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Kann ein selbstgebauter Ofen mit einem Teelicht die Heizung ersetzen? - © Jemima Wittig
Kann ein selbstgebauter Ofen mit einem Teelicht die Heizung ersetzen? | © Jemima Wittig

Teure Strom- und Gaspreise Heizen mit Teelichtöfen: Funktioniert der Trend wirklich?

Angesichts der steigenden Energiepreise greift ein Do-it-yourself-Trend um sich. Was Experten zu dem selbstgebauten Ofen aus einem Blumentopf sagen.

Jemima Wittig
01.10.2022 | Stand 01.10.2022, 15:35 Uhr

Bielefeld. "Heizen ohne Heizung", "einfach nur genial" - mit solchen Ausdrücken werden tausendfach geklickte Videos auf dem Videoportal YouTube betitelt. Wer einen Teelicht-Ofen bauen will, findet im Internet unzählige Bauanleitungen. Teils stehen diese schon seit mehreren Jahren online, erleben nun, angesichts der Energiekrise, aber ein Revival. Auch in Ostwestfalen-Lippe ist der Trend jetzt angekommen: Ein Baumarkt aus dem Kreis Gütersloh erklärt in einem Video auf dem sozialen Netzwerk Instagram, wie man einen solchen Ofen bauen kann. Er besteht aus einem umgedrehten Pflanztopf, einem Unterteller, einer Gewindestange, die beides miteinander verbindet, und Teelichtern - alles natürlich dort im Laden erhältlich. Aber kann man tatsächlich mit einem solchen Eigenbauprojekt seine Heizung ersetzen?

"Nein", sagt Ramona Zimmer von der Verbraucherzentrale NRW. "So ein Ofen sieht zwar gut aus und es ist gemütlich, auf der Terrasse davor zu sitzen und sich die Hände zu wärmen, aber mehr kann damit nicht machen." Denn, so führt die Energieexpertin aus, man erzeugt mit einem Teelicht nur eine Leistung von gut 30 bis 40 Watt. Also in etwa genug Wärme für einen Quadratmeter. So bräuchte man je nach Raumgröße bis zu 60 Teelichter pro Raum. "Und das ist dann auch nicht günstiger", so Zimmer. Und sie ergänzt, dass sie zudem den Eindruck habe, dass Teelichter teurer geworden seien, was aber nicht an dem aktuellen Trend liegen müsse.

So viele Teelichter in einem geschlossenen Raum können noch dazu schnell gefährlich werden. Zum einen müsste man dann wegen der Schadstoffe die ganze Zeit das Fenster geöffnet lassen, womit die Heizleistung dahin wäre. Zum anderen kann es schnell zu einem Feuer kommen, wenn man nicht aufpasst. "Im Winter brennt es immer öfter als im restlichen Jahr, wegen der Kerzen auf Adventskränzen und Ähnlichem." Bisher seien ihr aber keine Brände im Zusammenhang mit Teelicht-Öfen bekannt. "Die Heizperiode fängt ja auch gerade erst an."

Auch die Feuerwehr warnt vor Gefahren durch Kerzen und Teelichtern. Sie sollten nicht zu nah beieinander platziert oder bewegt werden, während sie brennen. Durch aufsteigende Dämpfe, die sich sonst entzünden könnten, könne eine größere, nicht mehr ausblasbare Flamme entstehen. "Löschen Sie größere Mengen brennender Teelichter niemals mit Wasser", so der Appell. "Dadurch würde der Brand nur noch angefacht und könnte sich unkontrolliert weiter ausbreiten." Stattdessen solle man eine Löschdecke oder einen für Flüssigkeitsbrände zugelassenen Feuerlöscher verwenden.

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