NW News

Jetzt installieren

0
Mehr als 174.000 Menschen haben sich in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Ein geringer Teil dieser Gruppe muss im Krankenhaus behandelt werden. - © picture alliance
Mehr als 174.000 Menschen haben sich in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Ein geringer Teil dieser Gruppe muss im Krankenhaus behandelt werden. | © picture alliance

Pandemie Medizinische Mythen rund um das Coronavirus

In einem Faktencheck geben Experten Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Carolin Nieder-Entgelmeier
19.05.2020 | Stand 18.05.2020, 21:47 Uhr

Berlin/Genf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt sich über die Flut an falschen Informationen zum Coronavirus besorgt. Der Ausbruch des Erregers wird laut WHO von einer "massiven Infodemie", einer Überschwemmung an irreführenden Informationen, begleitet. Zudem herrscht in der Bevölkerung große Unsicherheit, denn noch sind auch in der Wissenschaft viele Fragen offen. In einem Faktencheck geben Experten Antworten auf die wichtigsten Frage:

Schützen Hausmittel gegen eine Infektion mit dem Coronavirus?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt angesichts der Ausbreitung des Coronavirus vor irreführenden Informationen. In den sozialen Netzwerken sind besonders viele davon unterwegs, weshalb die UN-Behörde eine Kampagne gestartet hat, um der Verbreitung von Falschmeldungen entgegenzutreten. Folgende Hausmittel oder Verhaltensregeln helfen laut WHO nicht gegen eine Infektion mit dem Coronavirus:

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Es hilft nicht, sich der Sonne auszusetzen. Auch dann nicht, wenn die Temperatur über 25 Grad Celsius steigt. Es hilft auch nicht ein Bad mit extrem heißen oder extrem kalten Wasser zu nehmen. Auch das Konsumieren von hochprozentigem Alkohol wird oft als Desinfektion von innen gefeiert, hilft jedoch nicht. Die WHO warnt vielmehr vor gesundheitlichen Schäden. Auch das regelmäßige Benutzen von Nasentropfen oder der Verzehr von Knoblauch und Sesam helfen nicht gegen eine Infektion. Antibiotika helfen ebenfalls nicht. Sie wirken nur gegen Bakterien.

Erhöht eine Grippe-Impfung das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Covid-19?

Während weltweit Wissenschaftler an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus arbeiten, versuchen Impfgegner aus der Krise Kapital zu schlagen. Jüngstes Beispiel ist der deutsche Mediziner Ruediger Dahlke, der die Aussage verbreitet, dass eine Grippe-Impfung das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs bei Covid-19 erhöht. Dahlke verweist auf die vielen Infektionsfälle in Italien, die er mit den vielen vorangegangenen Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken begründet. Dahlke, der sich als impfkritischen Arzt bezeichnet, bezieht sich in seinem Beitrag auf die Aussage des britischen Epidemiologen Jonathan Van-Tam.

Van-Tam erklärte am 17. März in einem Interview mit dem TV-Sender BBC, dass vor allem die Menschen zur Corona-Risikogruppe zählen, die vom Staat eine Grippe-Impfung angeboten bekommen. In Großbritannien sind Grippe-Impfungen für bestimmte Risikogruppen kostenlos, wie zum Beispiel für Menschen ab 65 Jahren. Van-Tam beschrieb mit dieser Zuordnung, dass Menschen die besonders durch die Grippe gefährdet sind, auch durch das Coronavirus gefährdet sind. Van-Tam sagte jedoch nicht, dass man wegen einer vorangegangenen Impfung eine höhere Gefahr habe, an Covid-19 zu erkranken.

Er sagte auch nicht, dass Menschen wegen einer Impfung in dieselbe Risikogruppe eingestuft werden wie etwa Patienten, denen kürzlich ein Organ transplantiert wurde. Dahlke behauptet jedoch genau das. Der Mediziner verfälscht die Aussage Van-Tams und behauptet, dass Grippegeimpfte laut britischer Regierung dasselbe Risiko haben, an einer schweren Verlaufsform von Covid-19 zu erkranken, wie transplantierte Patienten.

Diese Aussage ist nach Angaben der britischen Regierung jedoch falsch. Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (RKI), Thomas Mertens, empfiehlt eine Grippe-Impfung aktuell mehr denn je, um eine Überlappung mit Covid-19 zu vermeiden. Aus diesem Grund empfiehlt das RKI Risikogruppen auch eine Impfung gegen Pneumokokken.

Sind Grippeviren gefährlicher als das Coronavirus?

Die Corona-Pandemie stellt in Deutschland laut Robert-Koch-Institut (RKI) ein Krankheitsgeschehen von bisher ungekannten Dimensionen dar. „Wir sind in einer Krise, die ein Ausmaß hat, das ich mir selber nie hätte vorstellen können", warnte RKI-Präsident Lothar Wieler zu Beginn der Krise. Der RKI-Chef warnt weiterhin davor, die Gefährlichkeit des Coronavirus mit derjenigen der Grippe zu vergleichen.

Auch die Grippe sei laut Wieler gefährlich, die Krankheitslast des neuartigen Erregers aber viel höher. Das Coronavirus übertrage sich zudem viel leichter und führe insbesondere in Risikogruppen zu sehr viel mehr schweren Verläufen und Todesfällen. Die Wahrscheinlichkeit an einer Grippe zu sterben, liegt laut RKI in Deutschland bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Valide Aussagen zur Sterblichkeitsrate durch das Coronavirus können aktuell noch nicht gemacht werden. Erste Untersuchungen deuten aber darauf hin, dass in einigen Ländern die Übersterblichkeit gewachsen ist. Das bedeutet, dass in den vergangenen Monaten im Vergleich zu Vorjahreszeiträumen mehr Menschen gestorben sind, als erwartet.

Sterben in Folge einer Infektion mit dem Coronavirus nur alte und kranke Menschen?

„Nein. Das Risiko für schwere Krankheitsverläufe mit einem tödlichen Ausgang steigt zwar deutlich mit dem Alter und durch Vorerkrankungen, aber auch junge, gesunde Menschen sind nicht davor gefeit", erklärt der Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten am Johannes-Wesling-Klinikum Minden, Carsten Gartung. Die meisten Covid-19-Erkrankten sind in Deutschland zwischen 15 und 59 Jahre alt. Laut RKI entspricht das 67 Prozent aller Fälle. Allerdings sind 86 Prozent der Todesfälle 70 Jahre und älter. Der Altersmedian liegt hier bei 82 Jahren. Sogar Kinder sind von schweren Krankheitsverläufen mit tödlichem Ausgang betroffen, allerdings nur selten.

Ob Kinder genauso empfänglich für eine Infektion sind, wie Erwachsene, ist nach Angaben des RKI noch nicht endgültig geklärt. „In der Mehrzahl der vorliegenden Studien sind Kinder seltener von einer Infektion betroffen als Erwachsene", erklärt ein Sprecher. Zudem weisen die Studien darauf hin, dass die Symptomatik der Erkrankung bei Kindern häufig geringer ausgeprägt zu sein scheint als bei Erwachsenen. Auch asymptomatische Verläufe kommen ersten Studien zufolge relativ häufig vor. „Schwere Verläufe sind selten und betreffen insbesondere Säuglinge und Kleinkinder." Grundsätzlich gilt nach Angaben des RKI: „Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken."

Hilft die Maskenpflicht gegen die Ausbreitung des Coronavirus?

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung kann nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ein zusätzlicher Baustein sein, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus in der Bevölkerung zu reduzieren. „Allerdings nur, wenn weiterhin Abstand zu anderen Personen eingehalten wird und auf Hygiene geachtet wird", erklärt ein Sprecher. „Die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen sind die Selbstisolierung bei Erkrankung, eine gute Händehygiene, das Einhalten von Husten- und Niesregeln und Abstand halten", bestätigt der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken im Kreis Minden-Lübbecke, Peter Witte.

Das Tragen einer Maske ist laut RKI vor allem deshalb wichtig, weil infizierte Menschen das Virus auch schon ein bis drei Tage ausscheiden können, bevor sie selbst Symptome entwickeln. „Durch eine Mund-Nase-Bedeckung können infektiöse Tröpfchen, die man beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden", erklärt ein Sprecher. Das Risiko, eine andere Person anzustecken, könne so verringert werden. „Eine solche Schutzwirkung ist bisher nicht wissenschaftlich belegt, sie erscheint aber plausibel."

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) bieten Mund-Nase-Bedeckungen mittlerweile einen nachgewiesenen Fremdschutz. „Ein Selbstschutz ist nicht nachgewiesen, aber wahrscheinlich", erklärt ein Sprecher der DGP. Für den Alltag empfiehlt das RKI Communitymasken, weil die professionellen Atemschutzmasken in der Medizin benötigt werden.

Sind Menschen nach überstandener Infektion gegen das Coronavirus immun?

Derzeit gehen Experten davon aus, dass genesene Patienten nur ein geringes Risiko haben, ein zweites Mal an Covid-19 zu erkranken. „Erste Studien haben gezeigt, dass Personen nach durchgemachter Infektion spezifische Antikörper entwickeln, die das Virus in Labortesten neutralisieren können. Unklar ist jedoch noch, wie robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird und ob es möglicherweise von Mensch zu Mensch Unterschiede gibt", erklärt ein Sprecher des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Erfahrungen mit anderen Coronavirus-Erkrankungen wie Sars und Mers deuten laut RKI darauf hin, dass ein zumindest teilweise vorhandener Immunstatus bis zu drei Jahre anhalten könnte. Für eine valide Aussage sind jedoch Langzeitstudien erforderlich.

Die Antikörper im Blut von genesenen Covid-19-Patienten werden aktuell in Krankenhäusern wie dem Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW in Bad Oeynhausen genutzt, um schwer kranken Patienten zu helfen. Auf der Intensivstation erhalten Patienten derzeit innerhalb von fünf Tagen drei Dosen mit jeweils 200 Milliliter Plasma, das zuvor Genesene gespendet haben. Für eine abschließende Bewertung der Heilversuche ist es nach Angaben des ärztlichen Direktors des HDZ, Jan Gummert, jedoch noch zu früh.

Neu ist das Verfahren aber nicht. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Arzt Emil von Behring das Blut von Genesen erfolgreich zur Behandlung der Diphtherie ein. „Seitdem haben Ärzte immer wieder Erkrankte mit Blutplasma behandelt. Die sogenannte passive Immunisierung der Erkrankten durch Antikörper Genesener kann Leben retten", erklärt der Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin im HDZ, Cornelius Knabbe.

Seit dem 30. März ruft das HDZ Genesene zur Plasmaspende auf. Die Plasmaspende für Genesene läuft genauso ab wie bei anderen Spendern auch. Kontakt: 
Hotline (05731) 972400, Mail: 
corona@blutspendedienst-owl.de

Links zum Thema




Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
Newsletter abonnieren

Update zum Mittag

Erhalten Sie eine kompakte Übersicht von relevanten Themen aus Ostwestfalen und der Welt - direkt aus der Redaktion.