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Paralympics Teilnehmerin Vanessa Low - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Paralympics Teilnehmerin Vanessa Low | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn Mit Mut und Spaß zur Top-Leistung

Optimistisch: Vanessa Low möchte sich auf ihre Möglichkeiten und nicht auf ihre Behinderung konzentrieren.

VON DOMINIK OTTE
16.03.2013 | Stand 20.03.2013, 15:06 Uhr

Paderborn. "Ich habe keine Beine, aber ich liebe es zu laufen", sagt Vanessa Low. Die 23-Jährige gehörte zu den schnellsten Sprinterinnen bei den paralympischen Spielen in London. Eon Westfalen Weser hatte die Sportlerin in die Benteler-Arena eingeladen, damit sie über ihre Lebensgeschichte und Tipps zur Motivation im Sport spricht. Vor allem für die Teilnehmer des Paderborner Osterlaufs.

"Wenn das Leben ein Buch wäre und du wärst der Autor, wie würdest du deine Geschichte schreiben?", fragt Vanessa Low ihre Gäste. In Vanessas persönlichem Buch, das freilich nur in ihrem Kopf existiert, gibt es zwei Hauptfiguren. Die erste ist die junge Vanessa - mit Beinen aus Fleisch und Blut. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein, lebt dieses 15-jährige Mädchen ein "normales Teenager Leben", erzählt die Sportlerin heute. Die junge Vanessa träumt von Reisen durch die ganze Welt, von spannenden Abenteuern. Sie möchte später, als Erwachsene, heiraten, eine Familie gründen, Kinder bekommen. Aber mit 15 möchte sie nur eins: "Frei sein!"

Schon damals interessiert sich Vanessa für Sport und trainiert für ihren großen Traum vom Marathon. "Was gibt es schöneres, als an einem kühlen Sommermorgen durch den Wald zu laufen und seinen Körper zu spüren?", schwärmt die 23-Jährige von dem Gefühl beim Sport. Die Olympionikin spricht über ihr altes Ich sehr geordnet und beschreibt ihre damalige Situation: "Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich frei, unabhängig und mit kompletter Kontrolle über mein Leben." In diesem Moment übernimmt das Schicksal die Feder in Vanessas Roman und schreibt einen Wendepunkt, den der ersten Hauptfigur das Leben kosten wird. "Es war ein toller Tag, ich war unterwegs mit Freunden. 24 Stunden später lag ich mit Knochenbrüchen und inneren Verletzungen im Krankenhaus."

Ihr Leidens- und Lebensweg

Die 15-jährige Vanessa steht an einem Bahnübergang und wird von einem Zug erfasst. Wie es dazu kam - das weiß sie nicht mehr. "Als ich den Zug auf mich zukommen sah, konnte ich an nur eines Denken: Vanessa, du wirst sterben". Im nächsten Moment hört sie die Ärzte und Helfer zu ihr sprechen, dass sie jetzt an das denken soll, woran sie glaube. "Ich wollte nicht sterben", sagt Vanessa Low. Sie überlebt den Unfall, verliert aber ihre Beine. Die Ärzte amputieren die Gliedmaßen abwärts der Oberschenkel. Mehrere Wochen liegt die Jugendliche im Koma.

Als sie aufwacht geht es ihr schlecht. Ihr Körper tut weh und ihre Gedanken sind schwarz. "Ich musste akzeptieren, dass ich eine neue Person geworden war. Ich sah anders aus und fühlte mich auch anders", erklärt Vanessa Low. Sie beginnt ihre Möglichkeiten auszuloten und beschließt den Leistungssport wieder aufzunehemen. Sie trainiert hart und bezieht die Prothesen in ihre Persönlichkeit mit ein: "Ich liebe es, meine Beine zu designen. Für die Paralympics wählte ich die Nationalflagge Englands."

Ihre persönliche Stärke und der Optimismus zahlen sich aus. Bei den Weltmeisterschaften in Indien im Jahr 2009 zum Beispiel wird sie Weltmeisterin im Weitsprung und gewinnt den zweiten Platz im Sprint über 100 Meter. Den Teilnehmern des Paderborner Osterlaufs verrät die Spitzensportlerin ihre top drei der Motivationstipps: 1. Habe Spaß an dem, was du tust. 2. Lerne von dem, was du tust und wachse daran. 3. Hindernisse sind da, um überwunden zu werden.

Vanessa lebt ihre Vorsätze. Sie erwachsen ihrer Erfahrung, ihrem persönlichen Lebensbuch. Ihr nächstes Ziel hat sie sich auch schon gesteckt. Sie möchte einen Marathon laufen.

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