Unterhaltsame Kaffee-Runde: Marijke Fischer, Judith Menckel, Dagmar Wilke, Mechthild Stockmeier, Bulli Grundmann, Julia Sandau und NW-Redakteurin Ariane Mönikes (v. l.) bei Sterntaler am Niedermühlenkamp. - © Andreas Frücht
Unterhaltsame Kaffee-Runde: Marijke Fischer, Judith Menckel, Dagmar Wilke, Mechthild Stockmeier, Bulli Grundmann, Julia Sandau und NW-Redakteurin Ariane Mönikes (v. l.) bei Sterntaler am Niedermühlenkamp. | © Andreas Frücht

Bielefeld Bielefelder Verein Sterntaler begleitet Kinder beim Trauern

Kinder und Jugendliche, die einen geliebten Menschen verloren haben, werden hier unterstützt. Ohne Spenden wäre das nicht möglich. Pläne, das Angebot zu erweitern, gibt es auch. Es fehlt aber Geld

Ariane Mönikes
19.04.2017 | Stand 18.04.2017, 18:41 Uhr

Bielefeld. Erwachsene verbannen Tod und Trauer gerne aus ihrem Leben. Sie wollen nicht darüber reden. Bei Kindern zeigt sich Trauer anders, sagt Julia Sandau. Sie ist eine von drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen beim Verein Sterntaler, der trauernde Kinder, Jugendliche und ihre Familien begleitet. Der hat die Neue Westfälische jetzt zum Kaffeekranz geladen, um ganz offen über Trauer und Tod zu sprechen. DER VEREIN Traubergleitung gibt’s in fast allen Städten, Trauerbegleitung für Kinder aber ist eher selten. Marijke Fischer arbeitet ehrenamtlich für Sterntaler, beschäftigt sich an der Uni intensiv mit den Themen Tod und Trauer. „Auf dem Land gibt es so gut wie gar keine Trauerbegleitung für Kinder", sagt sie. Schulen und Kindergärten würden sich dort kaum dafür öffnen, wenig bis gar nicht werde darüber gesprochen. „Der Tod ist nach wie vor ein Tabu-Thema", sagt sie. Seit 2005 gibt es in Bielefeld Sterntaler. Der Verein hilft Kindern, den Verlust zu begreifen und Angst abzubauen. Ehrenamtliche hatten ihn gegründet. War er anfangs noch beim Paritätischen untergebracht, bezog er 2009 die Räume am Niedermühlenkamp. DIE TRAUER-PROBLEMATIK Trauer wird von Kindern ferngehalten, sagt Sandau. Viele Erwachsene denken: Die sind klein und kriegen das eh nicht mit. Dabei trauern Kinder sehr wohl, sie zeigen es nur anders, sagt sie. Einige ziehen sich zurück, andere zeigen ihre Wut. „Kinder können da auch sehr sprunghaft haft sein", sagt Mitarbeiterin Dagmar Wilke. Einige hätten auch Schuldgefühle. Sie sehen, wie der Vater schon um den Opa trauert und denken, sie müssten sich zurückhalten. Um seelisch überhaupt wieder stabil zu werden, darf auch gelacht werden, sagt Julia Sandau. Das sei eine natürliche Fähigkeit, den Verlust zu überwinden. DAS ANGEBOT Bei Sterntaler gibt es Einzelberatung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche. Meistens sind es Institutionen wie Kindertagesstätten, die auf den Verein zukommen und den Kontakt zum Kind herstellen. Immer aber gibt es ein Erstgespräch mit den Eltern. „Die meisten kommen unmittelbar nach einem Todesfall zu Sterntaler, einige auch schon bevor der Trauerfall eingetreten ist", erklärt Dagmar Wilke. Die Kinder- und Jugendgruppe trifft sich alle 14 Tage an zehn Terminen, bei großem Andrang gibt’s eine Parallelgruppe. Aktuell begleitet der Verein 45 Kinder. SPENDEN „Spenden sind unsere einzige Einnahmequelle", sagt Vorstand Mechthild Stockmeier. Mal sind es große Summen, mal kleinere, jede sei willkommen. Mit der Zeit sind zu den Trauerspenden auch immer mehr Geburtstagsspenden gekommen, sagt Wilke. Zu Weihnachten gab es ein ganz besonderes Geschenk: Die Agentur Steuer Marketing und Kommunikation aus Bielefeld hat einen neuen Flyer für Sterntaler entwickelt, in einer Auflage von 2.500 wurde er gedruckt. „Wir hätten uns das nie leisten können", sagt Stockmeier. Der alte Flyer sei zu textlastig gewesen. MUSIK Mit Musik geht vieles leichter, sagt Musiker und Logopäde Bulli Grundmann. „Musik wirkt, sie bewegt etwas." Grundmann hat auch einen Sterntaler-Song komponiert, beim Sommerfest oder der Weihnachtsfeier singt er ihn mit den Kindern. Grundmann hat einen großen Respekt vor den Themen Tod und Trauer. „Da will man nicht so wirklich ran", sagt er. Grundmann kommt gerne zum Niedermühlenkamp, weil er weiß, dass er mit seiner Musik den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubert. DIE ZUKUNFT Die Notwendigkeit einer Trauergruppe wie Sterntaler ist da, das A und O aber sind die Finanzen, sagt Mechthild Stockmeier. „Ein gewisses Polster wäre eine Beruhigung." Mit mehr Geld könnte der Verein auch ein weiteres Angebot schaffen: Trauergruppen für Trennungs- und Scheidungskinder. Die Nachfragen sind da. „Ideen auch, aber kein Geld für Personal."

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