hatte. Davon weiß Hartmut Scheiding ein Lied zu singen. Der 69-jährige war damals Architekt im Hochbauamt der Stadt - und rettete mit einem Glasentwurf das Projekt, das nach 15 Jahren Vorplanung kurz vor dem Aus stand. "Es war ein ziemlicher Kampf, den wir schon fast verloren hatten", erinnerte sich Lothar Matthes, damals Präsident des Stadtsportbundes und Mitstreiter. Die Ursprungsidee war eine doppelte Dreifachsporthalle vor allem für Berufsschulen und Gymnasien, die sie dringend benötigten. Erster Standort war die Grünfläche am Rand des Ravensberger Parks an der Hermann-Delius-Straße. 2.500 Zuschauer hätte die Halle nach dem Wettbewerbsentwurf des Architekten Friedrich Pramann gefasst. Doch begrenzte Kapazität, Enge im Park, Skepsis der Politiker, Zweifel an der Finanzierbarkeit und Probleme, nötige Fördermittel zu erhalten, blockierten das Projekt. Spender und Förderer lösten die Blockade Scheiding, der schon in seiner Zeit in Dortmund viel mit Sportstättenbau zu tun hatte, lieferte schließlich ein Modell aus Glas, das die Vorzüge einer größeren Halle für viele Nutzungen und Platz für bis zu 7.500 Zuschauern zeigte. Die Idee half, die Skeptiker zu überzeugen. Weil sie aber größer war, passte die Halle so schlecht in den Park. Die Stadt schwenkte 1989 drei Monate nach dem grundsätzlichen Pro-Ratsbeschluss um und verlegte den Standort auf das frei gewordene Bauhofgelände an der Werner-Bock-Straße. Um die Blockade des Projekts zu lösen, waren aber viele Antreiber erforderlich, die es schafften, dass die Stadt die umstrittene Großsporthalle doch auf den Weg brachte. Einer war Dieter Halle, Lehrer am Ratsgymnasium und Vorsitzender im Ausschuss für den Schulsport. Er baute den Förderverein mit auf, der bald über 300 Mitglieder, darunter mehr als 70 Sportvereine hatte, um die Sporthallen-Idee zu retten. Die Initiative "Großsporthalle, jetzt!" sammelte 20.000 Unterschriften, startete zum Sternlauf und fand immer mehr Förderer. Schließlich lösten private Spender den Knoten. Die Familie Seidensticker steuerte vier Millionen Mark bei, die NW finanzierte die Zufahrtsrampe vor, ohne die schweres Gerät nicht in die Halle kommen würde. Am Ende änderte die Mehrheit im Rat ihre Meinung und gab grünes Licht für den Bau. Millionen-Zuschüsse des Landes für Schulen und Sport ebneten den Weg zur Finanzierung. Zur Vorsicht legte der Rat aber einen Deckel von 35 Millionen Mark auf. Den hielten Planer und Baufirmen ein. "Obwohl es schwierig war", wie Scheiding sich erinnert. Denn statt auf Sand wie unter dem Ravensberger Park stießen sie auf dem früheren Bauhofgelände auf Altlasten sowie Schieferton als Grund. Um die schwere Halle zu gründen, durfte das Grundwasser nicht abgesenkt, muss der Boden bis heute feucht gehalten werden. Mit sandgefüllten Betonklötzen und acht Pumpen, die ununterbrochen laufen müssen, schafften es die Erbauer. Bis heute sei die Substanz der Halle aber "sehr gut". Kompliziert ist die seltene Technik für die Laufbahnen, die in der Kurve absenkbar sind. Das erfordert Sanierungen, die teils längere Pausen brachten, ermöglicht aber den flexiblen Umbau, der die Halle für viele nutzbar macht: Ob als Dreifachturnhalle für Schulen und Training, Wettkampfstätte für Handball, andere Sportarten, Leichtathletik mit vier Bahnen sowie für Konzerte mit bis zu 7.500 Besuchern oder große Parteitage. Höhepunkte 2,85 Millionen Zuschauer besuchten in den 25 Jahren gut 1.300 Veranstaltungen. Als erster berühmter Sänger begeisterte Chris Rea 1993 wenige Tage nach der Eröffnung die Bielefelder. Als weitere bekannte Stars traten unter anderem Elton John, André Rieu, Beyoncé, Joe Cocker, Sting, Udo Jürgens, Backstreet Boys, Chris de Burgh, Die Toten Hosen, Herbert Grönemeyer, Genesis, Metallica und Otto auf. Sportliche Höhepunkte: Europameisterschaften „Lateinamerikanische Tänze" , Harlem Globetrotters, das Volleyball-Länderspiel Deutschland-USA, „die Lipizzianer Gala", Weltmeisterschaften „10 Tänze der Professionals", Deutsche Meisterschaften im Badminton. Regelmäßige Veranstaltungen: Fußball-Hallenstadtmeisterschaft, Motorrad-Trial des MSC Brake, Leichtathletikmeisterschaften sowie Spiele des Handball-Oberligisten TSG Altenhagen/Heepen. Geschichte 1978: Planungsauftrag der Ratsgremien für Sechsfachturnhalle. 1979 Architektenwettbewerb für zwei Dreifachturnhallen für 2.500 Zuschauer im Ravensberger Park. 1980 Land erkennt Förderwürdigkeit an. 1984/85 Bau der Parkpalette an der Hermann-Delius-Straße neben dem Sporthallen-Standort für 5,3 Millionen Mark. 1985 Hauptausschuss ändert Planung auf Großsporthalle mit Rundlaufbahn für 5.000 Zuschauer. 1986 Neuer Antrag auf Fördermittel. 1987 Stadtrat lehnt Großsporthalle ab. 1988 Initiative „Großsporthalle jetzt!" gründet sich, großer Sternlauf zum Rathaus, Resolution und Unterschriftensammlung. 1. Juli 1988: Rat korrigiert Beschluss, erklärt Absicht zum Bau der Großsporthalle. 1989 Familie Seidensticker bietet Spende von 4 Millionen Mark. 16. März 1989: Rat beschließt Bau in Ravensberger Park. 15. Juni 1989: Standort Werner-Bock-Str. 20. Oktober 1989: Grundsteinlegung. 5. März 1993: Eröffnung mit Feier.

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