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Das Meiste ist getan: Als Elfter überquert Thomas Koep (vorne) das Timmelsjoch – zufrieden und erleichtert zugleich. - © Sportograf
Das Meiste ist getan: Als Elfter überquert Thomas Koep (vorne) das Timmelsjoch – zufrieden und erleichtert zugleich. | © Sportograf

Radsport Ötztaler Radmarathon: Ex-Profi-Verstärkung für OWL

Neu-Wiedenbrücker Thomas Koep kommt beim Ötztaler Radmarathon direkt vor Jörg Ludewig als Achter ins Ziel

Torsten Ziegler
08.09.2017 | Stand 07.09.2017, 21:00 Uhr

Bielefeld/Sölden. Die Frage nach dem besten Ostwestfalen beim Ötztaler Radmarathon war in den letzten Jahren leicht zu beantworten. Es war immer Jörg Ludewig. 2016 und 2013 fuhr der Versmolder sogar auf Platz zwei. 2017 aber reichte dem Ex-Profi ein neunter Rang nicht, um die Sonderstellung zu bestätigen. Diesmal landete ein Fahrer aus Rheda-Wiedenbrück direkt vor ihm. Seine Name: Thomas Koep. „Ein netter Kerl ist das. Ich kannte ihn bis dahin nur vom Sehen. Er war trotz seiner circa 83 Kilo auch bergauf stark und hat mich fünf Kilometer vorm Ziel eingeholt", schildert Ludewig den Moment des Zusammenschlusses. In einer Vierergruppe war dann Koep der Stärkste und rollte knapp vor Ludewig mit einer Zeit von 7:07.07,4 Stunden über die Ziellinie. Und Koep kam bei seiner Ötztaler-Premiere nicht aus dem Staunen heraus, „mit welcher Begeisterung uns die Zuschauer den ganzen Tag und auch im Ziel gefeiert haben. Der Ötzi ist echt eine große Nummer". Die Erinnerung an den Ritt über 238 Kilometer und die vier Alpenpässe Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch zaubert fast zwei Wochen danach ein breites Grinsen ins hagere Gesicht des 27-Jährigen. Er hat sich eine etwas längere Mittagspause dafür Zeit genommen zu erklären, wie Ostwestfalen-Lippe bei dem Kult-Event zu zwei Top-Ten-Platzierungen gekommen ist. Ende 2016 steht Koep ohne Profivertrag da Korrekt hatte er schon bei der ersten Kontaktaufnahme darauf hingewiesen „kein echter Wiedenbrücker" zu sein. Aber er wohnt hier seit Ende 2016 und arbeitet im Stadtteil Rheda bei DT Swiss, einem Laufradhersteller, als Eventmanager. Ursprünglich kommt Koep aus Köln. Was ihn auf dem Rad so gut macht: Von 2012 bis 2016 fuhr er für das Team Stölting, im letzten Jahr auch mit einem Profivertrag ausgestattet. Als Stölting Ende vorigen Jahres sein Engagement mangels Sponsoren einstellte, hatte Koep ein Jahr mit vielen Knochenbrüchen und wenig Ergebnissen auf dem Papier. „Wenn du keine Ergebnisse vorweisen kannst, ist es schwer, einen neuen Profivertrag zu kriegen", berichtet Koep von der Zeit, die ihm eine grundsätzliche Entscheidung abverlangte. Das Geographie-Studium war mit dem Bachelor abgeschlossen, als sich passend die Job-Chance in Rheda-Wiedenbrück auftat. Also machte Koep einen Haken unter die Profi-Karriere. „So hörst Du mit dem Sport nicht auf", sagte er allerdings zu sich. Beim karitativen Team „Embrace the world cycling" begann er neu. Ambitioniert, aber eben nur so weit es sein Vollzeit-Job zulässt. „Die Jahreskilometer halbieren sich von 27.000 auf etwa 13.000", sagt Koep. Im Falle des Ötztalers ließen sich Beruf und Sport miteinander verbinden. Freitag und Samstag betreute Koep einen Messestand seines Arbeitgebers in Sölden, Sonntag stand er dort mit gut 4.300 anderen um 6:45 Uhr am Start. „Als Profi hätte ich gesagt, das kann nicht klappen. Zwei Tage nur stehend verbringen und dann ein so hartes Rennen fahren. Aber es hat anscheinend trotzdem funktioniert", sagt Koep. Danach registrierte er eine Welle von Anerkennung, die ihn fast verwunderte. Mehr als bei seinen normalen Radrennen. „Krass" nennt Koep die Aufmerksamkeit, die der Ötztaler erzeugt. Der aufregende Sonntag in den Tiroler Bergen endete für Koep entspannt im Alpecin-Teamhotel. Dorthin hatte ihn Jörg Ludewig zum besseren Kennenlernen eingeladen. Gut möglich, dass demnächst zwei Ex-Profis zusammen über die hiesigen Straßen flitzen. „Ich habe ihm vorgeschlagen, im Winter mal gemeinsam zu trainieren. Damit wir nicht zu schwer werden", sagt Ludewig. Und mit diesem Guide wird Koep garantiert schnell zum echten Ostwestfalen.

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