Bielefeld Bielefeld lässt römisches Relikt verrotten

Anonymer Hobbyarchäologe schlägt Alarm

Thomas Güntter

Bielefeld. Ein anonymer Hobbyarchäologe schlägt Alarm: „Bielefeld lässt das einzig wissenschaftlich nachgewiesene römische Bauwerk im Teutoburger Wald verrotten.“ Richtig ist, dass dieses Bauwerk, ein römischer Wachtposten aus der Zeit der Feldzüge des Drusus, um 15 vor Christus, direkt auf dem Rücken des Teutoburger Waldes an der Sparrenberger Egge in der Nähe des Waldhotels Brand Busch ist. Die Anlage ist nicht neu und wurde 1989 vom Westfälischen Amt für Archäologie untersucht. Ein Schild erklärt dem Besucher im Wald, dass an dieser Stelle ein römischer Wachtposten entstehen sollte, ein Wall mit einem Außendurchmesser von 32 Metern mit einem zwei Meter breiten Graben. Die Bauarbeiten wurde allerdings aus unbekannten Gründen vor der Fertigstellung abgebrochen. Man fand an der Stelle Schuhnägel und Münzen aus den Jahren 32 bis 31 vor Christus. Das Ganze macht einen ramponierten und verwahrlosten Eindruck. Das jedenfalls kritisiert der anonyme Archäologe. Die Bürgergemeinschaft für Bielefeld (BfB) hatte das Schild 2008 aufstellen lassen. Inzwischen wurde es von Unbekannten erheblich beschädigt und steht schief. 1988 hatte Daniel Bérenger, früherer Leiter der Außenstelle Bielefeld des Westfälischen Museums für Archäologie in der Verlängerung der Furtwängler Straße im Wald eine kleine ringförmige Absenkung entdeckt, die einen noch unscheinbareren Wall umgibt. Der Archäologe: „Dort hatten die Römer einen Holzturm errichtet. Etwa so wie heute bei uns einen Hochsitz.“ Dieser Turm war Teil einer Nachrichtenkette der Römer zwischen Anreppen und dem Gebiet der heutigen Porta Westfalica. Der lange Arm des Römischen Reiches reichte nachweislich weiter nach Osten als bisher angenommen. Ein römisches Straßensystem sollte den schnelleren Transport von Waren und Nachrichten ermöglichen. Über die antiken Postenketten ist nichts Genaues bekannt. Von der Sparrenberger Egge hat Bérenger immer wieder ins Umland Richtung Weser geschaut. In der Richtung liegt bei Herford der Stuckenberg. Historische Funde sind dort wohl nicht zu erwarten.

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