0
Eine Fahnderin hält sichergestelltes N-Methylamphetamin in den Händen - umgangssprachlich abgekürzt Meth 
oder Crystal. - © dpa
Eine Fahnderin hält sichergestelltes N-Methylamphetamin in den Händen - umgangssprachlich abgekürzt Meth
oder Crystal. | © dpa

Bielefeld Warnung vor Crystal Meth in Brausetüten ist eine Fälschung

Entwarnung: Vermeintlicher Schulaushang geistert bereits seit 2012 durchs Internet und ist frei erfunden.

Jens Reichenbach
05.10.2016 | Stand 05.10.2016, 11:20 Uhr

Bielefeld. "Achtung, schützt unsere Schüler!" heißt es auf einer Warnung, die scheinbar in einer Schule aushängt und die mit einer handschriftlichen Notiz an die Eltern der Schule adressiert ist (Liebe Eltern, bitte lesen"). Demnach soll sich in bunten Brausepulver-Tütchen mit den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Tropical Punch und Wassermelone die neue, abhängig machende Droge Crystal Meth befinden. Doch die Nachricht, die sich derzeit unter Bielefelder Schülern verbreitet, ist eine Falschmeldung. Seit 2012 berichtet die "Internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch" bereits auf der Internetseite mimikama.at über die Brausepulver-Warnung als Falschmeldung (engl.: "Hoax"). Inhaltlich bewertet Mimikama den vermeintlichen Aushang als "Anhäufung von Halbwahrheiten". Die Bielefelder Polizei geht sogar davon aus, dass alles frei erfunden ist: "Crystal Meth ist in Bielefeld überhaupt kein Thema", sagt Kai-Jörn Rosin vom Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz. 2015 seien landesweit lediglich vier Fälle von Crystal-Meth-Konsum aktenkundig geworden. Zwar gebe es Labore in Tschechien und deshalb im deutschen Grenzgebiet Probleme mit der synthetischen Droge (Methamphetamin), in NRW habe sie aber keine Bedeutung. Die Falschmeldung über die für Kinder gefährliche Droge, stammt ursprünglich aus den USA. Bereits 2007 hatte es dort in verschiedenen Versionen eine entsprechende Warnung gegeben, berichtet Mimikama. Aber auch in den USA stellte sich die Warnung als erfunden heraus. Aktuell geht über WhatsApp eine zweite Version des ins Deutsche übersetzten Hoaxes herum. 2015 wurde diese zweite Version auf WhatsApp  bereits viel verbreitet, im Herbst 2016 die Renaissance. "Aber: es ist ein Hoax, ein Fake - an dieser Warnung ist nichts dran!", wiederholt nun Mimikama erneut. Warum die Warnung in den Umlauf gebracht wurde, ist bis heute ein Rätsel. Sie soll Angst schüren. In den USA wurde unter anderem vor Halloween-Umzügen davor gewarnt, dass Kinder die Tütchen an Haustüren geschenkt bekommen. In Deutschland findet das Horrorszenario auf dem Schulhof statt. Kripoexperte Rosin gibt aber zu bedenken, dass sogenannte "Legal Highs" tatsächlich in ähnlichen Tütchen wie für Brausepulver verkauft werden. Diese würden ebenfalls sythetisch hergestellt und im Internet offiziell als Badezusatz angeboten, um das Arzneimittelgesetz zu umgehen. Weil die Hersteller die Substanzen ständig veränderten, um einem gesetzliches Verbot zu umgehen, sei aber überhaupt nicht einschätzbar, wie sie wirkten: Das Bundeskriminalamt berichtete bereits von Fällen im Bundesgebiet mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen bis hin zu drohendem Nierenversagen.

realisiert durch evolver group