Tanken: Thomas Skotnicki lädt seinen schwarzen Elektro-Golf an einer Säule am Niederwall. Da der Parkplatz zu klein ist, stellt er den Wagen ordnungswidrig auf dem Gehweg ab. - © Wolfgang Rudolf
Tanken: Thomas Skotnicki lädt seinen schwarzen Elektro-Golf an einer Säule am Niederwall. Da der Parkplatz zu klein ist, stellt er den Wagen ordnungswidrig auf dem Gehweg ab. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Bielefeld soll 30 neue Elektro-Ladesäulen bekommen

Ob das wirklich klappt, entscheiden aber andere

Ingo Kalischek
01.02.2018 | Stand 01.02.2018, 09:33 Uhr

Bielefeld. Willensbekundungen gibt es reichlich. Aber was unternimmt die Stadt Bielefeld genau, um den Umstieg auf die Elektromobilität zu realisieren? "Viel zu wenig", sagen Kritiker - und sprechen von "Stillstand". Die Stadt hält dagegen, verweist auf große Projekte und Investitionen in diesem Jahr. 30 öffentlich zugängliche Ladesäulen will Bielefeld in den kommenden Monaten errichten. Bislang gibt es in der Stadt 24. "Wir warten aktuell auf Fördermittel", sagt Christian Kracht von den Stadtwerken. Die neuen Säulen machen das Laden schneller - in vier Stunden soll der Tank zu 80 Prozent gefüllt werden. An Schnellladesäulen (50 bis 150 kW) dauert es sogar nur 40 Minuten. Ein Vergleich: Haushaltssteckdosen benötigen bis zu 12 Stunden. Ladesäulen haben ihren Preis Wann genau die 30 Säulen gebaut werden, ist offen. Denn auf Fördermittel des Bunds wartet Bielefeld schon seit einem Jahr. Die will sich die Stadt auf keinen Fall entgehen lassen. Denn die Säulen haben ihren Preis. Eine Standardsäule koste mindestens 5.000; die Schnellvariante bis zu 30.000 Euro, sagt Kracht. Hinzu kommen rund 2.500 Euro für Anschluss und Tiefbau. Die Stadt hofft, dass bis zu 40 Prozent der Gesamtkosten gefördert werden. "Wir wollen in diesen Bereich deutlich investieren", kündigt Volker Gervers von den Stadtwerken an. Eine Art "Task Force" mit Vertretern der Stadtwerke, der Ämter und von Mobiel habe das Thema seit November fest im Blick. "In Planung ist ein erheblicher Ausbau", sagt auch Bernd Reidel vom Umweltamt. Genau das glauben Kritiker wie Thomas Skotnicki mittlerweile eben nicht mehr. "Bielefeld braucht nicht Monate, sondern Jahre", moniert Skotnicki. "Es bleibt bei Versprechungen." Der Bielefelder Autoverkäufer machte seinem Ärger kürzlich in einem Schreiben an Oberbürgermeister Pit Clausen Luft. Darin bezeichnet er die Infrastruktur für E-Mobilität in Bielefeld als "unterirdisch". Knöllchengefahr: "Zwei Säulen, aber nur ein Parkplatz" Ein Beispiel: Skotnicki parkte seinen VW e-Golf (250 Kilometer Reichweite) an einer Ladesäule am Niederwall - gegenüber dem Rathaus. "Die Säule ist mit zwei Anschlüssen versehen, aber es gibt nur einen Parkplatz." Skotnicki parkte notgedrungen auf dem Gehweg - und kassierte prompt ein Knöllchen. "Ich bin kein Nörgler - und das Knöllchen ist gerechtfertigt. Aber es geht um das Prinzip." Einerseits schaffe die Stadt durch den Bau von Säulen Fakten; andererseits seien sie aber nicht praktikabel. "Vorreiter im Bereich der Erneuerbaren Energien werden nicht gefördert, sondern abgestraft", kritisiert Skotnicki. Oft seien die Parkplätze auch durch andere Autos belegt, obwohl die dort gar nicht laden würden. Die Stadt Bielefeld kündigt zumindest im Bereich der Ladesäulen am Niederwall Besserung an: Sie will in den nächsten Tagen zwei Säulen mit vier großen Parkplätzen auf Höhe des Restaurants Alex bauen. Nur 200 E-Autos in Bielefeld zugelassen Große Erwartungen an die E-Mobilität und ihre Infrastruktur komme aus den Bezirksvertretungen, sagt Reidel. Und auch Firmen zeigten Interesse. Immer mehr bauten auf ihrem Gelände E-Ladesäulen für Mitarbeiter und Kunden. Aktuell sind es 34. Dem gegenüber stehen nur rund 200 zugelassene Elektroautos in der Stadt. "Eine sehr begrenzte Zahl", räumt Reidel ein. Genau das sei der Grund für die aktuell eher unbefriedigende Situation. "Wir haben die Infrastruktur bislang an die Anzahl der Autos angepasst", sagt Gervers. E-Mobilität sei noch kein gewinnbringendes Geschäftsfeld. "Das wird sich künftig aber ändern", so Gervers. Irgendjemand muss also irgendwann den Anfang machen, fragt sich bloß: wer?

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