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Ein Teilnehmer der Mahnwache hält ein Schild mit der Aufschrift "SUV töten Kinder, Mütter, Väter, das Klima". - © picture alliance
Ein Teilnehmer der Mahnwache hält ein Schild mit der Aufschrift "SUV töten Kinder, Mütter, Väter, das Klima". | © picture alliance

Berlin Tödlicher Unfall löst Debatte über Verbot von SUVs in Innenstädten aus

Mit einer Mahnwache haben mehrere Hundert Menschen der Opfer des schweres Verkehrsunfalls gedacht.

08.09.2019 | Stand 08.09.2019, 18:10 Uhr

Berlin (AFP/dpa). Der schwere Verkehrsunfall in Berlin mit vier Toten und fünf Verletzten hat eine Debatte über die Zulässigkeit von SUVs in Innenstädten ausgelöst. Dabei geht es nicht nur darum, wie gefährlich die Geländelimousinen sind. Die Autos stehen schon länger als klimaschädlich in der Kritik. "Panzerähnliche Autos" Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), sagte: „Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt. SUVs haben in unseren Städten nichts zu suchen!" Jeder Fahrfehler bedeute Lebensgefahr für Unschuldige. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) reagierte zurückhaltender: „Wir müssen analysieren, wie es zu diesem schrecklichen Unfall kommen konnte, bevor wir Konsequenzen ziehen können." Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Debatte eröffnet, indem sie auf Twitter schrieb, SUVs hätten in den Städten nichts zu suchen. Sie erntete dafür auch Kritik: So warf der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Mario Luczak dem Verein und anderen vor, den Unfall zu instrumentalisieren. Unfallforscher: SUVs nicht unbedingt gefährlicher „Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart", sagte auch der Unfallforscher der Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Mehr Einfluss als das Gewicht habe die Geschwindigkeit und die Art des Zusammenstoßes, erklärte er. Im Berliner Fall hätte aber der Ampelmast einen Polo möglicherweise abgehalten. Er betonte, in SUVs säßen nicht unbedingt „Rambos" am Steuer. Nach Umfragen schätzen viele Frauen und ältere Leute die Wagen, weil sie wegen der Höhe leichter ein- und aussteigen können und eine größere Übersicht haben. Ein Kaufmotiv sei auch die Sicherheit: „Die größere Masse bietet einen Vorteil gegenüber der kleineren." Mahnwache für die Opfer Mit einer Mahnwache haben am Samstagabend mehrere Hundert Menschen der Opfer des schweres Verkehrsunfalls gedacht. Viele Teilnehmer setzten sich auf die Invalidenstraße, die für den Verkehr abgesperrt war. Vier Minuten schwiegen sie - je eine Minute für jedes Todesopfer. Für jedes wurde auch eine weiße Kunststofffigur am Unfallort aufgestellt. Zu der Mahnwache hatten die Vereine FUSS, Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Changing Cities aufgerufen. Sie forderten Tempo 30 in der ganzen Stadt, eine autofreie Innenstadt und eine Ombudsperson für Verkehrsunfallopfer. „In der Regel sind es Autos, die töten im Verkehr", sagte Heiner von Marschall, der Vorsitzende des VCD Nordost. Auf Transparenten forderten Teilnehmer „Motorisierte Gewalt stoppen" und kritisierten „motorisierte Mordwerkzeuge". SUVs (Sport Utility Vehicle) sind bei Autokäufern in Deutschland zunehmend beliebt, obwohl sie von Kritikern als besonders umweltschädlich bezeichnet werden. Im August fiel mehr als jeder fünfte Neuwagen in diese Kategorie. Hinzu kommen in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes noch zehn Prozent herkömmliche Geländewagen. Ermittlungen zur Ursache gehen weiter Die genaue Ursache für den Unfall in Berlin ist weiter unklar, die Polizei ermittelt zu einem möglichen medizinischen Notfall des 42-jährigen Fahrers. Der Sportgeländewagen vom Typ Porsche Macan war nach links von der Fahrbahn abgekommen und überfuhr vier Menschen. Neben einem drei Jahre alten Kind erlagen zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren sowie eine 64-jährige Frau am Unfallort ihren Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Wir fühlen mit den Opfern und ihren Angehörigen - es ist so unfassbar traurig und wäre so leicht vermeidbar gewesen! Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt! Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige. https://t.co/FOGVQotMBT — Stephan von Dassel (@DasselVon) September 7, 2019 DUH-Forderung nach Stopp für Monster-Geländewagen in unseren Städten wird nach tödlichen Porsche-SUV Unfall in Berlin vom Bezirksbürgermeister Dassel geteilt: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt". DUH fordert von Herstellern SUV-Stopp https://t.co/OQpjJCMnRH — Deutsche Umwelthilfe (@Umwelthilfe) September 7, 2019

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