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Sansars Treppensprint mit Ansage beim Hermannslauf

In Lämershagen lässt der Detmolder seine Verfolger stehen und läuft zum achten Triumph

VON STEPHANIE FUST
28.04.2014 | Stand 28.04.2014, 16:01 Uhr
Sansars Treppensprint mit Ansage beim Hermannslauf - © Hermannslauf
Sansars Treppensprint mit Ansage beim Hermannslauf | © Hermannslauf

Bielefeld. Elias Sansar genießt das Bad in der Menge, noch 400 Meter bis zum alleinigen Rekord. In lockerer Pose läuft er dem Siegerkranz entgegen, den Christian Dopheide vom Ausrichterverein TSVE 1890 Bielefeld ihm entgegenstreckt. Eine Bestzeit ist zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr erreichbar. Dafür sind die äußeren Bedingungen zu schlecht. Dem Detmolder ist das egal. Für ihn zählt nur der Rekord von insgesamt acht Triumphen beim Hermannslauf. Dem OWL-Klassiker vor seiner eigenen Haustür.

1:50:10 Stunden steht auf der Uhr, als Sansar die Ziellinie überquert. Langsamer war er auf den 31,1 Kilometern durch den Teutoburger Wald noch nie. Im vergangenen Jahr stellte er in 1:45:25 Stunden gar einen neuen Rekord auf. Deshalb, und weil ihm Regen nicht behage, sei der siebte Erfolg einen Tick schöner gewesen, meint der 34 Jahre alte gebürtige Kurde. Da aber auch die Konkurrenz mit dem schlammigen, rutschigen Geläuf zu kämpfen hat, gelingt es ihm, diese erneut in Schach zu halten.

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Florian Reichert, 2012 bereits einmal Zweiter, reiht sich in 1:50:38 Stunden abermals als Zweiter in die Ergebnisliste ein. Rang drei belegt in 1:52:04 Stunden Lukas Naegele, ein Überraschungsgast aus Freiburg, den zuvor niemand auf der Rechnung hatte. Der Gewinner des Freiburg-Marathons ist mit der Bielefelder Triathletin Kim Loose verbandelt – und die hatte dem 25-Jährigen die Teilnahme am Hermannslauf zu Weihnachten geschenkt. "Die Strecke ist sehr anspruchsvoll. Bis Kilometer 20 lief es gut, aber die letzten Anstiege waren sehr hart", sagt Naegele, der flachere Strecken bevorzugt. Dabei ist es der Freiburger, der zunächst als Einziger imstande ist, Sansars Tempo mitzugehen.

Hier ist das Führungstrio noch zusammen, einen Moment später zieht Elias Sansar (vorn) das Tempo an - Florian Reichert und Lukas Naegele haben das Nachsehen. - © FOTO: CHRISTIAN LUND
Hier ist das Führungstrio noch zusammen, einen Moment später zieht Elias Sansar (vorn) das Tempo an - Florian Reichert und Lukas Naegele haben das Nachsehen. | © FOTO: CHRISTIAN LUND

Wie schon bei seinen vergangenen sieben Streichen kontrolliert der Läufer von der LG-Lage Detmold das Rennen von der Spitze. Erst im Schopketal gelingt Reichert der Anschluss und fortan ist es ein Trio, das das Feld hinter sich lässt. "Auch wenn ich vorneweg laufe, muss ich beobachten, was die anderen machen, um rechtzeitig reagieren zu können", erklärt Sansar. "Meine Gegner sind ja keine Hobbyläufer."

Der Prominenteste unter den Hermannsläufern, der siebenfache Berglauf-Weltmeister und zweimalige Olympiateilnehmer Jonathan Wyatt, muss früh erkennen, dass er "mit diesen jungen Burschen nicht mithalten kann" und entscheidet sich, sein eigenes Rennen zu laufen. Mit seinem sechsten Platz (1:55:08) und dem "Erlebnis Hermannslauf" ist der Neuseeländer aber rundum zufrieden. "Da sind so viele Leute jubelnd an der Strecke trotz des schlechten Wetters. Ich habe den Eindruck, hier ist eine ganze Region auf den Beinen", teilt Wyatt begeistert mit.

Auch Reichert lässt sich von der Menge tragen, heftet sich mit Naegele an Sansars Fersen. Mit dem Ziel, sein Sieg-Versprechen von 2012 einzulösen. Bis zu den Lämershagener Treppen ist der Rennentscheid offen, dann wagt der Titelverteidiger zur Überraschung seiner Verfolger einen Vorstoß und zieht davon. "Da habe ich kurz geträumt, als ich aufwachte, war Elias weg und ich konnte mit meinen etwas müden Beinen nicht mehr folgen", erklärt der 32 Jahre alte Reichert, der erst am Dienstag aus dem USA-Urlaub zurückkehrte.

Auch im vergangenen Jahr hatte Sansar den Teutolauf an seiner Lieblingsstelle, den Treppen, für sich entschieden. Diesmal war es schwieriger, "da ich auf den glitschigen Treppen ständig weggerutscht bin", sagt der Rekordler umso erfreuter. Die große Feier zum geschichtsträchtigen Triumph muss jedoch verschoben werden. "Mir ist es jetzt wichtiger, den Muskelkater aus den Knochen zu bekommen, um nächste Woche beim Kassel-Marathon starten zu können. "Ich ziehe also eine warme Badewanne vor", sagt Sansar verschmitzt.

Grund zum Feiern haben auch drei weitere Ostwestfalen. Ralf Ruthe vom TuS Eintracht Bielefeld jubelte über Platz fünf in 1:54:55 Std. und Jan Kerkmann vom TSVE 1890 Bielefeld lief in persönlicher Bestzeit von 1:55:13 Std. auf Platz sieben vor Vereinskamerad Ole Krumsiek auf Rang acht (1:55:40 Std.).

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