Begegnung: Rapper DBLuDee präsentiert seinen Song „Krieg" zusammen mit den Bielefelder Philharmonikern. - © Sarah Jonek
Begegnung: Rapper DBLuDee präsentiert seinen Song „Krieg" zusammen mit den Bielefelder Philharmonikern. | © Sarah Jonek

Bielefeld „Oper meets Rap“: Zwei musikalische Genres finden gemeinsame Sprache

Gelungenes Experiment: Bielefelder Rapper DBLuDee präsentiert seinen Song "Krieg" zusammen mit dem Opernchor

Linda Schnepel

Bielefeld. Bei diesem Projekt prallen zwei Kulturen aufeinander: Die Bielefelder Philharmoniker und der Opernchor eröffnen „Oper meets Rap" im Stadttheater ganz klassisch mit „Freudig begrüßen wir die edle Halle" aus Richard Wagners Tannhäuser. Dann kommt Rapper Fey-Z. Bei ihm heißt die Begrüßung einfach nur „Jo" und, die Hand am blütenweißen Kragen, „Heute übrigens Hemd, ne?" Zu Beginn fühlt sich das alles etwas komisch an. Andächtig den Philharmonikern lauschen klappt noch ganz gut. Einem Rapper stocksteif im Theatersessel gegenüberzusitzen wirkt dann schon weniger angemessen. Zum Glück glänzen ein paar eingefleischte HipHop-Fans bereits jetzt durch wohlplatzierte Zwischenrufe und Textkenntnis. Die Operndirektorin wünscht sich eine Fortsetzung Nach der Einführung, in der jedes Genre ein paar Stücke lang ungestört sein Ding machen konnte, verschmelzen die Grenzen aber immer mehr. Seinen Song „Krieg" interpretiert der Bielefelder Rapper DBLuDee zusammen mit dem Opernchor und den vier Solisten aus der Musiktheaterriege Nohad Becker, Lianghua Gong, Caio Monteiro und Daniel Pataky. Deutscher Hip Hop über klassischem Opernchor – die außergewöhnliche Kombination beginnt, eine besondere Wirkung zu entfalten. Wippen und Schwelgen funktioniert gleicher-maßen. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Pawel Poplawski. Die filigranen Bewegungen seines Taktstocks scheinen sowohl fette Bässe als auch erste Geige dirigieren zu können. Die Arrangements stammen von Andres Reukauf. Rapper Sima und Solist Krzysztof Gornowicz interpretieren zusammen Simas polnischen Song „Motyvacje", in dem es darum geht, seinen eigenen Weg zu gehen. Da stehen sie nebeneinander, der eine in Jogginghose, der andere im schwarzen Anzug, der eine rappt recht lässig, der andere singt recht majestätisch. Als Gornowicz dann in den polnischen Sprechgesang einstimmt, sind Anblick und Akustik einfach nur zum Freuen: Der Mann im schwarzen Anzug dreht auf, er rappt und gestikuliert in HipHopper-Manier. Man sieht, es ist nicht, was er sonst tut. Aber er hat einen Heidenspaß daran und das ganze Publikum mit ihm. Solche überraschenden Momente bietet der Abend viele: Die Rapper singen im Opernchor, eine Breakdancerin tanzt zu einer Opernarie, der norddeutsche Meister im Beatboxing Mazn performt sich durch sämtliche Musikstile. Operndirektorin Sabine Schweitzer ist glücklich über diese Fusion, zu der ihr die Idee kam, als sie einen Artikel über den Rapper DBLuDee las. Die Zusammenarbeit sei geprägt gewesen von einer großen Offenheit und Neugierde bei allen Musikern. So unterschiedlich die Musik auch sei, letztlich gehe es in beiden Genres immer um die ganz großen Emotionen. Auf dieser Basis haben Rap- und Opernsänger bei diesem Projekt offensichtlich eine gemeinsame Sprache gefunden. Ein gelungenes Experiment, für das Schweitzer sich eine Fortsetzung wünscht.

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