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Bielefeld Ein Bild von einem Hermann

Ann Weers-Lacey porträtiert den Gründer Bielefelds

Von Heidi Hagen-Pekdemir
04.03.2014 , 02:00 Uhr
Ann Weers-Lacey hat zu ihrem Porträt auch das Stadtwappen und eine Münze gezeichnet. Anregungen für das Gewand fand sie im Internet. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Ann Weers-Lacey hat zu ihrem Porträt auch das Stadtwappen und eine Münze gezeichnet. Anregungen für das Gewand fand sie im Internet. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Was wäre Bielefeld ohne Graf Hermann II von Ravensberg? Allein ihm ist es zu verdanken, dass die Stadt ihr 800-jähriges Jubiläum feiern kann. Viel ist über den Stadtgründer geschrieben worden, doch wie er aussah, ist nicht überliefert. Die Künstlerin Ann Weers-Lacey hat sich Gedanken gemacht – und ein Bild gemalt.

Hermann II blickt freundlich drein. Braune Locken umrahmen das jugendliche Gesicht. Sein orangerotes Gewand vermittelt Wärme. Sympathisch, vielleicht eine Spur harmlos, kommt dieser Stadtgründer rüber.

Genau diese Frage beschäftigt die Künstlerin, seitdem sie den Pinsel für ihr Kunstwerk aus der Hand gelegt hat. "Hätte ich ihn älter darstellen sollen, vielleicht auch etwas härter?", fragt sich manchmal die 71-Jährige. Einem Stadtgründer könnten strengere Gesichtszüge wohl kaum schaden.

Recherchiert hat sie im Stadtarchiv und in der Bibliothek die Bielefeld-Bände des ehemaligen Archivars Rainer Vogelsang ausgeliehen, doch die Persönlichkeit des Grafen ist ihr fremd geblieben.

Finsterstes Mittelalter – so stellt sich Lacey die Zeit der Stadtgründung vor. "Wie viel weiter waren im Vergleich dazu die römische und chinesische Kultur? Aber trotzdem sahen sie hier schon wie Menschen aus, oder?", bemerkt die Britin mit einem Augenzwinkern und nippt am Tee. Auch sie begeht in diesem Jahr ein privates Jubiläum. 1964 kam sie nach Bielefeld, mit ihrem Mann, der an der Universität sein Studium aufnahm.

Seitdem hinterlässt Lacey an prominenten Plätzen Spuren ihrer Kunst. Das Porträt von Ex-Oberbürgermeisterin Angelika Dopheide im Alten Rathaus sowie die drei früheren IHK-Präsidenten Fritz-Wilhelm Pahl, Peter von Möller und Herbert Sommer im Foyer des IHK-Gebäudes.

Vom mittlerweile gestorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau goss sie eine Zwei-Meter-Skulptur, die in ihrem Beisein vor dem Düsseldorfer Landtag aufgestellt wurde. Aus Bronze auch die Skulptur vom Bielefelder Unternehmerpaar Christa und Eduard Delius.

Mit dem aktuellen Hermann-Gemälde bekräftigt Ann Weers-Lacey ihr Zugehörigkeitsgefühl für Bielefeld. Bis auf einen kurzen Abstecher in ihre Heimat England ist sie der Stadt ein halbes Jahrhundert lang treu geblieben. Hermann hat sie, in stabilem Rahmen, im Schaufenster ihres Ateliers an der Stapenhorststraße ausgestellt. Rechts davor ein Modell ihrer Johannes-Rau-Skulptur, links ein weißes Hündchen, beide den Blick fest auf den Stadtgründer gerichtet.

"What shall I do now?", fragt sich Lacey. Das Jubiläumsjahr hat gerade erst begonnen und sie möchte weitere Beiträge dazu leisten. Ein Bild von Otto womöglich, dem Nachfolger Hermanns. Die Künstlerin freut sich über Vorschläge.