Durch einen Kater haben diese Hausbewohner an der Turnerstraße plötzlich Kontakt zueinander. Wo früher nur "Hallo" auf dem Flur gesagt wurde, werden heute Grillfeste gefeiert. - © privat
Durch einen Kater haben diese Hausbewohner an der Turnerstraße plötzlich Kontakt zueinander. Wo früher nur "Hallo" auf dem Flur gesagt wurde, werden heute Grillfeste gefeiert. | © privat

Bielefeld Dieser Kater hält eine Hausgemeinschaft in Bielefeld zusammen

Rührende Geschichte: Als Karlos Besitzer stirbt, beschließen die Bewohner eines Mehrfamilienhauses, sich gemeinsam um das Tier zu kümmern. Die neue Aufgabe hat sie enger zusammenrücken lassen

01.02.2017 | Stand 01.02.2017, 17:25 Uhr

Bielefeld. Die Geschichte um Kater Karlo und eine Hausgemeinschaft klingt, als sei sie einem Roman entnommen: In einem Mehrfamilienhaus an der Turnerstraße lebte ein einsamer alter Mann. Sein einziger Begleiter war sein schwarzer Kater Karlo. Der bewohnte einen eigenen kleinen Kellerraum mit Klappe nach draußen. Der Mann kümmerte sich rührend um das Tier. Als er plötzlich starb, verschwand auch der Kater. Da ging ein Ruck durch die Hausgemeinschaft. Die Bewohner, die nie miteinander gesprochen hatten, fingen an, sich gegenseitig Fragen zu stellen. Gemeinsam beschlossen sie, den Kater zurückzuholen. Heute, vier Jahre später, ist Karlo wieder festes Mitglied der Hausgemeinschaft. Die war schockiert, als sie hörte, dass der Kater nach dem Tod seines Besitzers ins Tierheim gekommen war. Ein Leben ohne den Hauskater? Das war für die Leute in der Turnerstraße unvorstellbar. Sie überzeugten die Mitarbeiter  im Tierheim,  dass Karlo in gute Hände kommen würde, und holten ihn zurück. Die Vermieterin in der Turnerstraße erklärte sich bereit, Karlo seinen Kellerraum zurückzugeben. Mieterin Bianca Osswald richtete ein Konto für die Hausgemeinschaft ein, um die Kosten für Futter und Tierarzt zu decken.Listen mit Fütterungszeiten wurden erstellt, Schlafdecken und Körbchen gekauft. Als Karlo vor einiger Zeit verschwand und in Oerlinghausen wieder auftauchte (die NW berichtete), richteten die Hausbewohner eine große Willkommensfeier für ihren verloren geglaubten Mitbewohner aus. Durch den Kater und die vielen gemeinsamen Erlebnisse und  Aufgaben sind sie als Gemeinschaft zusammengewachsen. Alles laufe harmonisch und ganz fabelhaft einfach ab, beschreibt Mieterin Silke Schönfeld das neue Hausgefühl.  Wer Karlo heute zum Schmusen zu sich in die Wohnung hole, trage das auf einer Liste ein. Geburtstage werden zusammengefeiert, im Sommer wird im Innenhof gegrillt, und wenn jemand krank ist, kümmern sich die Bewohner umeinander. Und als eine von ihren kürzlich ihren Doktortitel erreichte, war auch die Hausgemeinschaft bei der Feier ganz vorne mit dabei. "Alleine könnten die meisten von uns sicher keine Katze halten, weil die Zeit für ein Tier fehlt", sagt Schönfeld. Aber diese neue Form der Gemeinschaft ermögliche es plötzlich, Verantwortung zu übernehmen und am Leben des Katers teilhaben zu dürfen. "Für uns ist das ein Doppelgewinn", sagt Silke Schönfeld. Durch Karlo  hätten sie ein Haustier und eine echte Hausgemeinschaft gewonnen.

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