Nicht alles muss weg: In Frankreich und Italien gibt es Gesetze gegen die Lebensmittelverschwendung von Supermärkten. In Deutschland nicht. Nach Angabe der Supermärkte in OWL landet aber auch wenig im Müll. - © dpa
Nicht alles muss weg: In Frankreich und Italien gibt es Gesetze gegen die Lebensmittelverschwendung von Supermärkten. In Deutschland nicht. Nach Angabe der Supermärkte in OWL landet aber auch wenig im Müll. | © dpa

Anders essen Das machen Supermärkte mit Lebensmitteln, die nicht verkauft werden

Serie "Anders essen": Umfrage unter Lebensmittelhändlern. Wie sie Müll vermeiden wollen und was sie tun, wenn doch was weg muss

Jemima Wittig
02.01.2019 | Stand 26.01.2019, 14:03 Uhr

Bielefeld. Es ist Samstag Abend. Der Supermarkt hat nur noch wenige Stunde auf, bevor er seine Türen bis Montagmorgen schließt. Ein Tag, an dem sicher noch mal Viele die Einkaufsmärkte stürmen. Denn über die Weihnachtsfeiertage werden sie sogar zwei Tage lang nicht öffnen. Eine Angestellte räumt nicht verkauftes Obst und Gemüse in einen großen Metallwagen. Was geschieht damit? "Viele Supermärkte werfen übrig gebliebene oder abgelaufene Lebensmittel weg", sagt Carl-Peter Freytag vom Bielefelder Umweltzentrum. Und die Mülltonnen würden dann abgeschlossen. "Das soll zum Einen verhindern, dass Andere ihren Müll dazu werfen und zum Anderen Menschen vom Containern abhalten." Diese Mülltaucher suchen im Abfallcontainern nach Lebensmitteln, die noch genießbar sind. Allerdings ist Containern in Deutschland verboten. Die Strategien der Supermärkte Wäre in den Mülleimern überhaupt was zu holen? Die Supermärkte sagen nein. Denn, so meint Patrik-Ludwig Hantzsch, Pressesprecher von Edeka: "Überschüssige Lebensmittel wegzuwerfen ist nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten kritisch, sondern stellt auch ein wirtschaftliches Verlustgeschäft dar." Deswegen würde auf die Erfahrung der Kaufleute in den einzelnen Märkten gesetzt, die die Nachfrage abschätzen könnten. Die Wahl der Lagerstandorte und die Umsetzung der Logistikprozesse würden gewährleisten, dass möglichst wenige Lebensmittel durch Transport und Lagerung verloren gehen. Hier hilft die moderne Technik durch Prognosesysteme, die auch den Wetterbericht mit einbeziehen, erklärt Andreas Krämer, Sprecher der Rewe Group. "Dennoch ist die Kundennachfrage niemals zu hundert Prozent vorhersehbar", sagt Kaufland-Sprecherin Christine Axtmann. Deswegen würden Produkte kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum reduziert und Backwaren, so wie Obst- und Gemüseartikel könnten Abends zu einem vergünstigten Preis angeboten werden. Bei Aldi Nord gibt es Backwaren vom Vortag für 50 Cent. Real ist bei "too good to go" Auch bei der Weitergabe der Lebensmittel hilft den Märkten die Technik. Real nutzt die App "Too good to go". Dabei können sich die Nutzer für wenig Geld vorgepackte Tüten mit Produkten wie Obst, Gemüse und Backwaren abholen. Seit November testet auch die Gütersloher Filiale die App. "Nicht alles, was nicht verkauft wird, muss in die Tonne", begründet der zuständige Reinmar Tiekötter den Beitritt des Supermarkts. "Wenn zum Beispiel eine Clementine im Netz zermatscht ist, müssten wir das ganze Netz wegschmeißen. So können wird das übrige Obst weitergeben." Die Tüten werden morgens beim Aussortieren der Waren gepackt und können Nachmittags beim Servicecenter abgeholt werden. Bezahlt wir im Voraus über die App. "Für 3,50 Euro gibt es dann Waren im Wert von 11 Euro", sagt Tiekötter. Man muss bei der Reservierung aber schnell sein. Mehr als drei Tüten gibt es selten. Wenn dann aber doch mal etwas nicht so schön aussieht, laut Hantsch "qualitativ aber einwandfrei" ist, würden Waren in den Edeka-Märkten auch zu Fertigprodukten - so genannten Convenience-Produkten - weiter verarbeitet. Alle Supermärkte arbeiten zudem mit den Tafeln vor Ort zusammen. So würde wenig für die Tonne übrig bleiben. "Lebensmittel, die verdorben sind, die wie etwa Fisch ein Verbrauchsdatum haben oder aber aufgrund ihrer Kühlpflichtigkeit nicht von den Tafeln angenommen werden können, müssen entsprechend der gesetzlichen und hygienischen Vorgaben sachgerecht entsorgt werden", sagt Krämer. So wird dann in Biogasanlagen Methan aus den Lebensmitteln.

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