Vor dem Café im Bielefelder Bürgerpark: Auch diese Location spielt eine Rolle im vierten Krimi „Zerrissene Wahrheit“ von Heike Rommel. Foto: Andreas Zobe - © Andreas Zobe
Vor dem Café im Bielefelder Bürgerpark: Auch diese Location spielt eine Rolle im vierten Krimi „Zerrissene Wahrheit“ von Heike Rommel. Foto: Andreas Zobe | © Andreas Zobe

Kultur Autorin Heike Rommel legt vierten Bielefeld-Krimi vor

In "Zerrissene Wahrheit" blickt die Bielefelderin in menschliche Abgründe. Ihr Erstlingswerk "Nacht aus Eis" geht bereits in die dritte Auflage.

Heike Krüger

Bielefeld. Unter den Regionalkrimi-Autoren ist sie schon fast so etwas wie eine „alte Häsin". Immerhin geht ihr Erstlingswerk „Nacht aus Eis" bereits in die dritte Auflage. Zwei Folgewerke brachte Heike Rommel (56) in geregelten Abständen ebenfalls an den Start. Nun liegt der vierte Kriminalroman der Bielefelder Autorin vor. Und seine Handlung ist verschachtelter denn je, die Facetten der Figuren sind besonders intensiv beleuchtet. Dahinter könnte man einen beruflich bedingten Fokus der studierten Psychologin vermuten, die allerdings seit rund 20 Jahren mit Menschen mit Behinderungen arbeitet. „Natürlich interessiere ich mich sehr für die Probleme und Abgründe der Menschen. Beim Schreiben stelle ich mir immer die Frage, was sie dazu bringt, einen Mord zu begehen", bestätigt die Bielefelderin diese Vermutung. »Ich habe noch viele Ideen im Kopf« Wie viele Kriminalpsychologen ist auch die Autorin davon überzeugt, dass fast jeder Mensch unter bestimmten Umständen zum Äußersten fähig ist. Der Plot des neuen Werks „Zerrissene Wahrheit", das soeben erschienen ist, führt in guter alter Krimimanier auf falsche Fährten, bevor sich die überraschende Auflösung ergibt. „Zerrissene Wahrheit" aber unterscheidet sich insofern von seinen Vorgängern, als der Krimi zwei intensiv komponierte Handlungsstränge aufweist, die zum Schluss verschmelzen. Hinzu kommt wieder eine lebhaft gestrickte Nebenhandlung über das Privatleben des Ermittlerteams um Kriminalhauptkommissar Dominik Domeyer. Der muss den Tod der Bibliothekarin Margret Lückner aufklären, die bei einem Unfall stirbt, der keiner war. Private Geschichten der Ermittler Die Frau ist unerwarteterweise vermögend, weshalb ihr Ex-Mann und die Tochter ein Motiv für einen Mord zu haben scheinen. Hinter dem Hauptstrang der Story taucht bald ein weiterer auf: ein lang zurückliegender Unfall in den Bergen, bei dem vor Jahrzehnten ein junger Mann zu Tode kam. Bald versammelt sich eine illustre Truppe beim ehemaligen Organisator des Wanderurlaubs, von der etliche nicht koscher zu sein scheinen. Nebenbei setzt Rommel die Geschichten um ihre Ermittler fort. Wird sich Bent Andersen, Neuzugang aus Norddeutschland, endlich als schwul outen? Was ist mit der Familie von Chefermittler Domeyer nach dessen Trennung von seiner Frau? Und wie geht es mit der jungen Fahnderin Nina Tschöke und ihrem Bruder Kai, der das Down-Syndrom hat, weiter? Mit Tschökes Psyche möchte sich Rommel, deren fünfter Krimi bereits in Arbeit ist und schwerpunktmäßig im Rotlichtmilieu spielen soll, künftig besonders befassen: „Ich glaube, dass ich die Blickwinkel und Handlungsweisen einer Frau aus naheliegenden Gründen gut beschreiben kann", sagt sie. Showdown in Olderdissen Auf den Showdown und letztlich die Auflösung des Falls hat Rommel besondere Sorgfalt verwendet. „Er spielt hoch- metaphorisch im nächtlichen Tierpark Olderdissen, nahe des Wolfsrudels", deutet die Autorin an, die auch dieses Mal viele bekannte Orte Bielefelds eingebaut hat. Hilfreich sei ein Szenenplan gewesen, der der Autorin zur Strukturierung der Handlungsstränge und deren schlüssiger Verquickung diente. Für die Arbeit an Band 5 hat sie zu Hause eine Pinnwand aufgehängt, mit Kärtchen für jede Figur und den Verbindungen untereinander – ganz so wie man sich das bei echten Ermittlern vorstellt. Recherche bei der Bielefelder Polizei Fragen zur Arbeitsweise realer Fahnder beantwortete ihr auch dieses Mal wieder Sonja Rehmert von der Bielefelder Polizei. Durch Fortbildungen, den Austausch mit anderen Autoren, den Besuch des Autorenkongresses „Criminale" und die Inanspruchnahme befreundeter Testleser versucht Rommel, ihr Ergebnis immer wieder zu optimieren. Rache, Neid, Machtgier und Eifersucht – eben jene Gefühle, die auch ihre zumeist sehr bürgerlichen Figuren in ihre eigenen seelischen Abgründe schauen lassen, findet Heike Rommel weitaus spannender als etwa besonders perfide und blutige Todesarten. „Ich halte es mehr mit den psychologischen Feinheiten", sagt sie, die ihrem intensiv gepflegten Hobby auch zukünftig viel Zeit widmen will: „Ich habe noch viele Ideen im Kopf."

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