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Enttäuscht: Alexander Zverev scheidet im Viertelfinale der Noventi Open aus. - © Sarah Jonek
Enttäuscht: Alexander Zverev scheidet im Viertelfinale der Noventi Open aus. | © Sarah Jonek

Noventi Open Zverev mit Licht und Schatten

David Goffin verhindert ein Traumfinale der beiden Topgesetzten. Während sich der Schweizer Rekord-Champion nach einem Krimi gegen Bautista-Agut in die Vorschlussrunde rettet, kann Deutschlands Bester für Wimbledon planen

Stephanie Fust
21.06.2019 | Stand 21.06.2019, 23:40 Uhr

Halle. Alexander Zverev muss gespürt haben, dass seine eigenen Fähigkeiten allein nicht reichen werden, um den quirligen David Goffin an diesem Tag zu bezwingen. Und so forderte er das Publikum auf dem Centre Court im Gerry-Weber-Stadion gestenreich auf, ihn beim finalen Tiebreak kräftiger zu unterstützen. Auch das sollte am Ende nichts nützen, dem Belgier gelang das Minibreak zum 4:3, servierte dann durch bis zum 6:3 und nutzte seinen insgesamt dritten Matchball zum 3:6, 6:1, 7:6 (4)-Triumph gegen den Deutschen. Dessen Traum vom Finale gegen den Haller Rekordchampion Roger Federer war somit jäh geplatzt. Der Schweizer hatte zwar mit dem Spanier Roberto Bautista-Agut im Viertelfinale ebenfalls seine Müh, rettete sich aber als einziger der vier Topgesetzten über einen hart erkämpften 6:3, 4:6, 6:4-Erfolg in die Vorschlussrunde. Karen Khachanov fand in dem Italiener Matteo Berrettini seinen Meister und Titelverteidiger Borna Coric musste gegen den Franzosen Pierre-Hugues Herbert verletzt aufgeben. Ein kurzes Winken ins Publikum, die Enttäuschung saß tief bei Alexander Zverev. Dabei hatte sich der Weltranglistenfünfte nach seinem Erstrunden-K.o. im vergangenen Jahr so viel vorgenommen für seinen fünften Auftritt in Halle. Es sollte der dritte Finaleinzug nach 2016 und 2017 werden. Gerne gegen Federer, den er dann endlich in einem Finale hätte niederringen wollen. 2016 war ihm dies im Halbfinale des Haller 500er-Turniers gelungen. Feinstes Rasentennis gegen US-Amerikander Steve Johnson Doch die ganze Woche verlief durchwachsen, mit Licht und Schatten. Ein kleiner Ausrutscher beim Auftaktsieg gegen den Niederländer Robin Haase brachte ihn aus dem Tritt. Der davongetragene Bluterguss im Knie verursachte starke Schmerzen. Das Mitwirken im Doppelwettbewerb mit Bruder Mischa war dahin, ein weiterer Einsatz im Einzel stand lange in Zweifel. Dann die überraschende Wende zum Guten: Ein Belastungstest am Donnerstagvormittag gab die Gewissheit: Das Knie sollte halten und Zverev zelebrierte gegen den US-Amerikaner Steve Johnson feinstes Rasentennis als hätte es nie eine Knieverletzung gegeben. „Ich wusste, welche Bewegungen ich machen kann und welche ich lassen sollte", erklärte der 22-Jährige seinen souveränen Achtelfinal-Auftritt gegen den Weltranglisten-69. Details aus der Krankenakte gab Zverev nicht preis, er wollte seinen Gegner nicht auf die richtige Fährte bringen. Goffin mit schnellen Beinen und Köpfchen Das hatte Goffin jedoch gar nicht nötig. In dem hochklassigen, zweistündigen Match zeigte der Außenseiter, was ihn so stark macht. Wo andere mit Power agieren, setzt er seine vielleicht schnellsten Beine im Tenniscircuit und sein Köpfchen ein. Im ersten Durchgang ließ Zverev sich davon nicht beeindrucken. Als er jedoch beim Aufschlag schwächelte, schnappte Goffin zu. „Er hat unglaublich returniert", befand Zverev frustriert, bestand dann darauf, die Woche in positivem Licht erscheinen zu lassen. „Ich habe drei qualitativ gute Matches gespielt und fühle mich auf Wimbledon vorbereitet. Und ich habe nicht 1:6, 1:6 verloren, sondern im dritten Satz im Tiebreak." Im Entscheidungssatz spielte Zverev dann wieder auf Augenhöhe mit dem 28-Jährigen aus Rocourt, nahm im im dritten Spiel den Aufschlag ab. Aber auch dieser Vorteil sollte nicht reichen, um ins Halbfinale einzuziehen. Dort steht jetzt David Goffin nach „meiner besten Leistung in dieser Turnierwoche" und trifft auf einen ebenso selbstbewussten Kontrahenten. Das zu spüren bekam Karen Khachanov. Der gerade erst in die Top-Ten der Tennisweltrangliste aufgenommene Russe stand zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen dem Italiener Matteo Berrettini gegenüber. Wie schon beim Rasenturnier in Stuttgart ohne Erfolg. Berrettini wird als künftiger Top-Ten-Spieler gehandelt Vor einem Jahr war Berrettini noch als Verlierer der Qualifikation glücklich ins Hauptfeld gerückt und in der ersten Runde an seinem Landsmann Andreas Seppi gescheitert. „Ich habe seitdem viel an meinen Schwächen gearbeitet und schon zu Beginn diesen Jahres gute Matches gegen Topspieler abgeliefert, aber verloren. Trotzdem habe ich viel in diesen Spielen gelernt", erklärt der Mann aus Rom seine wundersame Reise von Platz 81 der Weltrangliste auf vorerst 22. Experten sehen in Berrettini den nächsten Top-Ten-Spieler. Entscheidend sei, dass er nun realisiert habe, „dass ich auf diesem Level mitspielen kann".

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