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Alles muss passen: Stefan Zelle hat Ötztaler-Erfahrung. Er erklärt Sportchef Torsten Ziegler, worauf es ankommt. - © NW
Alles muss passen: Stefan Zelle hat Ötztaler-Erfahrung. Er erklärt Sportchef Torsten Ziegler, worauf es ankommt. | © NW

NW-Team Ötztaler Vor Ötztaler: NW-Sportchef Torsten Ziegler schwitzt bei Leistungsdiagnostik

Interview mit Diplom-Sportwissenschaftler und Radlabor-Leiter Stefan Zelle über systematisches Training

Torsten Ziegler
08.05.2015 | Stand 03.06.2015, 14:33 Uhr |

Bielefeld. Zum ersten Mal trainiere ich systematisch auf einen Tag hin, den Ötztaler Radmarathon am 30. August. Mein Programm basiert auf den Werten einer Leistungsdiagnostik, die Stefan Zelle (31), Leiter des Radlabors Frankfurt, durchgeführt hat. Der Diplom-Sportwissenschaftler hat selbst eine beeindruckende Ötztaler-Bestzeit von 8:12 Stunden. Welche Vorteile er im Training nach Plan sieht, erklärt Zelle im Interview. Als gebürtiger Mindener kennst Du den Hermannslauf. Den hat jetzt jemand in knapp drei Stunden absolviert. Ohne spezielles Lauftraining. Ist der Ötztaler so auch zu schaffen? STEFAN ZELLE: Mit einer Wettkampfdauer von sicher über zehn Stunden ist der Ötztaler aus meiner Sicht eine Nummer zu groß, um ihn ohne eine ordentliche Vorbereitung zu überstehen, besonders für Deinen ungeübten Körper. Wenn ich eine solche Herausforderung überstehen will, muss ich vorher viel auf dem Rad trainieren und den Körper auf die sehr großen Belastungen vorbereiten. Ich möchte meinen Trainingsplan gerne als Erfolgsgarantie fürs Ankommen beim Ötztaler betrachten. Wie viel Absicherung verschafft mir der Plan? ZELLE: Eine gute Vorbereitung erhöht ganz sicher schon mal die Chancen, einen erfolgreichen Ötztaler zu fahren, aber eine Garantie gibt es bei einem Rennen dieser Dimension leider nicht. Selbst wenn ich super trainiert am Start stehe, gibt es am Tag X noch so viel Dinge, die man richtig oder falsch machen kann. Dazu gehört ganz wesentlich eine gute Einteilung der Kraft, eine gute Ernährungsstrategie, gute Fahrtechnik und das Wetter muss natürlich auch noch mitspielen. Erlebst Du viele Radfahrer, die sich intuitiv jeder Anforderung optimal anpassen? ZELLE: Was mir in meinem Alltag hier im Radlabor hauptsächlich begegnet, sind Radfahrer die die eigenen Fähigkeiten in vielen Fällen überschätzen und damit verschiedene Ziele mit zu hohem Tempo angehen. Bei meiner Leistungsdiagnostik war immer von der individuellen anaeroben Schwelle (IAS) die Rede. Warum ist sie so bedeutend? ZELLE: Weil die IAS den Leistungsbereich beschreibt, in dem ich mich noch eine längere Zeit aufhalten kann ohne sofort stark zu ermüden und eine Pause zu brauchen. Die geübten Fahrer fahren in diesem Bereich die langen Anstiege beim Ötztaler hinauf. Kann ich die IAS durch systematisches Training nach oben verschieben? ZELLE: Genau das ist das Ziel Deines Trainings. Den roten Bereich so weit wie möglich nach oben verschieben und damit besser werden. Werde ich auf diese Weise schneller oder nur ausdauernder? ZELLE: Ich kann zum einen ein vorher anstrengendes Tempo länger halten, aber dadurch, dass der rote, also der anaerobe Bereich, nach oben verschoben wird, kann ich natürlich auch über eine kurze Zeit ein höheres Tempo halten. Beides ist also der Fall. Warum trainiere ich auch Sprint-Intervalle, wo es doch beim Ötztaler wesentlich darauf ankommt, gesund die Berge hoch und wieder runter zu kommen? ZELLE: Am Anfang der Vorbereitung geht es darum, die allgemeine Fitness auf ein möglichst hohes Niveau zu heben. Dazu gehört dann eben auch, die oberen Intensitätsbereiche zu trainieren. Je näher der Ötztaler dann kommt, wird das Training immer spezifischer, was bedeutet, dass die Sprints im Verlauf des Sommers sicher immer weniger werden.

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