Lässt sein Amt ruhen: Der 72-jährige Gustav Kuhn. Foto: dpa - © Johann Groder
Lässt sein Amt ruhen: Der 72-jährige Gustav Kuhn. Foto: dpa | © Johann Groder

Kultur Gesangswettbewerb ohne Gustav Kuhn

Sexuelle Belästigung: Der Dirigent lässt auch die künstlerische Leitung von Neue Stimmen ruhen

Stefan Brams Gütersloh/Erl. Nachdem fünf Künstlerinnen im Juli in einem Offenen Brief Gustav Kuhn sexueller Übergriffe beschuldigt hatten, hatte dieser die künstlerische Leitung der Festspiele Tirol ruhen lassen. Am Wochenende teilten die Festspiele Tirol nun zudem mit, den 72-Jährigen auch von weiteren geplanten Dirigaten entbunden zu haben. Auch bei der Bertelsmann-Stiftung stehen die Zeichen jetzt offenbar auf Trennung. „Gustav Kuhn lässt auf eigenen Wunsch seine Aufgaben als künstlerischer Leiter des internationalen Opernwettbewerbs Neue Stimmen ruhen. Er wird daher beim diesjährigen Meisterkurs nicht teilnehmen“, heißt es in einer Stellungnahme aus Gütersloh. Was Kuhn zu der Entscheidung veranlasst hat und ob die Stiftung ihn zu dieser Entscheidung gedrängt hat, war gestern von der Stiftung nicht zu erfahren. Seit 1995 ist Kuhn künstlerischer Leiter der Neuen Stimmen Kuhn ist seit 1987 für den Gütersloher Gesangswettbewerb aktiv und seit 1995 dessen künstlerischer Leiter. Vom 19. bis 27. Oktober sollte er den diesjährigen Meisterkurs und im Herbst 2019 wieder den Gesangswettbewerb, der alle zwei Jahre in der Gütersloher Stadthalle über die Bühne geht, leiten. Wer ihn ersetzt, war gestern nicht zu erfahren. Bisher hatte die Bertelsmann-Stiftung immer betont, dass sie weiter auf die Zusammenarbeit mit Kuhn setzt. „Solange es keine abschließende juristische Klärung gibt, besteht die Zusammenarbeit mit Gustav Kuhn.“ Der Stiftung lägen keine Beschwerden von Künstlerinnen über Kuhn vor, hieß es im Juli in einer Stellungnahme der Stiftung. Schwere Vorwürfe gegen den künstlerischen Leiter der Festspiele Tirol Vor zwei Monaten hatten fünf Künstlerinnen in einem offenen Brief schwere Vorwürfe gegen Kuhn als Leiter der Tiroler Festspiele erhoben. Die Frauen schrieben von „anhaltendem Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen“, von „unerwünschten Küssen“, dem „Griff zwischen die Beine“, „ungehemmter Aggression“ sowie „Mobbing, Bloßstellung, Demütigung und Schikane“. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch eine Gleichbehandlungskommission, die beim Bundeskanzleramt angesiedelt ist, beschäftigen sich mit dem Fall. Die Tiroler-Affäre schwelt bereits seit Mitte Februar. Der Enthüllungsjournalist Markus Wilhelm hatte zunächst über anonyme Klagen über sexuelle Übergriffe und „modernes Sklaventum“ in Erl berichtet.

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