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Roger Federer kämpft sich ins Viertelfinale. - © Sarah Jonek
Roger Federer kämpft sich ins Viertelfinale. | © Sarah Jonek

Noventi Open Die Netzkante verhilft Federer zum Sieg

Der Schweizer Rekordchampion muss gegen einen starken Jo-Wilfried Tsonga sein bestes Tennis aufbieten, um ins Viertelfinale einzuziehen

Stephanie Fust
20.06.2019 | Stand 20.06.2019, 21:21 Uhr

Halle. Das war knapp. Am Ende musste Roger Federer auch noch das Glück bemühen, um das Achtelfinal-Aus in Halle abzuwenden. Die Netzkante verhalf dem Schweizer Rekordchampion zu seinem ersten Matchball nach 2:11 Stunden, den er dann mit einem Ass zum 7:6 (5), 4:6 und 7:5-Erfolg gegen einen starken Jo-Wilfried Tsonga nutzte. Der Franzose, der maßgeblich zu diesem hochklassigen Achtelfinale beigetragen hatte und auch nach Break-Rückständen nicht aufsteckte, wurde mit tosendem Applaus verabschiedet. Auch Federer befand, dass "sich Tsonga diesen Beifall mehr als verdient habe". Die Partie habe mit zunehmendem Verlauf immer mehr an Klasse gewonnen, "die Stimmung war großartig und ich bin froh, dass ich die Nerven bewahrt habe", ergänzte der Weltranglistendritte aus Basel. Am Ende sei auch das Glück auf seiner Seite gewesen. Und so darf der neunmalige Gewinner der Noventi Open weiterhin vom zehnten Titel träumen. Das zu verhindern versucht nun im Viertelfinale der Spanier Roberto Bautista Agut, der mit seinem Achtelfinal-Gegner Richard Gasquet beim 6:1, 6:4 weitaus weniger Mühe hatte. Doch der Weg ins Finale ist noch weit. Nicht nur für Federer, auch für  Alexander Zverev. Auch dieser meldete mit einer starken Leistung gegen den US-Amerikaner Steve Johnson  Ansprüche auf einen der zwei Endspielplätze an. Deutschlands Bester, von dem vor Beginn seines Achtelfinalspiels nicht klar war, ob und wenn ja in welcher Verfassung er überhaupt antreten könne, machte beim 6:3, 7:5-Erfolg gegen Johnson deutlich, dass mit ihm als Sieger in Halle doch zu rechnen ist. "Die letzten Tage waren nicht einfach für mich. Ich hatte mich bei meinem Auftaktspiel am Knie verletzt, musste das Doppel mit meinem Bruder absagen und wusste nicht, ob ich das Achtelfinale noch spielen kann", erklärte Zverev den Zuschauern auf dem vollbesetzten Centre Court im Gerry- Weber-Stadion. Bei jedem anderen Turnier hätte er wohl eher aufgegeben, um seine Wimbledon-Teilnahme nicht zu riskieren. "Aber in Halle möchte ich so oft wie möglich hier auf dem Platz stehen." Zverev mit positiver Bilanz gegen Goffin Dafür müsste er im Viertelfinale am Freitag den Belgier David Goffin aus dem Weg räumen.  Gegen die Nummer 33 der Weltrangliste hat der gebürtige Hamburger  eine positive Bilanz. Zwei Duelle - zwei Siege. Beide allerdings auf Sand. Zverevs Achtelfinalauftritt unterstrich allerdings, dass er sich jetzt auf Rasen wieder sehr wohl fühlt. Von dem Bluterguss im Knie war ihm nichts anzumerken, nicht einmal ein unterstützendes Tape benötigte der 22-Jährige, der sich ausgesprochen gut bewegte und seine Stärken von der Grundline gezielt einsetzte. "Ich habe mich heute Morgen etwas länger eingespielt als normal vor einem Match und getestet, welche Bewegungen ich machen kann und welche schmerzen. So wusste ich, wie ich spielen muss, um gut durchzukommen", erklärte Zverev seine starke Leistung. Ins Detail wollte der Weltranglistenfünfte aber nicht gehen, um künftigen Gegnern nicht den Matchplan frei Haus zu liefern. Er hat schließlich noch etwas vor in Halle. Berrettini avanciert zum heimlichen Favoriten Einer, der sich mehr und mehr in die Rolle des Geheimfavoriten bei den Noventi Open spielt, ist Matteo Berrettini. In der Vorwoche triumphierte der Italiener bereits beim Rasenturnier in Stuttgart und auch auf dem Haller Centre Court hat er bislang überzeugt. Mit 4:6, 6:3, 6:2 bezwang Berrettini im Achtelfinale den Qualifikanten Andreas Seppi und hat damit sieben Matches in Folge auf dem Tennnis-Grün gewonnen. Kleiner Wehrmutstropfen: Der Newcomer aus Rom musste nach zuvor 63 gewonnenen Aufschlagspielen in Folge nun doch sein erstes Break hinnehmen. Er wird es verschmerzen können. Zum Matchauftakt suchte der 1,96 Meter große Italiener noch seine Form. Routinier Seppi (35) dagegen war hellwach, ging jedes Tempo mit, streute Slicebälle ein, war variabel. Im siebten Spiel wackelte Berrettini, Seppi schnappte zu und holte sich wenig später Satz eins. Allerdings war schon im ersten Durchgang klar, dass Berrettinis Form hier über Sieg und Niederlage entscheiden würde. Er hat als Spieler mehr Möglichkeiten. Die brachte er  im zweiten Satz besser und besser zur Geltung. „Da habe ich mein Spiel etwas umgestellt und das hat sich ausgezahlt", sagte er nach dem Match. Allerdings musste er erst im siebten Spiel noch selbst einen Breakball abwehren. Danach hatte er freie Bahn, breakte selbst und brach Anfang des dritten Durchgangs endgültig Seppis Widerstand. Im Viertelfinale bekommt es Berrettini nun mit einem anderen Kaliber zu tun. Da wartet Karen Khachanov, Nummer 9 der Weltrangliste. Der Russe hatte im Achtelfinale Jan-Lennard Struff in spannenden drei Sätzen besiegt und sinnt jetzt auf Revanche, hat er doch in der Vorwoche in Stuttgart gegen Berrettini deutlich in zwei Sätzen verloren. „Das wird ein hartes Match" sagte Berrettini. "Aber erst einmal bin ich glücklich, dass ich hier gewonnen habe."

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