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Bielefeld Olympiabewerbung für 50 Millionen Euro

Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, beim Nachdenk-Frühschoppen in Bielefeld

VON THOMAS GÜNTTER
17.11.2014 | Stand 17.11.2014, 08:06 Uhr
Olympiabewerbung

für 50 Millionen Euro - © Sport
Olympiabewerbung
für 50 Millionen Euro | © Sport

Bielefeld. Die Bewerbung einer Stadt um olympische Spiele kostet rund 50 Millionen Euro. Das hat Michael Vesper (62), Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), beim Nachdenk-Frühschoppen von AWO-Freiwilligenakademie und der Neuen Westfälischen in Bielefeld erklärt. Berlin und Hamburg hätten sich für die Sommerspiele in den Jahren 2024 oder 2028 beworben.

Dabei sei die Zahl 50 Millionen Euro, so Vesper wörtlich, eine "gegriffene Zahl". Das Unternehmen könne etwas billiger werden. Entscheidend sei aber, wie die Menschen in der Stadt die Bewerbung unterstützten.

Auf das Argument von NW-Chefredakteur Thomas Seim, die Bewerbung von München für die Winterspiele 2022 habe gezeigt, dass die Menschen kritischer geworden seien, reagierte Vesper mit der Gerichtsformel: "Einspruch, Euer Ehren."

Die Einschaltquoten in den Medien hätten gezeigt, dass 80 Prozent der deutschen Bevölkerung die olympischen Spiele grundsätzlich wollten. Der Direktor: "Man will die Spiele, aber man möchte sie nicht so gerne im eigenen Sprengel, vor der eigenen Haustür." Dennoch habe er keinen Zweifel, dass die Bewerbung positiv verlaufen würde. Denn die Ausrichtung des Ereignisses wirke auf Stadt und Land wie ein Konjunkturprogramm.

Deutsche Entscheidung im März

Wenn die Bewerbung 2024 oder 2028 angenommen würde, hätte Deutschland seit fünf Jahrzehnten erstmals wieder olympische Spiele im eigenen Land. Die Spiele von München waren 1972. Davor waren sie 1936 in Berlin, wo die Nationalsozialisten sie für sich vereinnahmten.

Nachdenken über Olympia mit NW-Chefredakteur Thomas Seim (l.) und Generaldirektor Michael Vesper. - © FOTO: SARAH JONEK
Nachdenken über Olympia mit NW-Chefredakteur Thomas Seim (l.) und Generaldirektor Michael Vesper. | © FOTO: SARAH JONEK

Die Entscheidung zwischen Berlin und Hamburg falle am 21. März 2015. Eine Hauptstadt habe immer bessere Karten als die "zweite Stadt im Land" (Vesper). Berlin habe viele Sportstätten, verfüge über ausreichende Hotelbetten und das olympische Dorf könne am jetzigen Flugplatz Tegel entstehen. Einzige Bedingung: Flugzeuge können dann am neuen Flughafen Schönefeld starten und landen. Das olympische Dorf und die Sportstätten in Hamburg sollen auf der Elbhalbinsel Grasbrook entstehen. Die Bewerbung sei auch deshalb so teuer, weil schon sehr früh detaillierte Unterlagen vorliegen müssten. Dafür müssten Planungsbüros beauftragt und verschiedene Gutachten eingeholt werden.

Zum Thema unerlaubte Substanzen sagte Vesper, Dopingsünder müssten hart bestraft werden. Er sprach sich aber dagegen aus, dass der Staat parallel zur Sportgerichtsbarkeit Doping unter Strafe stelle. Das könne dazu führen, dass verurteilte Dopingsünder zivilrechtlich freigesprochen würden und dann von den Sportverbänden Schadensersatz verlangen könnten.

Mit Gauck-Sprecherin verheiratet

Vesper, gebürtiger Kölner und bekennender Fan des Fußball-Drittligisten DSC Arminia Bielefeld, hat in Bielefeld Soziologie studiert und promoviert. Er gehörte 1979 zu den Gründungsmitgliedern der Grünen, war Sprecher des Landesvorstandes und dann Parlamentarischer Geschäftsführer. Außerdem war er Landesbauminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten. Er ist verheiratet mit Ferdos Forudastan, Sprecherin von Bundespräsident Gauck, hat vier Kinder und ist seit kurzem Großvater.

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