Bielefeld Stadt Bielefeld will Ausbau der Stadtbahn-Linie 2 bis nach Hillegossen prüfen

Stadt und MoBiel wollen mit Blick auf die freiwerdenden Kasernen der Briten untersuchen lassen, ob sich eine Stadtbahn entlang der Detmolder Straße nicht eher lohnt als eine Verlängerung der Linie 3

Joachim Uthmann

Bielefeld. Schon 1954 soll der damalige Gemeinderat Hillegossen eine Stadtbahnlinie bis in den Stadtteil beantragt haben. Bis Stieghorst fährt die Linie 3 längst, doch die weitere Planung steckt fest. Jetzt gibt es neue Überlegungen - angestoßen von der Diskussion darüber, was aus den freiwerdenden Kasernengeländen an der Detmolder Straße wird. Stadt und die Verkehrsbetriebe MoBiel wollen 2018 prüfen lassen, ob sich nicht eher eine Verlängerung der Linie 2 lohnt. MoBiel verfolgt mit Blick auf 2030 den Ausbau des Bielefelder Stadtbahnnetzes. Nachdem eine neue Linie 5 nach Heepen gescheitert ist, haben die Verlängerung der Unilinie 4 bis zur Dürerstraße und der Linie 1 nach Sennestadt Priorität. Doch in Stieghorst und Hillegossen wartet man auch weiter auf eine Verlängerung der Linie 3 oder alternativ 2, bestätigt Bezirksbürgermeister Reinhard Schäffer (SPD). Abzug der Briten Ende 2019 zu erwarten Aktuell liegt die Planung aber auf Eis, weil unklar ist, wann die Kasernen frei werden und wie die Flächen später genutzt werden. Das Catterick-Kasernengelände südlich der Detmolder Straße umfasst immerhin rund 30 Hektar. Die Briten haben in einem Brief erneut bestätigt, dass mit dem Abzug Ende 2019 zu rechnen ist. Über die künftigen Nutzungen der Immobilien debattiert derzeit ein Runder Tisch. Wohnungen und Gewerbe sind denkbar, aber auch öffentliche Einrichtungen wie Hochschulen oder Institute. Für alle gilt aber: Eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wäre sinnvoll. Und die würde eine Stadtbahnlinie am besten schaffen. Die Linie 3, die bisher in Stieghorst bis zur Stieghorster Straße führt, wäre schon einige hundert Meter entfernt. Und das würde auch für eine Verlängerung nach Hillegossen auf der bisher favorisierten Trasse durch den Stieghorster Grünzug gelten. Deshalb kam die Idee auf, die Linie 2, die bisher in Sieker endet, über die Detmolder Straße bis Hillegossen zu verlängern. Dann führe sie direkt an dem Kasernen-Areal vorbei. Georg Fortmeier (SPD), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, sagt: "Das ist eine gute Überlegung." Der Aufsichtsrat von MoBiel soll deshalb im Dezember die Geschäftsführung beauftragen, mit der Stadt ein externes Gutachten erarbeiten zu lassen. Das soll die möglichen Varianten, zu denen auch noch eine Verlängerung der Linie 3 über die Stieghorster zur Detmolder Straße zählt, untersuchen - mit besonderer Berücksichtigung der Kasernen. Nach der Potenzialanalyse 2012 wird die Stadtbahn bis Hillegossen neben Heepen und Sennestadt als sinnvoll bewertet - allerdings auf der Linie 3. Die Verlängerung auf der Linie 2 wäre wegen hoher Baukosten und weniger zu erwartenden Fahrgästen nicht wirtschaftlich. Doch mit der Öffnung der Kasernengelände hätten sich die Bedingungen "deutlich verändert", schätzen die Experten ein. Hindernisse und Proteste bei Ausbau der Stadtbahn-Linie 3 Hinzu kommt, dass es bei der Verlängerung der Linie 3 erhebliche Hindernisse gibt, weil die Trasse mit Bebauungen kollidiert. Im Stieghorster Zentrum war gar über eine Unterführung der Stieghorster Straße nachgedacht worden. Die Variante sorgte vor Jahren schon für Proteste. Mit dem Bau der Linie 2 würde die Stadt diese umgehen. Auf der Detmolder Straße wäre er aber auch nicht problemlos. MoBiel ließ in einer Studienarbeit die Linien-2-Verlängerung mit Erschließung des Kasernengeländes schon einmal untersuchen. Das Ergebnis: Werden viele Wohnungen und Arbeitsplätze dort geschaffen, lohnt es sich. Eine Prüfung der Tasse ergab aber auch, dass eine gründlichere Untersuchung nötig ist. Die soll 2018 erfolgen. Die Kasernen werden erst in gut zwei Jahren frei. Und bis die Flächen neu genutzt werden, dürfte es noch weitere Jahre dauern, zumal bis heute unklar ist, in welchem Zustand die Immobilien sind und wie viel Altlasten dort schlummern. Aber Planung und Bau einer Stadtbahnstrecke erfordert mindestens genauso viel Zeit. Zumal eine Finanzierung noch in den Sternen steht.

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