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Umwelt Jetzt ist Sense: Renaissance eines Werkzeugs

Eine Sense ist umweltfreundlich, leise und taugt sogar als Meditationswerkzeug, so die Erkenntnisse aus einem Sensen-Workshop, an dem wir teilgenommen haben.

Monika Dütmeyer
06.10.2019 | Stand 02.10.2019, 16:09 Uhr

Der Wind raschelt sanft in den Blättern der Apfelbäume, die im Spätsommer rot gefärbte Früchte tragen. Einige Vögel singen dazu ihr Lied und die Sonne inszeniert das Gut Pohnstorf in Mecklenburg Vorpommern im schönsten Schein. Auf ein Szenario, das schon fast zu perfekt wirkt, setzt Gutsherr Fabian Sösemann noch einen obendrauf – mit seinem Auftritt als „Sensenmann“. Dass er einer von der freundlichen Sorte ist, davon zeugt sein offenes Lächeln. Außerdem hat er nicht nur eine Sense dabei, sondern drei. Statt einen Hattrick im Enthaupten zu erzielen, führt er etwas ganz anderes im Schilde: Er möchte Gruppen in Workshops beibringen, wie man richtig senst. Und dafür hat er gute Gründe. „Ich finde das Sensen als Tätigkeit enorm nett. Man ist draußen, arbeitet vor sich hin und strengt sich an – aber auch nicht zu sehr“, schwärmt er. Bevor die Teilnehmer in den Genuss dieser offenbar körperlichen und geistigen Freude kommen, erklärt er aber erstmal das Arbeitsgerät. Schwungvoll sensen „Je länger das Sensenblatt ist, desto mehr schafft man. Aber desto anstrengender wird es auch.“ Dass das Blatt passt, darauf sollte man am besten schon beim Kauf der Sense achten. Ebenso auf die Größe und Ergonomie des Werkzeugs, die zum Sensenmann oder zur Sensenfrau passen sollte. „Der mittlere Griff sollte sich auf Hüfthöhe befinden“, erklärt Fabian Sösemann, „zwischen mittlerem und oberen Griff sollten Unterarm und die Hand passen“. Die linke Hand ist oben, die rechte am Mittelgriff. Und bevor es loslegt, sollte man sich das Sensenblatt, oder noch genauer, den Winkel des Blatts, lieber noch mal im Detail ansehen. „Je weiter man das Blatt aufbiegt, desto größer ist der Radius – und desto mehr schafft man.“ Die Kehrseite des Sensens im großen Stil: „Desto anstrengender wird es aber auch.“ Bevor wir starten, gibt es noch eine kleine Handhabungs- und Sicherheitseinführung , damit es dann auch heißt: Make „Sense“, not War! „Man sollte die Sense in einer möglichst geraden Linie tief an den Pflanzen führen“, erklärt er. Und auch wie die Moves gelingen, weiß unser Lehrer: „Man bewegt sich in einer 180-Grad-Drehung aus der Hüfte leicht gebeugt vorwärts.“ Sehr viel Kraft brauche man für die einzelne Bewegung nicht, aber den richtigen Schwung. Noch ein Pluspunkt beim Sensen: Pausen alle paar Minuten gehören quasi zur Tätigkeit. Gute Schneide, halbe Arbeit Denn das Sensenblatt will regelmäßig gewetzt werden, um dem in Fachkreisen wohl bekannten Slogan „Gute Schneide, halbe Arbeit“ wahr werden zu lassen. Deshalb muss man regelmäßig anhalten und mit einem Schleifstein und einem charakteristischen Knirschen das Sensenblatt schärfen. Und dann geht es endlich los. Ritsche, ratsche – die Teilnehmer wirbeln die Sensen hin und her. Und feiern schon nach wenigen Sekunden erste Erfolge. Hier das Sensenblatt etwas gerader, dort etwas tiefer ansetzen und da hinten vielleicht ein bisschen mehr Schwung. Mit kleinen Tipps von Fabian gelingt es allen Teilnehmern, das kniehohe Gras vor dem Gutshaus zu kürzen. Und nicht nur bei uns erfreut sich die Sense (wieder) wachsender Beliebtheit. Ökologisch und gesund Nach Angaben des Sensenverein Deutschland ist das Sensen ökologisch, leise und anders als Freischneider und Rasenmäher jederzeit einsetzbar. Und zwar in jeder Ecke, die mit Maschinen manchmal schwer zu erreichen sind. Das Werkzeug ist leicht, sodass mit entsprechender Einweisung sogar Kinder damit mähen könnten. Und es ist gesund: Studien belegten, dass sich beim Mähen der ganze Körper schonend bewege. Dazu kommt der Geruch des frisch geschnittenen Grases, das Geräusch der Schneide und der Duft der Blumen. Das alles wirkt extrem entspannend – und fast schon meditativ. Außerdem gibt es noch einen ganzen Haufen getaner Arbeit zum Angucken. Was Fabian Sösemann gar nicht dazu gesagt hat: Weil man das Gras mit dem Schwung gleich zu kleinen Häufchen zusammen kehrt, stellt sich sofort ein Erfolgsgefühl und ein mindestens ebenso großes Häufchen Stolz ein. Überschüssige Restenergie oder Aggressionen kann man außerdem beim „Dengeln“ loswerden: Dabei wird das Blatt der Sense mit Hammer und Amboss wieder in Form gehauen. Demnächst möchte Fabian das Sensen als Workshop, zum Beispiel für gestresste Manager, anbieten. Die Testgruppe ist sich schon mal einig, wie sie das Angebot findet: sensationell!

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