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Bielefeld Expedition in 86 Metern Tiefe

Matthias Schneider ist zum Flugzeugträger "Graf Zeppelin" in der Ostsee getaucht / Spur des Schiffes verlor sich für Jahre

VON ARIANE MÖNIKES
13.06.2014 | Stand 12.06.2014, 20:05 Uhr
Das Wrack des Flugzeugträgers Graf Zeppelin in der Ostsee. Matthias Schneider tauchte jetzt zum zweiten Mal zu dem rostigen Stahlberg. - © FOTO: ANDREAS KLOFT
Das Wrack des Flugzeugträgers Graf Zeppelin in der Ostsee. Matthias Schneider tauchte jetzt zum zweiten Mal zu dem rostigen Stahlberg. | © FOTO: ANDREAS KLOFT

Bielefeld. Er sollte die Weltmeere beherrschen: 1938 lief mit der "Graf Zeppelin" der einzige deutsche Flugzeugträger vom Stapel. Das Schiff allerdings hatte sich als nutzlos erwiesen – und verschwand nach 1945 spurlos. Erst 2006 wurde er wiederentdeckt. Der Bielefelder Matthias Schneider ist jetzt zum Wrack getaucht – zum zweiten Mal nach 2013.

Seit 23 Jahren taucht Schneider (42), seit 2007 betreibt er das Tauchcenter Bielefeld an der Detmolder Straße. Da war seine Leidenschaft für das Wracktauchen längst geweckt worden, erzählt er. "Das Interesse für Schiffe, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg versenkt wurden, war einfach immer schon da", sagt Schneider.

Er tauchte zum Wrack der "Thistlegorm", ein britisches Frachtschiff, das 1941 von einem Bombenflugzeug der deutschen Luftwaffe im nördlichen Roten Meer in der Nähe der Südspitze der Sinai-Halbinsel versenkt wurde. Auch zur "Rosalie Moller", die in 50 Metern Tiefe im Roten Meer liegt, unternahm er eine Expedition.

Am 12. Juli 2006 waren Arbeiter der polnischen Ölgesellschaft Petrobaltic auf einen rostigen Stahlberg in der Ostsee gestoßen – rund 263 Meter lang und 36 Meter breit: das Wrack der "Graf Zeppelin", in 86 Metern Tiefe in der Nähe einer Ölplattform, 55 Kilometer nördlich der polnischen Hafenstadt Wladyslawowo.

Schneider hörte davon. Allerdings hatten die polnischen Behörden ein Tauchverbot am Wrack verhängt und eine Sperrzone errichtet. 2007 bekam er eine Genehmigung, dort tauchen zu dürfen, aufgrund schlechter Witterungsverhältnisse sagte er den Tauchgang damals aber ab.

Im Mai 2013 lief dann alles glatt. Gemeinsam mit einer Tauchergruppe ging es in die Tiefe. "Ich habe nur gestaunt", sagt Schneider. Ein Jahr später dann die nächste Expedition zur "Graf Zeppelin". Diesmal war auch Ehefrau Luise dabei. "Sie war wie ich hellauf begeistert", sagt er. Das Wrack sei in einem super Zustand gewesen. "Die Sichtverhältnisse waren gut, die Landebahn war noch zu erkennen."

Es war erst die siebte Expedition überhaupt zur "Graf Zeppelin", Schneider nahm als einziger an zweien teil. Er plant bereits eine dritte Expedition. Denn trotz der knapp vier Stunden, die er für einen Tauchgang hatte, hätte er längst nicht das gesamte Schiff sehen können. "Das ist unmöglich."

Nächstes Jahr aber, wenn sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal jährt, plant er eine Tauchexpedition zu den Lazarett- und Flüchtlingsschiffen "Wilhelm Gustloff", "Goya" und "Steuben", die Anfang 1945 von sowjetischen Torpedos getroffen wurden und in die Ostsee sanken. "Mein nächstes großes Ziel", sagt er.

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