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Herbstzeit ist Igelzeit. Dann bereiten sich die kleinen Tiere auf den Winter vor. Dabei können Gartenbesitzer ihnen helfen. - © istock
Herbstzeit ist Igelzeit. Dann bereiten sich die kleinen Tiere auf den Winter vor. Dabei können Gartenbesitzer ihnen helfen. | © istock

Naturschutz Igel im Garten: So finden die Tiere ein sicheres Zuhause

Igel haben es schwer. Immer mehr ihrer Lebensräume verschwinden, die Hitze im Sommer hat die Futtersuche erschwert und nun steht der Winter an. Doch mit diesen Tipps kann man den eigenen Garten in ein ideales Igelzuhause verwandeln.

Julia Fahl
17.10.2019 | Stand 15.10.2019, 09:08 Uhr |

Bielefeld. Kleine Knopfaugen, kurze Beine, eine langgezogene Schnauze, dazu das Stachelkleid: Jetzt im Herbst sind Igel wieder vermehrt zu sehen. "Schon ab Mitte Oktober wird das Nahrungsangebot für Igel deutlich knapper, die Alttiere beginnen ihr Winternest zu bauen und Jungigel versuchen, noch weiter an Gewicht zuzulegen", so der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Durch die Hitze im Sommer und die trockenen Böden haben viele Igel Probleme bei der Nahrungssuche und müssen weitere Strecken als sonst zurücklegen, um Futter zu finden. Gleichzeitig verschwinden immer mehr Nutzgärten und damit auch geeignete Igel-Lebensräume. In manchen deutschen Regionen ist der bei uns verbreitete Braunbrustigel sogar vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Igel haben es schwer. Nach wie vor sind die Tiere also auf menschliche Unterstützung angewiesen, damit sie gut durch den kalten Winter kommen. Es ist aber ganz einfach, ihnen im Garten einen geeigneten Lebenraum und ein Winterquartier zu bieten. Der ideale Igelgarten Igel sind Einzelgänger und überwiegend in der Dämmerung oder Nacht aktiv. Besonders wohl fühlen sie sich in naturnah gestalteten Gärten mit Hecken, Obstbäumen, Teich und Wiese, in denen auf Mineraldünger und chemische Bekämpfungsmittel verzichtet wird. Auch optimal: "Der Rasen wird nicht ständig gemäht, gedüngt und gewässert, die Hecke nur selten geschnitten, nicht jedes Kräutlein gejätet und jedes Laubblatt abgesaugt", fasst der Nabu zusammen. Diese Gärten bieten Igeln Nahrung, Unterschlupf und Nistgelegenheiten. Als Rückzugsorte bevorzugen die Tiere Hecken, Gebüsche, Reisig-, Laub- und Komposthaufen, Hohlräume unter Holzstapeln, Gartenhäuschen, Treppen, Steinhaufen und alten Baumwurzeln. Gartenbesitzer sollten deshalb bei ihren Herbst-Aufräumarbeiten an die Igel denken: Das zusammengerechte Laub unter den Sträuchern verteilen und Äste haufenweise in einer Gartenecke sammeln – Igel lieben Unordnung. Außerdem sollte man im Winterhalbjahr immer besonders vorsichtig den Rasen mähen, Sträucher beseitigen oder mit Motorsensen arbeiten. Denn bei Gefahr eingerollte Igel sind nur schwer zu sehen. Und schlafende Tiere flüchten nicht. Freier Zutritt für Igel Auf ihrer Suche nach Nahrung durchstreifen die Tiere vor allem nachts große Gebiete. Igel haben Reviere von bis zu einem Quadratkilometer und laufen nachts durchschnittlich drei bis fünf Kilometer weit. Hecken und Lattenzäune passieren sie ohne Probleme, in Drahtzäunen hingegen können sie sich verfangen, Gartenmauern sind unüberwindbar. Gartenbesitzer sollten also darauf achten, die Grundstücksgrenzen zumindest für Igel geöffnet zu halten. Zu gefährlichen Fallen werden Kellertreppen, Lichtschächte und Teiche mit steilen Uferzonen. Diese können aber schnell und simpel "entschärft" werden. "Igel, die eine Kellertreppe hinab gefallen sind, können sich leicht retten, wenn man auf jede Stufe seitlich einen Ziegelstein legt, um die Stufenhöhe zu verringern", rät der Verein "Pro Igel" auf seiner Homepage. Im Teich kann ein Brett als Rampe lebensrettend sein, Lichtschächte und Kellerfenster können mit einem engmaschigen Gitter abgedeckt und gesichert werden. Ein Haus für den Igel "Ab Mitte November schlummern die meisten Igel", so der Nabu. "Von kurzen Unterbrechungen abgesehen verschlafen sie die kalte Jahreszeit bis in den März oder April." Bei schlechtem Wetter ziehen sich Igel aber auch noch bis in den Mai hinein in ihre Winterquartiere zurück. Da schlafende Tiere auf Störungen nicht reagieren und so auch nicht fliehen können, rät der Nabu: "Einmals geschaffene Unterschlüpfe im Garten während des Winterhalbjahres bitte nicht mehr umsetzen." Diese Unterschlüpfe können ganz einfach geschaffen werden, indem man in seinem Garten einen Haufen aus totem Holz, Reisig und Laub aufschüttet. Der lädt Igel zum Bleiben ein. Alternativ gibt es in diesem Video eine Anleitung vom Nabu, wie jeder schnell und unkompliziert ein Igelhaus bauen kann: Wahre Feinschmecker Käfer, Raupen, Regenwürmer, Tausendfüßler, Schnecken, ähnliches Kleingetier und Aas stehen auf dem Speiseplan eines Igels. Im Herbst schmecken ihm aber auch Fallobst, Samen, Nüsse und Beeren. Das alles findet er aber nur im naturnahen Garten, in dem Fallobst auch längere Zeit auf dem Rasen liegen bleiben darf. Gartenbesitzer sollten zudem auf den Einsatz von Insektiziden und Schneckenkorn verzichten. Wenn im Winter das Nahrungsangebot knapp wird, können zusätzliche Futterstellen helfen. Igeltrockenfutter gemischt mit Feucht- oder Trockenfutter für Katzen schmeckt den Tiere gut und liefert lebenswichtiges Eiweiß und Fett. Vorsicht bei Milch: Die vertragen Igel nicht. Ganz wichtig ist Wasser. An flachen Uferzonen eines Teiches oder regelmäßig frisch aufgefüllten Wasserschalen und Vogeltränken auf dem Boden können Igel ihren Durst löschen. Hilfe für die Igel "Nur wenn ein Igel auffallend unterernährt oder krank ist, sollte er versorgt oder einer Igelstation übergeben werden", betont der Nabu. Doch woran erkennt man, ob ein Igel hilfsbedürftig ist? "Oft deuten schon Fundort und -umstände auf Verletzungen hin", so "Pro Igel". Und Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben oder Schächten ohne Wasser und Futter gefangen waren, bräuchten ebenfalls Hilfe. Kranke Tiere erkenne man zudem oft daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder -liegen. Und "Igeljunge, die sich tagsüber ausserhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlos und benötigen dringend Hilfe." Wer nicht in der Nähe einer Igelstation wohnt, kann sich zuerst auch immer an einen Tierarzt wenden. Dieser Text ist im Rahmen einer Kooperation mit WestLotto entstanden. Es werden lokale, regionale und serviceorientierte Geschichten aus den Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens erzählt, die von der Förderung durch WestLotto profitieren. Mehr Geschichten und Infos gibt es hier

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