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Murat Kayiplar von der Vatan-Moschee im prunkvollen Gebetsraum. Links ist die "Minbar"-Kanzel zu sehen, von der der Imam die Gebete sprechen wird. Auf dem Teppich sind rote "Pfeile" zu erkennen, die nach Mekka ausgerichtet sind ("Qibla"). Danach richten sich die Gläubigen beim Gebet aus. - © Foto: Wolfgang Rudolf
Murat Kayiplar von der Vatan-Moschee im prunkvollen Gebetsraum. Links ist die "Minbar"-Kanzel zu sehen, von der der Imam die Gebete sprechen wird. Auf dem Teppich sind rote "Pfeile" zu erkennen, die nach Mekka ausgerichtet sind ("Qibla"). Danach richten sich die Gläubigen beim Gebet aus. | © Foto: Wolfgang Rudolf

Bielefeld Die Moscheen öffnen ihre Türen

Am Tag der Deutschen Einheit: Bielefelder Muslime laden ihre Nachbarn ein

VON JENS REICHENBACH
03.10.2014 | Stand 02.10.2014, 12:42 Uhr

Bielefeld. Bundesweit öffnen am 3. Oktober die Moscheevereine ihre Türen, um ihren Nachbarn einen Einblick in das oft noch fremde Leben der Muslime zu gewähren. Auch in Bielefeld hofft Cemil Sahinöz vom Bündnis der Islamischen Gemeinden nicht zuletzt wegen der jüngsten Brandanschläge, dass sich viele Bürger für einen regen Austausch interessieren. Die NW hat sich schon mal in der Vatan-Moschee an der Windelsbleicher Straße umgetan.

MINARETT
Das einzige Minarett Bielefelds gehört zur Vatan-Moschee an der Windelsbleicher Straße. 2012 war das 16 Meter hohe Türmchen feierlich eingeweiht worden. Davor hatte es viel Gegenwehr aus der Nachbarschaft gegeben. "Auch aus Unwissenheit", sagt Nurcan Kayiplar, die zweite Vorsitzende der 400 Mitglieder zählenden DITIB-Gemeinde. "Unser Minarett ist ein optisches Element. Da oben singt kein Muezzin und es wird auch nicht bestiegen." Den Ruf zum Gebet übernimmt der Imam (Vorbeter) im Haus.

OHNE SCHUHE

Das 16 Meter hohe Minarett der Vatan-Moschee ist ein rein optisches Element, niemand ruft von dort aus zum Gebet. EInen Muezzin gibt es nicht. - © Foto: Wolfgang Rudolf
Das 16 Meter hohe Minarett der Vatan-Moschee ist ein rein optisches Element, niemand ruft von dort aus zum Gebet. EInen Muezzin gibt es nicht. | © Foto: Wolfgang Rudolf

Ja, vor dem Betreten einer Moschee ziehen alle ihre Schuhe aus. Die Schuhe bleiben in einem Regal. In Socken geht es dann auf Teppichen weiter.

WASCHUNG
Vor jedem Gebet unterzieht sich der Betende einer rituellen Waschung. Hierzu werden Gesicht, Hände, Unterarme, Kopf und Füße gewaschen – an traditionellen Brunnen oder in eigenen Waschräumen. "Im Islam ist Sauberkeit sehr wichtig", erklärt Murat Kayiplar, Vorsitzender des Vatan-Vereins. "Wasser spielt wie im Jugend- und Christentum auch bei uns eine wichtige symbolische Rolle", ergänzt Sahinöz. Die Waschung löse vor dem Gebet aber auch innerliche Ruhe aus.

GEBET
Gläubige Moslems beten fünfmal am Tag: Zur Morgendämmerung, am Mittag, am Nachmittag, zum Sonnenuntergang und zum Abend. Vor dem Gebet richten sie sich mit dem Gesicht gen Mekka aus – nach der "Qibla". In der Vatan-Moschee sind auf dem Gebetsteppich unzählige Pfeile nebeneinander zu erkennen, die den Betenden Platz und Richtung vorgeben. Das Gebet selbst besteht aus sechs Rezitationen und sechs Positionen, zum Teil im Stehen, zum Teil im Knien.

FRAUEN

Information
Besondere Aktivitäten

Jedes Jahr am 3. Oktober öffnen Deutschlands Moscheen ihre Türen.

In der Vatan Moschee, Windelsbleicher Straße 56, stehen drei Mitglieder von 11 bis 17 Uhr für Führungen und Fragen zur Verfügung.

Der Islamische Literaturverein, Detmolder Straße 89, dem ersten Tatort der Brandanschläge, lädt um 14.30 Uhr zum Freitagsgebet. Anschließend werden bis 18 Uhr Fragen beantwortet.

Das Islamische Zentrum an der August-Bebel-Straße 82 öffnet seine Türen von 15 bis 19 Uhr. Es wird zwei Moscheeführungen geben, um 16.45 Uhr wird der Imam einen Vortrag zum Thema "Extremismus" halten. Ab 19 Uhr steht Fastenbrechen an.

Frauen sollen beim Gebet nicht von Männern beobachtet werden. Deshalb beten sie entweder hinter den Männern, in einem getrennten Raum oder – wie in der Vatan-Moschee – auf einer Empore. "Das Kopftuch ist für gläubige Muslima ab der Pubertät Pflicht", sagt Nurcan Kayiplar. "Aber es ist auch kein Zwang – es hängt davon ab, wie religiös die Frau ist."

FREITAGSGEBET
Nach den hohen islamischen Festen, dem Fastenbrechen und dem Opferfest, ist das Freitagsgebet die wichtigste religiöse Verpflichtung. "Das Freitagsgebet wird in der Moschee begangen", sagt Kayiplar. Dabei werden Koranverse vom Imam auf Arabisch verlesen und türkisch oder sogar deutsch übersetzt. Dabei und bei der Freitagspredigt steht der Imam auf der "Minbar" – einer kanzelähnlichen Treppe in der rechten Ecke des Gebetssaals.

SOZIALE VERANTWORTUNG
Die großen Moscheevereine in Deutschland verstehen ihre Verantwortung in gesellschaftlicher Teilhabe. "Die ausnahmslos ehrenamtlichen Angebote für Jugendliche sind auch Präventionsarbeit, um sie von Alkohol, Drogen und Gewalt fernzuhalten", betont Sahinöz. In der Vatan-Moschee erhalten Kinder, Jugendliche und Frauen vom Imam Islamunterricht.

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