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Die Antibabypille hatte vor 60 Jahren ihren Verkaufsstart in Deutschland. - © picture alliance/dpa
Die Antibabypille hatte vor 60 Jahren ihren Verkaufsstart in Deutschland. | © picture alliance/dpa

Hormonpräparat Antibabypille im Netz: Verbraucherschützer warnen vor Risiken

Eine Firma aus Irland bietet die Antibabypille per Ferndiagnose im Internet an. Verbraucherschützer warnen. Vanessa Mai steht als prominente Werbevertreterin in der Kritik.

Juliet Ackermann
06.06.2021 | Stand 07.06.2021, 06:31 Uhr |

Bielefeld. In Deutschland ist das Hormonpräparat Antibabypille eigentlich ausschließlich mit einem ärztlichen Rezept erhältlich. Doch wer den Weg in die nächste Arztpraxis umgehen will, stößt im Netz auf Alternativen. Per Ferndiagnose bietet etwa das Start-up "Prio.One" das Medikament zum Verkauf an. In den sozialen Medien werben prominente Gesichter für das Unternehmen. Dafür ernten sie nicht nur Zustimmung.

Ohne direkte ärztliche Beratung können Frauen auf der Unternehmenswebsite die Antibabypille ordern. Einzige Voraussetzung ist, dass sie einen Online-Fragebogen ausfüllen. Juristisch bewegt sich das Kaufangebot in einer Grauzone. Denn der Sitz des Mutterunternehmens "DTC Healthtech Solution Limited” liegt in Irland, wo solch ein Rezept per Ferndiagnose erlaubt ist. In Deutschland hingegen bleibt die Pille verschreibungspflichtig. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen verstößt der Anbieter sowohl gegen das Heilmittelwerbegesetz als auch gegen die ärztliche Berufsordnung.

"Bei bestimmten Vorerkrankungen kann die Einnahme problematisch sein"

Die Antibabypille leichtfertig ohne Arztbesuch zu bestellen, kann außerdem gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Nebenwirkungen wie Blutungsunregelmäßigkeiten, Akne, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme oder ein reduziertes Lustempfinden sind möglich.

"Bei bestimmten Vorerkrankungen kann die Einnahme problematisch sein, zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Problemen, bei einem erhöhten Thromboserisiko, bei Übergewicht und bei Raucherinnen", warnt die Verbraucherzentrale NRW. Daher solle die Pille nicht eigenmächtig eingenommen werden, sondern an eine ärztlichen Untersuchung gekoppelt sein - auch um mögliche Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten auszuschließen.

Influencer werben für das Portal mit Rabatten

Das Start-up "Prio.one" hat sich nach eigenen Angaben auf Produkte zur Frauengesundheit spezialisiert. Neben der Antibabypille bietet der Shop unter anderem auch Vaginalcremes und HIV-Tests an. Eine eigene Gesundheits-App soll die Frauenheilkunde anhand von datenbasierten Diagnosen revolutionieren, heißt es.

Die Mitbegründerin, Schlagersängerin Vanessa Mai, hat die App direkt am ersten Tag nach Erscheinen auf ihrem Instagram-Profil beworben. Ihre Begründung für die Beteiligung am Geschäftsmodell: Eine bei ihr diagnostizierte Zellveränderung, die zu Gebärmutterhalskrebs führen könne, habe sie dazu bewegt, sich für die Aufklärung von Frauenleiden einzusetzen.

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Auch Influencer beteiligen sich an dem Geschäft, ohne es als solches zu kennzeichnen: In Instagram-Storys bewerben einige das Produkt, ergänzt mit der Angabe "Keine Werbung für die Pille". Der Grund: Werbung für die Antibabypille, wie auch für andere rezeptpflichtige Medikamente, ist in Deutschland verboten.

Auf der deutschen Plattform "GoRomy" war die Antibabypille vergangenes Jahr ebenfalls rezeptfrei im Netz erhältlich. Auch damals hatte es Influencer gegeben, die dafür warben. Kurz nach der Einführung ging Romy allerdings schnell wieder offline, berichtet das Webmagazin Comicschau. Als offizieller Grund sei eine hohe Nachfrage genannt worden.

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