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Im Restaurant Wang in Bielefeld wird eine Strafgebühr fällig, wenn Reste übrig bleiben. - © Stefan Gerold
Im Restaurant Wang in Bielefeld wird eine Strafgebühr fällig, wenn Reste übrig bleiben. | © Stefan Gerold

Bielefeld Nicht aufgegessen? Bielefelder Restaurants verlangen Strafgeld

Damit wehren sich die Gastronomen gegen Verschwendung

Alexandra Buck
24.07.2017 | Stand 24.07.2017, 12:12 Uhr

Bielefeld. Das Prinzip "All you can eat" verleitet viele Restaurant-Gäste zum Stapeln und Anhäufen. Da bleibt am Ende meist einiges übrig - und diese Verschwendung ärgert die Bielefelder Gastronomen. Deshalb verlangen immer mehr Restaurant-Betreiber Strafgelder, wenn Reste übrig bleiben. All you can eat - essen, so viel man kann - weckt die Gier in vielen Gästen. Man packt drauf, die Augen sind größer als der Magen. Motto: "Ich habe das bezahlt, ich darf mit dem Essen machen, was ich will." Manche räumen Speisen auf ihren Teller, von denen sie gar nicht wissen, ob sie sie mögen. Und was nicht schmeckt, wird entsorgt. Ist ja bezahlt. Lange haben Gastronomen das akzeptiert, doch das Thema Lebensmittelverschwendung gewinnt in der Branche seit etlichen Jahren an Bedeutung. Und viele versuchen, sich gegen die Verschwendung zu wehren. Jinhong Liu, Inhaberin des neuen chinesischen Restaurants "Wang" im Rathaus-Pavillon in Bielefeld etwa verlangt eine "Strafgebühr", wenn Reste übrig bleiben. "Essen Sie soviel Sie möchten, aber bitte nehmen Sie nur so viel auf den Teller, wie Sie essen können", steht da geschrieben. "Wir möchten kein Essen wegwerfen." Traurig eigentlich, dass man erwachsenen Menschen erklären muss, dass Verschwendung zu vermeiden ist, aber offenbar geht es nicht anders. Drei Euro verlangt das Wang, wenn auf dem Teller Reste übrig bleiben. In asiatischen Restaurants verbreitet Auch im Bielefelder Flammkuchenrestaurant "Le Feu" wird bestraft, wer zu viel auf seinem Teller liegen lässt. Für Gäste, die einen gefüllten Teller zurückgehen lassen, ist das All you can eat beendet. Eine Gebühr auf Essensreste ist vor allem in asiatischen Restaurants verbreitet. Sie bieten in der Regel ein klassisches "All you can eat"-Buffet an und sind deshalb oft von Verschwendung betroffen. Müssen wir uns künftig in allen Restaurants alle Speisen reinzwängen - auch wenn wir keinen Appetit mehr haben? Einen Trend in diese Richtung gibt es laut Hotel- und Gaststättenverband nicht. Hier wird die kleine "Geldstrafe" kritisch gesehen. „Man sollte diplomatischen Einfluss nehmen. Natürlich wird zu viel weggeschmissen, aber man kann die Sache anders angehen, als mit Bußgeldern", sagt Thomas Keitel, Geschäftsführer des Dehoga NRW. Seine Mittel der Wahl seien Hinweise des Personals und kleinere Teller. Eine Studie der Universität in Stuttgart hat bestätigt, dass tatsächlich zu viele Lebensmittel im Müll landen. Statistisch gesehen wirft demnach jeder Deutsche täglich 225 Gramm Lebensmittel in den Müll, im Jahr also rund 82 Kilogramm - nur ein Drittel davon ist wirklich reif für die Tonne.

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