Fast ein ganz normaler Burger: Oben Grillgemüse und Wildkräuter, unten Salat und Tomate, in der Mitte Bratling vom Buffalowurm, eine essbare Käferlarve. Die Insekten-Frikadelle schmeckt erstaunlich fleischig. NW-Redakteurin Christine Panhorst hat's probiert. Der Insektentrend auf dem Teller kommt in Bielefeld in Fahrt. - © Mike-Dennis Müller
Fast ein ganz normaler Burger: Oben Grillgemüse und Wildkräuter, unten Salat und Tomate, in der Mitte Bratling vom Buffalowurm, eine essbare Käferlarve. Die Insekten-Frikadelle schmeckt erstaunlich fleischig. NW-Redakteurin Christine Panhorst hat's probiert. Der Insektentrend auf dem Teller kommt in Bielefeld in Fahrt. | © Mike-Dennis Müller

Bielefeld In Bielefeld gibt es jetzt Insekten-Burger – wir haben sie getestet

Lebensmittel auf Basis von Insektenprotein sind im Kommen. Ein Bielefelder Supermarkt hat mehrere Produkte ins Programm genommen. Und in der Bielefelder Gastronomie gibt es den ersten Insekten-Burger

Bielefeld. Bei Heuschrecken oder Würmern an Nahrungsmittel zu denken, fällt den wenigsten Menschen ein. Der Insektentrend auf dem Teller ist dennoch in Bielefeld angekommen. Nachdem das "Numa" im Vorjahr zur Insekten-Kostprobe eingeladen hatte, hat jetzt Rainer Quermann Produkte auf Insektenbasis in seine Supermarktregale geholt. Und ein Bielefelder Burgergrill schiebt seit Februar eine Insektenfrikadelle zwischen die Brötchenhälften. Er duftet nach Gebratenem, liegt sperrig in der Hand und ein Salatblatt rahmt die Frikadelle. Soweit, so normal für einen Burger. Doch was bei "Hans im Glück" an der Arndtstraße frittiert aufs Brötchen kommt, ist alles andere als gewöhnlich. Seit dem 12. Februar gibt's hier für sechs bis acht Wochen den "Übermorgen", einen Burger mit Insektenbratling. Der Preis für die Zukunft: stolze 9,60 Euro. Buffalowürmer "Der Bratling in unserem Insektenburger besteht zu 27 Prozent aus Buffalowürmern", verrät Peter Prislin, Marketingleiter bei der Hans im Glück Franchise GmbH. "Die übrigen 73 Prozent bestehen aus ausgewählten vegetarischen Zutaten wie Sojabohnen, Eiern und verschiedenen Gewürzen." Der Burger liefere ähnlich viel Eiweiß wie Rindfleisch bei deutlich weniger Fettgehalt. Wer sich traut und herzhaft zubeißt, schmeckt etwas zwischen Hackfleisch und Falafel. Das beschreibt auch gut die Konsistenz. Hier krabbelt nichts oder knuspert unerwartet zwischen den Zähnen. Die Burgeralternative schmeckt im Test richtig gut. Nur "medium" oder "rare" geht dabei nicht. Der Insektenburger ist "gut durch". An der Supermarktkasse im Rewe Quermann an der Babenhauser Straße in Schildesche gleitet der Blick über die gängigen Ü-Eier, Kaugummis, Schokoriegel bevor er verblüfft hängenbleibt an "Swarm Protein - der Insektenriegel". Ein Schild lobt den hohen Protein-, Vitamin-B12- und Ballaststoffgehalt. Der Riegel ist ein Preisträger "und lecker!", so preist man ihn. Mehr Kaufanreiz geht kaum. Grillenpulver im Riegel Produkte auf Insektenbasis müsse man den Kunden gut erklären, weiß Marktleiter und Mitinhaber Quermann, der in seinem Supermarkt gerne Innovatives ausprobiert. "Es braucht in der Regel einen zusätzlichen Impuls zum Kauf solcher Produkte, deshalb haben wir die Riegel an der Kasse positioniert, wo sie auffallen. Ein bisschen auch mit der Aufforderung: Wer traut sich!" Quermann ist voll überzeugt vom Insektentrend: "Das ist das Nahrungsmittel der Zukunft. Dass wir das bisher nicht essen, hat nur mit unserem Kopf zu tun." Die Protein-Riegel schmecken auch keineswegs nach ihrer Insektenzutat, Grillenpulver. Stattdessen gibt es sie in drei vertrauten Geschmacksrichtungen: Red Berries (rote Beeren), Chia-Haselnuss und Raw Cacao (Rohkostschokolade). Der Beeren-Riegel für 1,99 Euro riecht wie gängige Obstschnitten, der Nachgeschmack ist beim Essen wie bei anderen Proteinriegeln etwas staubig. Es fehlt vor allem deren chemische Note, zum Glück. 20 Prozent Insekten-Protein enthalten die Riegel. Gerade im Fitnesssektor kämen diese natürlichen Proteinprodukte daher gut an, sagt Quermann. Wanzen-Stiftung Die richtige Zielgruppe auch für die Insekten-Burger der Bugfoundation GmbH aus Osnabrück, übersetzt so viel wie "Wanzen-Stiftung". Dieselbe Marke beliefert auch "Hans im Glück". Die Wurm-Frikadellen haben in Quermanns Tiefkühltruhe zwischen American Burgern und holländischen Frikandelln Platz gefunden. Das Produkt ist aus der Start-up-Sendung "Die Höhle der Löwen" bei VOX hervorgegangen. Die Idee habe ihn sofort begeistert, sagt Quermann. "Und es gibt durchaus Nachfrage." Zudem passe das Insekten-Food zum Nachhaltigkeitstrend. "Die Tiere werden gezüchtet und haben eine bessere Rohstoffbilanz als zum Beispiel Rindfleisch." Auch "Hans im Glück" bietet den Burger als Teil der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie an. Weitere Produkte gibt's schon bald Nudeln auf Buffalowurm-Basis - das sind essbare Käferlarven - hat Quermann ebenfalls bereits verkostet: "Der Supermarkt von morgen muss inspirierend sein, um mit dem Onlinehandel mithalten zu können." Das nächste Projekt ist schon in der Planung: "Heuschrecken-Chips, die werden wir in eineinhalb Monaten ins Sortiment aufnehmen." Nur für Allergiker ist das Wurmfood nichts: Wer auf Krusten- und Schalentiere oder Hausstaubmilben allergisch reagiert, sollte lieber verzichten.

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