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Till Neumann von der Band "Zweierpasch" hat mit seinem Bruder bei einer Aktion rund 15.000 Zigarettenstummel gesammelt. Damit bringen sie den ursprünglich aus Frankreich stammenden Instagramtrend #fillthebottle nach Deutschland. - © picture alliance/Patrick Seeger/dpa
Till Neumann von der Band "Zweierpasch" hat mit seinem Bruder bei einer Aktion rund 15.000 Zigarettenstummel gesammelt. Damit bringen sie den ursprünglich aus Frankreich stammenden Instagramtrend #fillthebottle nach Deutschland. | © picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Umwelt #FilltheBottle-Challenge: Zigaretten sammeln für die Umwelt

Zigarettenkippen sind ein Problem für die Umwelt. In einer neuen Internet-Challenge sammeln Teilnehmer die Stummel in einer Flasche ein und posten davon ein Foto. Was in Frankreich begonnen hat, kommt nun auch zu uns.

Julia Fahl
10.09.2019 | Stand 10.09.2019, 22:48 Uhr

Bielefeld. Schnell noch einen letzten Zug nehmen, schon landet die Zigarette als Stummel auf dem Boden. Und da bleibt sie im Zweifel auch bis zu zehn Jahre lang liegen. Denn so lange dauert es, bis Zigarettenkippen mit ihren Filtern aus Kunststoff verrottet sind. Gleichzeitig sind weggeschnippte Zigaretten weltweit das häufigste Abfallprodukt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jährlich weltweit rund 5,6 Billionen Zigaretten geraucht. Davon landen gut zwei Drittel nach dem Rauchen auf dem Boden. Und nicht nur dort. Einer Studie des Earth-Watch-Instituts zufolge sind Zigarettenstummel der dritthäufigste Plastikmüll in europäischen Gewässern. Hinzu kommt, dass man Zigarettenkippen durchaus als Sondermüll betrachten muss. Denn in jeder einzelnen Zigarette stecken rund 4.800 chemische Substanzen und 250 Giftstoffe wie Nikotin, Arsen und Blei. Aufgelöst in einem Liter Wasser, tötet eine einzige Zigarette nach vier Tagen Fische, wie Forscher der Universität San Diego 2011 gezeigt haben. Doch Hilfe und Umweltschutz nahen – aus dem Internet. Ausgerechnet in Form einer dieser sogenannten Challenges. Internet-Challenges zwischen Spaß und Lebensgefahr Das Internet hat ja schon die kuriosesten Trends ausgespuckt. Teilnehmer wandelten dabei immer auf einem schmalen Grad zwischen Spaß und Lebensgefahr. Sie husteten, spuckten und ringen nach Luft, weil sie versuchten, für die „Cinnamon-Challenge" einen Teelöffel gemahlenen Zimt herunterzuschlucken. Ohne Wasser. (Anm. d. Red.: Bitte nicht nachmachen!) Trockenen Zimt zu sich zu nehmen, ist sehr gefährlich. Das Pulver setzt sich in den Atemwegen fest. Schwere Atemstörungen und Ersticken können die Folge sein. Andere schluckten für die „Tide Pod Challenge" Päckchen gefüllt mit Waschpulver. (Anm. d. Red. auch hier: Bitte nicht nachmachen!) Ebenfalls lebensgefährlich, denn Waschmittel ist giftig und kann zu Verätzungen führen. Lustiger, weil ungefährlicher, war hingegen die „Mannequin Challenge", bei der die Teilnehmer in Videos wie in einem Standbild posieren. Sinn und Verstand vermisste man aber bei allen diesen Aktionen. Die Idee hinter der neuen #FilltheBottle-Challenge Das ändert sich nun. Denn aktuell setzt sich unter dem Hashtag #FilltheBottle zum ersten Mal ein sinnvoller Internet-Trend durch, der für eine sauberere Umwelt sorgen soll. Das Prinzip ist einfach und steckt im Namen: Füll die Flasche. Und zwar mit Zigarettenstummeln. Teilnehmer der Challenge sammeln unterwegs zertretene Glimmstängel auf, stecken sie in eine Flasche und laden ein Foto der vollen Flasche in den sozialen Netzwerken hoch. Erfinder der #FilltheBottle-Challenge ist der Franzose Jason Prince. Ende Juli twitterte er ein Bild von einer bis oben mit Zigarettenkippen gefüllten Plastikflasche. Bref. pic.twitter.com/nvJWlHbLl9 — Jason Prince (@Jsn_Drk94) 31. Juli 2019 Den Hashtag #fillthebottle fügte eine Freundin hinzu, die das Foto retweetete. Der Anfang war gemacht, viele Franzosen beteiligten sich. Mittlerweile sind allein auf Instagram unter dem Hashtag #fillthebottle mehr als 3.500 Beiträge zu finden. Und die Netz-Aktion ist inzwischen auch bei uns in Deutschland angekommen. Die Zwillinge Till und Felix Neumann von der Band „Zweierpasch" aus Baden-Württemberg machten den Anfang und sammelten gemeinsam mit Freunden in Freiburg und in Kehl bereits mehr als 15.000 Zigarettenstummel. Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an #fillthebottle Rund 9500 Zigarettenstummel in #Freiburg gesammelt. Danke an zahlreiche tolle Helfer*innen !👏 Eure Initiative für ein grünes Freiburg. Das ganze Fotoalbum auf Facebook/Zweierpasch mit Fotos von @peterherrmann_photography und @felix_22er ! #fillthebottlefreiburg Ein Beitrag geteilt von Zweierpasch (@zweierpasch) am Aug 20, 2019 um 3:02 PDT Einen kleinen Haken gibt es doch Ausgedrückte Zigaretten einzusammeln ist sinnvoll, keine Frage. Nicht ganz so sinnvoll ist es, die Stummel in einer Plastikflasche zu sammeln. Denn die Flaschen lassen sich zumindest teilweise recyceln und gehören zumindest hierzulande in den Gelben Sack. Zigarettenstummel aber nicht. Diese müssen über den Restmüll entsorgt werden. Ob Flasche und Kippen aber von den Teilnehmern der Challenge getrennt voneinander entsorgt werden, ist fraglich. Noch besser wäre es deshalb, ein Mehrweggefäß für die Sammelaktion zu nehmen.

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