Dritte Graphic Novel: Hamed Eshrat. Foto: John Broemstrup - © John Broemstrup
Dritte Graphic Novel: Hamed Eshrat. Foto: John Broemstrup | © John Broemstrup

Kultur Eine Graphic Novel über Mut und Widerstand

„Nieder mit Hitler!“ erzählt von Karl Metzner, der in zwei Diktaturen rebellierte. Gezeichnet hat sie der in Bünde aufgewachsene Hamed Eshrat

Anke Groenewold

Bielefeld. Die Geschwister Scholl, die ihren Widerstand gegen die Nationalsozialisten mit dem Leben bezahlten, sind berühmt. Aber wer kennt Karl Metzner, der 16 Jahre alt war, als er mit vier anderen Erfurter Handelsschülern Flugblätter verteilte und zum Sturz des Diktators aufrief? Der von der Gestapo verhaftet und eingesperrt wurde und knapp der Todesstrafe entging? Die Graphic Novel „Nieder mit Hitler! Oder: Warum Karl kein Radfahrer sein wollte“ erzählt die Geschichte von Karl Metzner und seinen Freunden. Gezeichnet hat sie der freischaffende Comic-Künstler Hamed Eshrat, der in Bünde aufgewachsen ist und in Berlin lebt. Es ist die dritte Graphic Novel des 1979 in Teheran geborenen Künstlers. Die ersten beiden waren autobiografisch gefärbt und komplett aus eigener Hand. Diesmal hat Eshrat mit einem Autor zusammengearbeitet: Jochen Voit ist Historiker und leitet die Gedenkstraße Andreasstraße in Erfurt. Begegnet sind sie sich erstmals auf dem Comic-Salon Erlangen, wo Eshrat seine Graphic Novel „Venustransit“ präsentierte. Voit schlug das Thema vor, Eshrat war interessiert. „Ich bin dann nach Erfurt gefahren und habe Karl Metzner kennengelernt“, so der Comic-Künstler. Es habe einiger Überredung bedurft, Metzner das Medium Comic schmackhaft zu machen. Karl Metzner hat das Buch noch sehen können Am 26. August ist Metzner im Alter von 90 Jahren gestorben. Das fertige Buch habe Jochen Voit ihm noch zeigen können, erzählt Eshrat. Dass die ab 1943 operierende Widerstandsgruppe, dessen führender Kopf Jochen Bock war, erst 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Anerkennung fand, ist Erfurter Studierenden zu verdanken. Sie recherchierten dieses nahezu vergessene Kapitel. Metzners Rebellion beschränkte sich nicht auf Nazi-Deutschland. So beginnt das Buch denn auch im Jahr 1960, als Metzner in Berlin von der Stasi unter Druck gesetzt wird: Er soll Spitzel werden. Metzner, Pfarrer und Pazifist, weigert sich und geht damit in einer weiteren Diktatur in die Opposition. Eshrat grenzt die beiden Zeitebenen farblich voneinander ab: Die DDR-Szenen sind im wahrsten Sinne des Wortes gräulich, die 1940er Jahre gedeckt farbig. Eshrat hat sich von alten Farbfotos inspirieren lassen. Diese kompakt auf den Punkt und in starken Bildern erzählte Geschichte über den aufrechten Gang eignet sich besonders, aber nicht nur für ein junges Publikum. Im „Abspann“ gibt es noch ergänzende Informationen zu den fünf Widerständlern – und ein rührendes Foto, auf dem Hamed Eshrat Metzner zu dessen 90. Geburtstag eine Originalzeichnung überreicht, die Karl als Jungen zeigt. Eshrat und Voit werden jetzt auf Lesereise gehen, aber erst 2019 nach OWL kommen.

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