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Respekt vor allem und jedem: Roger Federer bedankt sich persönlich bei den nichts ahnenden Ballkindern in Halle. Fotos: Sarah Jonek - © Sarah Jonek
Respekt vor allem und jedem: Roger Federer bedankt sich persönlich bei den nichts ahnenden Ballkindern in Halle. Fotos: Sarah Jonek | © Sarah Jonek

Noventi Open Halles Rekordsieger Roger Federer: „Ich bin gern ein Vorbild“

Der Schweizer gewinnt das Finale der Noventi Open gegen den Begier David Goffin. Es ist sein zehnter Triumph in Halle, wo sie ihn besonders mögen. Nicht nur wegen seiner Erfolge

Stephanie Fust
23.06.2019 | Stand 23.06.2019, 19:30 Uhr

Halle. Der Jubel hallt durchs Gerry-Weber-Stadion. Minutenlang. ZDF-Moderator Norbert Lehmann muss mehrfach neu ansetzen, um seine Frage an den Gefeierten loszuwerden. Bei der Antwort wird Roger Federer, der soeben zum zehnten Mal das 500er Rasenturnier in Halle mit 7:6, 6:1 gegen den Belgier David Goffin gewonnen hat, nostalgisch: „Als ich hier 2000 zum ersten Mal spielte, habe ich nicht für möglich gehalten, dass ich hier einmal gefragt werde, wie es sich anfühlt, zehn Mal dasselbe Turnier zu gewinnen." Einen Tag nach dem lockeren Halbfinal-Erfolg über den Franzosen Pierre-Hugues Herbert musste Federer zunächst hart dafür arbeiten. Vor 11.500 Zuschauern geriet der Topgesetzte als Erster in eine brenzlige Situation. Einem 0:40 stand der Favorit bei 2:2 und eigenem Aufschlag gegenüber, doch er befreite sich. "Es tut mir leid, dass ich dir den Satz ein wenig gestohlen habe" Der ehemalige Top-Ten-Spieler Goffin hatte im Viertelfinale der Noventi Open den Hamburger Alexander Zverev entnervt, im Halbfinale Italiens Senkrechtstarter Matteo Berrettini. Nun stellte der 28-Jährige aus dem belgischen Rocourt mit seinem konstanten Spiel auch Federer im ersten Satz vor Probleme und zwang ihn in den Tiebreak. Erst nachdem der Weltranglisten-Dritte aus Basel den Tiebreak klar für sich entschied, war der Widerstand gebrochen. „Es tut mir leid, dass ich dir den ersten Satz ein wenig gestohlen habe, aber ich habe hier einen Super-Tiebreak gespielt", sagt Federer in Richtung Goffin. Während der Siegerehrung, der auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sowie Noventi-Vorstandschef Hermann Sommer beiwohnen, ist spürbar, dass dem Schweizer dieser zehnte Triumph eine Menge bedeutet. Nicht, weil er ein weiterer Rekord ist, nicht weil er die Gesamtzahl seiner Turniersiege auf 102 hochschraubt. Entscheidend ist der Ort, an dem ihm dieses Kunststück erstmalig gelungen ist. "Ich danke auch meinen Kindern - zwei von den Vieren - sind im Stadion" Federer hebt nicht nur verbal die besondere Bindung zum deutschen Wimbledon hervor, er fühlt sie auch. Hier lieben sie ihn und feiern ihn, vielleicht mehr als andernorts. Er selbst war es, der einst die Idee für den lebenslangen Vertrag anregte. Ein Dreizeiler, der lediglich die Absichtserklärung des Spielers und die Antrittsgage beinhaltet. Turnierdirektor Ralf Weber spricht in diesem Zusammenhang gern von gegenseitigem Vertrauen. So ist es wohl, denn es spricht für sich, dass der Star selbst erst in seiner Dankesrede die Anwesenheit seiner Zwillingstöchter Myla Rose und Charlene Riva erwähnt und zuvor davon nichts nach außen gedrungen war. Federer und Weber sind nicht abgeneigt, die Zusammenarbeit nach dem Karriereende des Stars fortzusetzen. Showkämpfe seien denkbar. In Stein gemeißelt ist aber nichts. Federer wird im August 38 Jahre alt, Gedanken, dass es bald mal vorbei sein kann mit dem Tennissport sind unausweichlich. „Aber ich will nicht vorausplanen, möchte mir die Flexibilität für mich und meine Familie erhalten", erklärt der Eidgenosse. Andere bräuchten für die Zukunft einen Plan A, B oder C, er nicht. Er könne doch nicht wissen, ob er später noch Lust habe auf die Ideen, die ihm jetzt für die Zukunft in den Sinn kämen", erklärt der Rekord-Champion. "Ich habe auch einmal als Ballkind angefangen" Es ist ein Privileg, das so tun zu können. Er weiß das. Und er will den Sport so lang als möglich genießen. Gern gemeinsam mit dem Publikum. Mittlerweile wolle er den Menschen auch einfach eine Freude machen. Selbstverständlich folgt der achtmalige Wimbledonsieger deshalb dem Vorschlag, im Rahmen der Siegerehrung den Ballkindern mit einer Medaille zu danken. „Ich habe auch einmal so angefangen", sagt er und blickt in erstaunte Gesichter. „Als Ballkind in Basel." Heute ist Federer selbst ein Idol. Druck verspürt er deshalb nicht. „Ich bin gern ein Vorbild", erzählt er. Es sei ein tolles Gefühl, „wenn Eltern mich bitten, niemals aufzuhören, weil ihre Kinder zu mir aufschauen."

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