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An der Uni gab's Prügel: Türken und Kurden gingen aufeinander los. - © Sarah Jonek
An der Uni gab's Prügel: Türken und Kurden gingen aufeinander los. | © Sarah Jonek

Bielefeld Polit-Schlägerei an der Uni Bielefeld

Offensichtlich Kurdischstämmige und Türkischstämmige gerieten aneinander

Ansgar Mönter
23.11.2017 | Stand 23.11.2017, 14:48 Uhr

Bielefeld. Der innertürkische Kurdenkonflikt hat die Bielefelder Universität erreicht. In einem Hörsaal der Uni ist es am Dienstagabend zu einer Schlägerei gekommen. Offensichtlich Kurdischstämmige und Türkischstämmige gerieten aneinander. Eine Gruppe von Anhängern Abdullah Öcalans, dem inhaftierten Führer der als Terrororganisation eingestuften und in Deutschland verbotenen kurdischen PKK, stürmten die Vortragsveranstaltung eines Erdogan-nahen türkischstämmigen Wissenschaftlers. Das löste die Gewalt aus. Knapp 100 Zuhörer waren in den Hörsaal gekommen, "darunter Kinder", wie eine Augenzeugin berichtet, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Sie ist türkischstämmige Studentin und fürchtet Anfeindungen von PKK-Anhängern an der Uni, "die ich immer wieder erlebe". Als die Polizei eintraf, war die Schlägerei bereits beendet Nach ihren Schilderungen stürmten die Demonstranten noch vor Beginn des Vortrags von Wissenschaftler Sezer Özcan über syrische Flüchtlinge den Hörsaal durch den Hintereingang und riefen Parolen wie "Kurdistan wird euer Tod werden". Bemühungen einiger Anwesender, die Lage zu befrieden, seien schnell gescheitert, stattdessen flogen die Fäuste, es floss Blut. Die Polizei rückte gleich mit mehreren Streifenwagen an, allerdings war die Schlägerei schon beendet, die Provokateure waren abgerückt. Aus den Reihen von türkischstämmigen und auch kurdischstämmigen Studenten wird nicht nur wegen dieses Vorfalls das Rektorat der Uni kritisiert. "PKK-Leute hängen Bilder von Öcalan in der Unihalle auf. Dabei ist der ein Terrorist, der 90.000 Menschen töten ließ", heißt es. Auch könnten die PKK-Sympathisanten unbehelligt in der öffentlichen Einrichtung Uni Geld für ihren Kampf sammeln, etwa durch den Verkauf von Waffeln. "Ich verstehe nicht, wieso ihnen das erlaubt wird", sagt die Studentin, die Augenzeugin der Schlägerei war. Nach ihren Informationen bekommt eine PKK-nahe Hochschulgruppe sogar Geld vom Asta der Uni zugewiesen. Der Asta-Vorsitzende Sami Moztoul jedoch widerspricht dieser Aussage. Rektorat erinnert an einen Appell aus dem Jahr 2016 In einer Stellungnahme zu dem Gewaltakt erinnert das Rektorat an einen Appell aus dem Jahr 2016 "für ein respektvolles Miteinander". Darin heiße es, die Uni "bekennt sich zur Meinungsfreiheit" und biete "Raum und Rahmen für die Artikulation von Meinungen". Einstellungen und Positionen würden auch über Plakate, Flyer und in Veranstaltungen artikuliert. Die Grenzen von Meinungsfreiheit bestünden in der "Achtung von Persönlichkeitsrechten und Strafgesetzen". Jedwede Gewalt wird verurteilt. Man prüfe, ob Konsequenzen aus den Erfahrungen mit der Veranstaltung vom Dienstag zu ziehen seien. Nach Informationen der NW sind auch Referent Sezer Özcan und die Hochschulgruppe "KulTürk" umstritten. Özcan werden "antisemitische und verschwörungstheoretische Beiträge" auf seiner Facebook-Seite vorgehalten. Und KulTürk wird als islamistisch, nationalistisch und Erdogan-orientiert eingestuft. "Wir sind hier in Bielefeld und nicht in der Türkei" Bielefelds Integrationsratsvorsitzender Mehmet Ali Ölmez, selbst türkischer Herkunft, ist sauer über die Vorfälle. "Wir sind hier in Bielefeld und nicht in der Türkei. Die Konflikte von dort haben hier nichts zu suchen", schimpft er. Ölmez will keine Nahost- oder Türkeikonflikte importiert sehen. Für die Augenzeugin ist die Uni gefordert, Grenzen zu ziehen. Es gebe ein Klima der Angst an der Hochschule, weil die Terror-Sympathisanten frei agieren könnten. Es seien sogar schon Kommilitoninnen auf dem Unigelände mit dem Messer bedroht worden wegen des kurdisch-türkischen Konflikts.

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