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Alte Kessel: Thomas Brandt zeigt die Wasseraufbereitung.. - © Andreas Zobe
Alte Kessel: Thomas Brandt zeigt die Wasseraufbereitung.. | © Andreas Zobe

Mitte Ärzte- und Parkhaus auf altem OP-Bunker des Klinikums Mitte

Klinikum Mitte: Hinter bis zu 1,80 Meter dicken Mauern schlummern noch historische Geräte und Kessel. Nutzung der Räume als Krankenhausmuseum interessant, aber aufwendig. Baubeginn nächste Woche

Joachim Uthmann
07.04.2016 | Stand 06.04.2016, 21:07 Uhr

Mitte. Bis zu 1,80 Meter dick sind die Wände, 1,40 Meter misst der Deckel. Der alte OP-Bunker des städtischen Krankenhauses Mitte an der Oelmühlenstraße ist noch wie zu Zeiten des 2. Weltkrieges erhalten. Reste des Inventars erinnern an eine düstere Zeit. Ihn zu sprengen wäre sehr aufwendig. Das Klinikum Mitte macht sich den soliden Stahlbeton jetzt zunutze. Er soll als Fundament für das neue Ärzte- und Parkhaus dienen. Der Bau beginnt nächste Woche. Schon von außen wirkt der Bunker dunkel und bedrohlich. Teils ist das Grau mit Graffiti übersprüht. Schlösser sichern die Gitter, die die alte Zufahrt versperren. Der Weg hinein führt durch das Nachbargebäude des Klinikums, in dem Pathologie und Rechenzentrum arbeiten. Lange Flure führen zum Eingang - Zutritt durch 1,40 Meter dicke Mauern in die finstere Unterwelt. Nur einige Räume sind noch beleuchtet, sonst muss die Taschenlampe helfen sich in dem Labyrinth des 1.600 Quadratmeter großen Bunkers zurechtzufinden. Auslöser, ihn zu bauen, war 1940 ein "Führer-Befehl", nach dem Krankenhäuser sichere Operationsräume bereit halten mussten, erläutert Thomas Brandt, stellvertretender Abteilungsleiter Technik im Klinikum. 1942 konnte der OP-Bunker in Betrieb gehen, der für 72 Patienten ausgelegt war. Dunkle Glocken hängen über einigen Durchgängen. Es sind Überdruckventile, die damals anzeigten, wenn der Druck abfiel. Denn in dem Bunker herrschte Überdruck - damit im Notfall kein Giftgas von draußen eindringen konnte. Zu sehen sind auch noch die Umkleiden und Tauchbecken der Dekontaminierung, in denen verstrahlte Personen gereinigt werden konnten. Darüber, ob diese wirklich zum Einsatz kamen, habe die Klinik keine Unterlagen, so Brandt. In den zwei OP-Sälen fällt der Blick erst auf Regale, teils noch voller Ordner, weil die Klinik die Räume später als Archiv nutzte. Die grünen Kacheln sitzen aber noch an den Wänden, Schienen im Fußboden zeigen, wo OP-Tische geschoben werden konnten. Von der früheren Wasseraufbereitung stehen ein Dutzend alter Kessel, daneben Pumpen. Der Heizungs- und Kokskeller ist leer, alte Leitungen und Rohre ziehen sich aber noch unter den Decken her. Im Elektroraum verstauben und rosten alte Schaltkästen, über die auch die Gleichstromversorgung der OPs geregelt wurde. Viel weiß man über das, was in dem Bunker in der Kriegszeit geschah, nicht. "Es war aber ein relativ autarker Bereich", schätzt Brandt. Heizung, Wasser, Strom waren vorhanden, aber bei Küche und Versorgung war der Bunker an das Krankenhaus angeschlossen. Nach dem Krieg brachte das Krankenhaus hier die Kobalt-Bestrahlungstherapie unter, was sich wegen der guten Abschirmung anbot. Heute genügt der Bunker gerade noch für Lagernutzung. Aber der Standort ist interessant - und das Klinikum will deshalb hier den Mangel an Parkplätzen lindern und eine Attraktivitätssteigerung mit einem zweiten Ärztehaus erreichen. Dafür will es zwölf Millionen Euro investieren und ein Ärztehaus für bis zu elf Praxen auf vier Etagen errichten. Im Parkhaus, das vor allem für Mitarbeiter benötigt werde, seien 250 bis 300 Stellplätze vorgesehen, so Sprecher Axel Dittmar. Ende 2017 soll der Komplex fertig sein. Architekt Frank Leier ist überzeugt, dass der dicke Beton des Bunkers ein gutes Fundament abgibt. "Wir können das Ärztehaus einfach draufstellen." Der Bunkerbeton bleibt teils sichtbar, werde "etwa aufgehübscht und beschichtet", so Brandt. Ein Abbruch mit Sprengungen sei in der Nähe von Klinik, Wohnhäusern und Stadtbahn keine gute Alternative. Der Techniker kann sich aber auch eine neue Nutzung des alten Bunkers gut vorstellen: Als Krankenhausmuseum, das bisher in einem Verwaltungsgebäude an der Eduard-Windthorst-Straße ausstellt. Die historischen Bunkerräume würden sich nach Ansicht von Brandt gut dafür eignen, zumal von den alten Installationen noch einiges sichtbar sei, das saniert ein solches Museum bereichern würde. Brandt vermutet, dass es in der Bevölkerung ein Interesse daran gibt. Allerdings ist auch klar, dass die Herrichtung der Räume und die Einrichtung einiges an Aufwand kosten würde.

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