NW News

Jetzt installieren

0
Peter Gojowczyk streckt sich zum bisher größten Erfolg seiner Karriere, dem Viertelfinaleinzug in Halle. - © FOTO: WEISCHE
Peter Gojowczyk streckt sich zum bisher größten Erfolg seiner Karriere, dem Viertelfinaleinzug in Halle. | © FOTO: WEISCHE
Halle

Mit mentaler Stärke ins Viertelfinale

Gojowczyk ist ein Schrecken für Weltklassespieler / Bundestrainer Arriens: "Ihn kann nichts erschüttern"

VON JÖRG FRITZ
14.06.2014 | Stand 13.06.2014, 10:54 Uhr

Halle. Deutschland sucht den Tennisstar. In der aktuellen Folge dieser Casting-Show aus dem ostwestfälischen Rasentennismekka Halle hat sich Peter Gojowczyk entscheidend in Szene setzen können. Der mit einer Wild Card ins Rennen geschickte Profi aus dem bayerischen Eisenhofen hat die Gunst der Stunde genutzt und trifft heute im Viertelfinale auf den Kolumbianer Alejandro Falla.

Gojowczyk, am 15. Juli 1989 in Dachau geboren, gilt als Spätstarter in der Szene und musste nach seinem Einstieg als Berufsspieler auf seinen internationalen Durchbruch lange warten. Zu Saisonbeginn setzte Gojowczyk, der seit zwei Jahren in München mit den ehemaligen Hochsprung-Star Carlo Thränhardt in Sachen Fitness zusammenarbeitet, in Doha eine erste Duftmarke, als er als Qualifikant erst im Halbfinale von Rafael Nadal gestoppt wurde "und ich immerhin einen Satz erkämpfte", so Gojowczyk.

Gerade in Spielen gegen Weltklasseleute kann der Rechtshänder sich auf "außergewöhnliche Fähigkeiten verlassen", sagt Bundestrainer Carsten Arriens. "Ihn kann nichts erschüttern, er reagiert in Stresssituationen überlegt und trifft die richtigen Entscheidungen." Diese mentale Stärke entnervte im April bei seinem Daviscup-Debüt in Frankreich auch Jo-Wilfried Tsonga, der sich dem Deutschen in fünf Sätzen geschlagen geben musste.

Deutschlands neue Tennishoffnung durfte diesen Triumph nur kurze Zeit genießen. Aufgrund einer Fußverletzung (Blasen) konnte er sein Leistungsvermögen nicht wie gewünscht abrufen. Zahlreiche Erstrundenniederlagen sowie eine dreiwöchige Pause waren die Folge.

GWO-Turnierdirektor Ralf Weber, der seit Jahren als großer Förderer für deutsche Spieler gilt, bedachte Peter Gojowczyk ebenso wie Jan-Lennard Struff und Dustin Brown mit einer Wild Card. "Dieser Vertrauensbeweis hat mich ungemein motiviert", sagte der deutsche Daviscupspieler, was sich auch in seinen Leistungen in Halle ausdrückt.

Sein Erstrundensieg gegen den Polen Michal Przysiezny war der Aufgalopp zu einer furiosen Fortsetzung, die mit dem größten Sieg seiner bisherigen Laufbahn endete. Sein 6:4, 6:4-Sieg im Achtelfinale gegen den kanadischen Weltranglistenneunten Milos Raonic entzückte das Publikum. "Das war beeindruckend", lautete auch das Urteil des Bundestrainers.

Gojowczyks Überraschungscoup war bestens vorbereitet. "Wir haben uns Videos von Milos Raonic angeschaut und eine passende Strategie erarbeitet", erzählte der Viertelfinalist. Erstaunlicherweise bereiteten ihm die harten Aufschläge des Kanadiers keine Probleme. "Ich habe sein Service fast immer entschärfen können, da der Return zu meinen stärksten Schlägen gehört."

Vielleicht kann Peter Gojowczyk, der in seiner Laufbahn bisher erst fünf Rasenmatches bestritt, heute Nachmittag seinen Stellenwert im deutschen Tennis weiter aufpolieren. Die Nummer 120 der Weltrangliste ist gegen den Kolumbianer Alejandro Falla (ATP-Platz 69) erneut Außenseiter, eine Rolle, die ihm liegt. Seine Einschätzung: "Falla ist Linkshänder und gerade auf Rasen ein ekelig zu spielender Gegner." Carsten Arriens ist optimistisch: "Peter hat zweifelsfrei noch Potenzial nach oben."

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken