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Comebacks, Liebe und Rekorde

8.108 Läuferinnen und Läufer auf den Beinen / Maina mit neuer Bestzeit im Halbmarathon

VON JÖRG FRITZ
06.04.2010 | Stand 06.04.2010, 12:42 Uhr
Erika Werner (87) und Gerhard Stein (78) sind seit 30 Jahren unzertrennlich. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Erika Werner (87) und Gerhard Stein (78) sind seit 30 Jahren unzertrennlich. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. Als ein Festival der Top-Zeiten wird die 64. Ausgabe des Paderborner Osterlaufes in die Geschichte eingehen. Bei Temperaturen um zwölf Grad Celsius und einem Mix aus Wolken und Sonnenschein herrschten für die 8.108 Aktiven – der Teilnehmerrekord aus dem Vorjahr mit 8.113 Startern wurde nur knapp verpasst – ideale äußere Bedingungen.

Im Halbmarathon blieben gleich drei Läufer aus Kenia unter dem bestehenden Streckenrekord von 1:01:24 Stunden. Und im 10-Kilometer-Rennen stürmten fünf Läufer unter 28 Minuten über die Ziellinie, was der für die Verpflichtung der Laufstars zuständige Christoph Kopp "als bisher einmalig für Deutschland" bezeichnete.

Bereits im ersten Wettbewerb, dem Bambini-Lauf für Grundschulkinder über 1,5 Kilometer, bahnte sich eine Entwicklung an, die an diesem Tag zur Norm werden sollte: spannende Positionskämpfe bis ins Ziel, die an Dramatik kaum zu übertreffen waren. Neele Rennkamp, Viertklässlerin aus Kirchborchen, lieferte sich ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem um einen Kopf kleineren Lukas Spallek (10) aus Wewer. Mit roten Bäckchen erzählte die erste Siegerin des Osterlaufes, dass sie viel lieber schwimmt und Fußball spielt. Möglicherweise setzt sie jetzt neue Prioritäten in ihrem Freizeitverhalten.

Liebesgeschichte beginnt beim Sport
Lukas Spallek und Neele Rennkamp präsentieren ihre Medaillen. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Lukas Spallek und Neele Rennkamp präsentieren ihre Medaillen. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Eine klare Entscheidung pro Laufen haben Erika Werner und Gerhard Stein schon vor Jahrzehnten getroffen. Die beiden Wuppertaler aus dem Ortsteil Ronsdorf waren die ältesten Teilnehmer im Nordic Walking. Erika Werner (Jahrgang 1923) ist ein echter Leichtathletik-Profi und hat im Seniorenbereich schon an 21 Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilgenommen und 19 Goldmedaillen gewonnen.

In Paderborn benötigte die 87-Jährige 47,24 Minuten für die 5 Kilometer lange Strecke. Gerhard Stein (Jahrgang 1932) kam kurz nach ihr ins Ziel an. Die Beiden haben sich übrigens vor 30 Jahren beim Sport kennengelernt und sind seit 1982 ein Paar. "Sport hält gesund", sagte Erika Werner, die dreimal in der Woche mit ihrem Lebensgefährten 7 bis 10 Kilometer läuft.

Ein Liebespaar sind auch Musa Roba-Kinkal und Fate Tola aus Äthiopien, die in 32:01 Minuten die 10-Kilometer-Frauenwertung fast mit einer halben Minute Vorsprung vor der Kenianerin Helah Kiprop gewann. Roba-Kinkal, der beim TV Wattenscheid von Irina Mikitenkos Mann Alexander trainiert wird, verbesserte sich auf dieser Distanz auf 28:50 Minuten, was Platz neun in diesem Elitefeld bedeutete. Den Sieg in 27:49 Minuten holte sich der 19 Jahre alte Äthiopier Berhanu Delale. Der 20-jährige Roba-Kinkal freut sich jetzt auf die deutschen 10.000-Meter-Meisterschaften am 1. Mai. "Vielleicht ist eine weitere Steigerung für mich noch möglich", lautet seine Hoffnung.

Dramatisches Finale der Frauen

Ein dramatisches Finale gab es im Halbmarathon der Frauen, bei dem die Norwegerin Kerstin Otterbu kurzzeitig nach 20 Kilometern sogar in Führung gegangen war, im Schlussspurt aber der Keniarin Hellen Kimutai-Jepkosge in 1:14:04 Stunden unterlag. Für die Siegerin wurden 1:13:57 Stunden gestoppt. Die 39 Jahre alte Norwegerin war am Ziel aber derart aufgekratzt, als habe sie Olympisches Gold gewonnen. "Das war mein perfektes Comeback", sagte die Blondine strahlend. 2009 absolvierte sie aus Verletzungsgründen nicht einen Wettkampf.

Als dann auch noch ihre Ehe auseinanderging, wollte sie mit dem Sport aufhören. Letztlich fruchteten Überredungsversuche des norwegischen Verbandes. "Mit meinem deutschen Coach Stefan Plätzer arbeite ich jetzt an der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London."

Paderborn wird der Norwegerin ebenso in guter Erinnerung bleiben wie dem Kenianer Charles Maina, der sich in einem furiosen Schlussspurt durchsetzte und eine Extraprämie für seinen neuen Streckenrekord im Halbmarathon (1:01:12) erhielt.
Spurlos verschwunden, zumindest auf der Ergebnisliste, ist Thomas Bartolome. Der Hermannslauf-Zweite des Jahres 2008 kam im Halbmarathon in 1:11:54 Stunden als Elfter ins Ziel und war sichtlich erschöpft. Der Lohn für seine Quälerei blieb ihm aber vergönnt.

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