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Bald Umweltzone?: Auf dem Jahnplatz, den viele Fußgänger passieren, liegt die gesundheitsgefährdende Stickoxidbelastung deutlich über den Grenzwerten. Und das seit Jahren. Seit 2015 belegen Messungen das Problem. Jetzt drohen über den neuen Luftreinhalteplan, der Ende 2017 gelten dürfte, erste Fahrverbote. - © Sarah Jonek
Bald Umweltzone?: Auf dem Jahnplatz, den viele Fußgänger passieren, liegt die gesundheitsgefährdende Stickoxidbelastung deutlich über den Grenzwerten. Und das seit Jahren. Seit 2015 belegen Messungen das Problem. Jetzt drohen über den neuen Luftreinhalteplan, der Ende 2017 gelten dürfte, erste Fahrverbote. | © Sarah Jonek

Bielefeld Der Bielefelder Innenstadt drohen Fahrverbote

Luftreinhalteplan: Bielefeld überschreitet Grenzwerte für Stickoxid am Jahnplatz erheblich und wird ab Ende des Jahres eine Umweltzone einführen müssen

Joachim Uthmann
28.02.2017 | Stand 28.02.2017, 14:19 Uhr

Bielefeld. Bielefeld verstößt gegen Gesetze. Auf dem Jahnplatz liegt die Stickoxidbelastung deutlich über den Grenzwerten. Weil die EU und Gerichte Druck machen, muss die Stadt handeln. Derzeit wird der Luftreinhalteplan, der schon das 20-Tonner-Verbot für die Stapenhorststraße enthält, aktualisiert. Klar ist, dass die Stadt zumindest rund um den Jahnplatz ohne Fahrverbote nicht mehr auskommt. Stadt unter Druck Umweltzone, Dieselfahrverbot, Elektrobuspflicht – eine ganze Reihe von Eingriffen in den Verkehr ist denkbar und erforderlich. Denn auf dem Jahnplatz liegt der Stickoxidwert mit 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft weit über dem erlaubten Jahresmittel von 40. Und selbst eine Umweltzone mit grüner Plakette würde laut Experten nur gut zwei Mikrogramm bringen. Tanja Möller von der Bezirksregierung Detmold: „Das ist eine hochanspruchsvolle Aufgabe." Und das Ergebnis werden die Bielefelder spüren. Uneingeschränkt freie Fahrt auf dem Jahnplatz wird es ab Jahresende nicht mehr geben können. Möller hält sich bei möglichen Eingriffen noch bedeckt und verweist auf die Projektgruppe, die Vorschläge erarbeitet. Doch auch ihr ist klar, „dass die Grenzwerte nur mit einem Maßnahmenpaket einzuhalten sein werden". Heißes Thema ist ein Dieselfahrverbot, das in ersten Großstädten im Gespräch ist. Experten sehen Düsseldorf nach einem Verwaltungsgerichtsurteil gezwungen, Verbote für Dieselautos auszusprechen, die als Hauptverursacher von Stickoxiden und Feinstaub gelten. Ob Bielefeld ohne auskommt, ist bei den Jahnplatzwerten fraglich. Drastische Eingriffe Denn auch andere Maßnahmen sind begrenzt wirksam. Eine Elektrobuspflicht würde nach Berechnungen den Stickoxidausstoß nur um 2,8 Mikrogramm senken. E-Busse gibt es in Bielefeld aber gar nicht. Bernd Küffner vom Verkehrsclub VCD: „Wenn Bielefeld den Grenzwert 40 erreichen will, sind einschneidende Maßnahmen erforderlich, auf die die Stadt nicht vorbereitet ist." Und die sind nach Ansicht von VCD und Umweltverband BUND lange überfällig. Denn die EU schrieb die Grenzwerte schon 2010 fest. Doch für Bielefeld habe die Bezirksregierung das Problem unterschätzt. So dauerte es bis Anfang 2014, bis der erste Luftreinhalteplan in Kraft trat. „Und der ist gescheitert", sagt Küffner: „Die Werte sind weiter zu hoch und teils noch schlechter geworden." Für den Jahnplatz gelten keine Auflagen – weil damals noch nicht einmal gemessen wurde. Eingriffe gab es nur an der Stapenhorststraße, wo die Werte mit 43 bis 44 ebenfalls über dem Limit lagen. Das Fahrverbot für 20-Tonnen-Lkw, bessere Ampelschaltungen, Busse und Müllfahrzeuge mit wirksamerer Abgastechnik sowie die Förderung des Radverkehrs sollten die Schadstoffe senken. „Das haben sie auch", sagt Tanja Möller: „2015 lag der Wert schon bei 41. Und wenn sich der Trend fortsetzt, schaffen wir bald die Vorgaben." Küffner ist da skeptischer. Er rechnet 2016 – die Zahlen liegen erst im 2. Quartal 2017 vor – erneut mit einem Anstieg, weil 2015 die Durchlüftung aufgrund der Wetterlage besser gewesen sei. Problem unterschätzt Dass die Umweltzone zumindest am Jahnplatz kommt, hält auch Möller für wahrscheinlich. Weiter geht die Bürgerinitiative „Sichere Detmolder Straße", die die Einbeziehung weiterer Hauptstrecken fordert. Denn nach Berechnungen 2009 müssten auch an Detmolder, Feilen-, Engerscher, Heeper und Oststraße teils die Grenzwerte überschritten sein. Die neue Messstelle an der Detmolder Straße belegt das aber nicht. Die Behörden stehen unter Druck. „Das Maßnahmenbündel muss garantieren, dass die Grenzwerte eingehalten werden", sagt Möller. Küffner hält das für dringend: „Am schmutzigsten ist es dort, wo sich die meisten Menschen aufhalten, am Jahnplatz."

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