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Wenn der Vater mit dem Sohn: Ronald Fortmann (l.) und der Senior mit gleichem Namen haben ihre Freude an dem kleinen Tontopf mit Bräunungspuder. Zwischen beiden, in Öl an der Wand, Unternehmensgründer Kurt Fortmann. - © FOTO: SARAH JONEK
Wenn der Vater mit dem Sohn: Ronald Fortmann (l.) und der Senior mit gleichem Namen haben ihre Freude an dem kleinen Tontopf mit Bräunungspuder. Zwischen beiden, in Öl an der Wand, Unternehmensgründer Kurt Fortmann. | © FOTO: SARAH JONEK

Bielefeld Das schöne Geheimnis von Egypt Wonder

Unternehmensporträt: Tana Cosmetics behauptet sich mit Nischenprodukten

Heidi Hagen-Pekdemir
18.03.2015 | Stand 17.03.2015, 21:45 Uhr

Bielefeld. Trägt Frau die Augenbauen fein gezupft, oder lässt sie die Härchen üppig wuchern? Mit der Kosmetik verhält es sich wie in der Mode. Die Trends wechseln. Dass aktuell den Augen beim Schminken besondere Aufmerksamkeit zukommt - ein Glücksfall für die Bielefelder Kosmetikmarke Tana. Lange Wimpern sind angesagt. Von Hollywood bis Heepen kleben Frauen künstliche Exemplare an die Lidränder oder tragen Texturen auf, um das Wachstum der eigenen Wimpern anzuregen. Was die wenigsten wissen: Tana-Geschäftsführer Ronald Fortmann hat diese vielversprechende Substanz selbst in den USA entdeckt und schon vor sechs Jahren als erster ein ähnliches Mittel auf dem deutschen Markt angeboten. Unter dem eher drögen Namen Wimpernkraft. Der Bielefelder - ein Pionier. Inzwischen drängen viele ähnliche Nachahmerprodukte in die Parfümerien. Tana-Gründer war 1935 Kurt Fortmann, der Onkel des heutigen Eigentümers. Wie kaum ein anderer soll der die Wünsche der Frauen gekannt haben, erzählt der Neffe. Schon in seinen frühen Jahren habe der Unternehmer den vergoldeten Wimpernformer auf den Markt gebracht. Das Accessoire gehört bis heute zum Warensortiment. Ebenso das Brauenpuder in dreierlei Schattierungen mit mehren Schablonen. Die helfen der Anwenderin, einen stets gleichen Schwung über die Augen zu zeichnen. Wenn Tana es auch nicht in jeden häuslichen Spiegelschrank geschafft hat, so ist zumindest eines der Produkte fast jeder Verbraucherin ein Begriff: Egypt Wonder. Seit 19881 verkauft die Firma dieses Bräunungspuder in ganz Europa. Ronald Fortmann (63), mit seinem sonnenfrischen Teint ein wandelnder Werbeträger des Unternehmens, kam in Salzburg zur Welt. Als der Onkel ihm die Nachfolge der Firma übertrug, wechselte er nach Bielefeld. Der Firmensitz an der August-Bebel-Straße ist im früheren Reitstall der Familie Osthoff untergebracht. Produktionsstätten sind externe Unternehmen in Deutschland, die die Artikel nach vorgegebenen Rezepturen herstellen und an Ort und Stelle verpacken. Ein in der Kosmetikbranche gängiges Verfahren. Der Versand erfolgt von Bielefeld aus. 15 Mitarbeiterinnen beschäftigt Fortmann in der Zentrale. Egypt Wonder, dieses in kleine Tontöpfe abgefüllte Puder, habe schnell einen Nachahmer gefunden erzählt der Unternehmer. Ein Jahr nach der Markteinführung sei die Marke Guerlain gefolgt, mit einem ähnlichen Produkt in ähnlicher Verpackung. Mit einem Unterschied: Die französische Marke betrieb im Gegensatz zu Tana einen immensen Werbeaufwand. "Unsere Produkte empfiehlt die Mutter ihrer Tochter", erzählt Fortmann, der Herr mit grauer Künstlermähne und himmelblauem Pashminaschal. In inhabergeführten Parfümerien ist seine Kosmetikmarke ebenso vertreten wie bei den Filialisten von Douglas bis Müller. "Wir sind klein und fein und leben gut davon", sagt der Vater und lächelt die Frage nach dem Umsatz einfach weg. Seine Produkte vermarktet er auf Fachmessen, 12 bis 15 besucht Fortmann pro Jahr, gemeinsam mit seinem 23-jährigen Sohn, der wie sein Vater Ronald heißt. "Kosmetik macht Freude", sagt der Senior und fügt mit dem seinen Landsleuten nachgesagten Charme an: "Ich bin dafür da, die natürliche Schönheit der Frauen zu unterstreichen." Neben Innovationen wie das Wimpernwachstums-Serum gehören zur Produktpalette auch bekannte Klassiker, der Tuschstein etwa, eine Wimperntusche, die, manche Frau mag sich erinnern, mit einem befeuchteten Bürstchen aufgetragen wird. Weil dies aus Zeitgründen gelegentlich mit Speichel geschieht, auch Spucktusche genannt. Eher der Rubrik Problemlöser zuzuordnen ist das Streuhaar, eine Erfindung aus Japan. Statt millimeterkurzer Härchen sind das winzige Farbpartikel in unterschiedlichen Farben, die lichte Haaransätze optisch dichter erscheinen lassen. Für großflächigere Glatzen eher ungeeignet. Modische Trends nutzt Fortmann mitunter, um die Bekanntheit der Marke zu steigern. Aufklebbare Glitzertränen hat er schon verkauft und Handtattoos, wie Madonna sie einst trug. Aktuell bietet er goldfarbene Körperbemalung an. Bald wird Fortmann junior die Firma übernehmen. Neue Märkte möchte der in Monaco aufgewachsene Sohn aufbauen, Asien und Dubai. Und das Verpackungsdesign will er ändern. Ein Facelift sei allmählich fällig, sagt er.

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