Kommissar in spe: Arminias Ex-Torwart Dennis Eilhoff ist jetzt Polizist. - © Wolfgang Rudolf
Kommissar in spe: Arminias Ex-Torwart Dennis Eilhoff ist jetzt Polizist. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Arminia Bielefelds Ex-Torwart Dennis Eilhoff ist jetzt Polizist

Trikotwechsel: Der 34-Jährige schließt derzeit seine Ausbildung zum Polizeikommissar ab - und erfüllt sich so einen Kindheitstraum. Seine Profikarriere endete 2011 abrupt

Dennis Rother

Bielefeld. Planbar ist im Fußball nichts. Diese Binsenweisheit gilt für Sieg oder Niederlage, aber auch für ganze Karrieren. Arminias Ex-Torhüter Dennis Eilhoff musste seine Schuhe nach einer Fingerverletzung 2011 an den Nagel hängen. Mit 29 Jahren Sportinvalide – ein Kapitel seines Lebens endete abrupt. Es öffnete sich dafür eine andere Tür: Läuft alles nach Plan, ist Eilhoff ab Herbst Polizeikommissar. „Und genau das wollte ich schon immer werden", sagt Eilhoff. 34 ist der ehemalige Erst- und Zweitligakicker nun und sieht immer noch so aus, als könne er bei „seinem" DSC im Abstiegskampf kurzfristig zwischen den Pfosten einspringen. 98 Mal stand er dort und wurde wegen seiner Liebe zum Klub – Eilhoff war bekanntermaßen Fan und Spieler in Personalunion – schnell zur Kultfigur auf der Alm. „Fußball spiele ich jetzt aber überhaupt nicht mehr", wiegelt er ab und lacht. „Fit bleibe ich mit meinen beiden Kindern sowieso, sie sind sieben und neun Jahre alt." Joggen gehe er mit Hund Cando. Ausbildung zum Gehobenen Dienst Familie Eilhoff wohnt in Rietberg im Kreis Gütersloh. Allzu weit zur seiner Polizei-Praktikumsbehörde in Wiedenbrück sowie zur Fachhochschule in Bielefeld ist der Weg nicht. Die beiden Stationen steuert der Kommissar in spe seit September 2014 während seiner Ausbildung zum Gehobenen Dienst an. Die Bandbreite war groß, sagt Eilhoff, vom Theoriebüffeln bis zum Streifendienst in voller Montur. Ihm gefalle, dass Teamarbeit bei Polizeieinsätzen eine gewichtige Rolle spiele. Ein bisschen wie in Fußballmannschaften, findet er. Rund um’s Stadion – etwa bei Regionalligist SC Wiedenbrück – war Eilhoff noch nicht aktiv. Die Karriere im „früheren Leben" habe ihm aber etwa beim Einstellungstest geholfen: Multitasking-Fähigkeiten wurden getestet, und das unter Zeitdruck. „Druck erlebt man in der Bundesliga regelmäßig." Derzeit schreibt er an der Bachelorarbeit Derzeit schreibt Eilhoff an seiner Bachelor-Abschlussarbeit. Die wurde etwas unerwartet aber umso erfreulicher zum Mammutprojekt. Das Thema: „Gefühlte Unsicherheit – das subjektive Sicherheitsempfinden von Fußballfans". Eilhoff erstellte eine Umfrage – und rund 5.400 Fans haben teilgenommen. Ein Fundus an Meinungen, von dem wohl mancher Fan-Forscher träumt. Aber warum überhaupt Polizei? „Das fasziniert mich seit meiner Kindheit", sagt er. Polizist zu sein, „das war mein Traum". Sein Onkel ist Beamter in Dortmund. Wenn er in den späten 90ern als Jungnationalspieler nicht frühzeitig die Weichen Richtung Profikarriere gestellt hätte, wäre die Polizei dann gar erste Anlaufstelle gewesen? „Die Frage stellt sich im Nachhinein nicht", sagt Eilhoff. Es klingt durch: Gut möglich wäre das wohl gewesen. Selfies mit Eilhoff - kein Problem Dass er von Arminia-Anhängern in neuer Uniform – immerhin auch blau – öfters erkannt wird, macht Eilhoff nichts. „Wenn sie Selfies möchten, mache ich das gerne." So könne er daran mitwirken, das Image der Polizei zu stärken, Vertrauen zu schaffen, sprichwörtlich Brücken zu bauen. „Denn bei manchem gelten Beamte als unnahbar." Extrawürste bei den Kollegen gibt es für den Ex-Kicker nicht, und die will er auch gar nicht. Star-Allüren? Fehlanzeige. Fachsimpeln ist aber an der Tagesordnung, auf der Wiedenbrücker Wache meist mit einem dortigen Bochum-Fan. „Der einzige, den ich überhaupt kenne", sagt Dennis Eilhoff und lacht. Nach Bielefeld zieht es ihn nicht Nach Bochum zieht’s den Kommissar-Anwärter zukünftig aber nicht – und nach Bielefeld auch nicht. „Hier gibt es eine Einsatzhundertschaft. Das bedeutet viele Wochenendeinsätze." Das möchte der Familienvater nicht. Gütersloh, Paderborn oder Soest seien seine Wunschstationen. Mitte August weiß Eilhoff voraussichtlich bereits, wo es hingeht, ab 1. September ist Eilhoff Kommissar. „Davon gehe ich jedenfalls fest aus", sagt er und schmunzelt. Mit 34 Jahren kommt er dann da an, wo er mit vier Jahren bereits hinwollte. Klar ist aber auch: Den „Umweg" Profifußball, den will er nun nicht missen.

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