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BIELEFELD: Hermann um den Hermann

Titelstreit: Lauf-Veranstalter geht gegen Krimi vor

25.03.2009 | Stand 26.03.2009, 09:01 Uhr |

Bielefeld. Der Hermannslauf ist ein Aushängeschild der Region. Jährlich lockt der 31,1 Kilometer lange Lauf tausende Sportler an. Und erstmals auch eine Bremer Autorin namens Renée Pleyter. Die 33-Jährige läuft zwar nicht selbst mit, aber unter dem Titel "Tödlicher Hermannslauf" hat sie einen Krimi geschrieben, der vom Tod zweier Wissenschaftler während des Laufs im Jahr 2009 durch den Teutoburger Wald handelt. Und am 2. April das Landgericht Bielefeld beschäftigen wird. Denn der TSVE 1890 Bielefeld, Ausrichter des Hermannslaufs, will dem Pendragon-Verlag per einstweiliger Verfügung die Verbreitung des Buches untersagen lassen. Günter Entgelmeier, 1. Vorsitzender des 3.400 Mitglieder starken Vereins, erhebt ausschließlich Einwände gegen den Titel. "Der Name Hermannslauf als Marke ist beim Deutschen Patent- und Markenamt in München seit dem 24. Februar 2004 geschützt. Man hätte uns um Erlaubnis fragen müssen, diesen Namen als Buchtitel zu verwenden." Mit der Maßnahme, so Entgelmeier, wolle der Verein verhindern, dass Trittbrettfahrer mit dem Begriff Hermannslauf Geschäfte machen. Die einstweilige Verfügung richte sich jedoch keinesfalls gegen den Inhalt des Buches ("spannend und teilweise amüsant"), betont Entgelmeier. "Der Titel ,Tödlicher Hermannslauf‘ schadet aber dem Image unserer Veranstaltung." TSVE-Rechtsbeistand Wolfgang Schlüter spricht gar von einem "sittenwidrig hässlichen Titel". Rechtliche Schritte sind eingeleitet Ein Gesprächstermin mit dem Bielefelder Verlag, um mögliche finanzielle Schäden im Vorfeld zu vermeiden, sei bis zum 16. März nicht zustande gekommen, sagt Entgelmeier, der einem Alternativtitel wie "Tatort Hermannslauf" durchaus die Zustimmung erteilt hätte. "Nachdem der Pendragon-Verlag die Gesprächsfrist nicht eingehalten hatte, haben wir rechtliche Schritte eingeleitet",so der TSVE-Chef. Aus allen Wolken fiel Renée Pleyter, als sie vom Streit um ihren ersten Kriminalroman erfuhr. "Zuerst fand ich die Geschichte nur lächerlich", sagt die Autorin. Eine Verunglimpfung des Hermannslaufes sei überhaupt nicht ihre Absicht gewesen. "Vielmehr ist mein Krimi eine Hommage an einen berühmten Volkslauf", so Renate Niemann, die unter dem Pseudonym Renée Pleyter diesen Krimi geschrieben hat. Am Freitag wird sie nach Bielefeld reisen, um mit ihrem Verlag die weitere Strategie zu beraten. Pleyter: "Sollten wir vor Gericht verlieren, müsste auf dem Buchtitel der Stempel ,zensiert‘ aufgedruckt werden", scherzt sie, "was eine prima Werbung für mich wäre." "Freiheit der Kunst wird eingeschränkt" Der Bielefelder Verleger Günther Butkus spricht von "einer Provinzposse", die es besser nicht gegeben hätte. "Ich verstehe nicht, warum der Veranstalter gleich vor Gericht zieht. Man hätte doch gemeinsam das Buch und den Lauf vermarkten können", betont Butkus im Gespräch mit dieser Zeitung. Das habe er auch angeboten. Den Vorwurf, er habe das Urheberrecht verletzt, lässt der Verleger nicht gelten. "Das Vermarktungsrecht mag sich ja auf Sportveranstaltungen erstrecken, aber doch nicht auf die Verwendung des Hermannslaufs in einem Krimi und als dessen Titel." Zudem sei die Verwendung durch die Freiheit der Kunst geschützt. Butkus: "Das ist doch kein Sachbuch, das sich mit dem Hermannslauf und möglichen Gefahren befasst, sondern ein literarisches Werk, das einen ganz anderen Hintergrund hat und diese Geschichte auf der Folie des Hermannslaufes erzählt." Gäbe das Landgericht der Klage des TSVE recht, sähe er die Freiheit der Kunst eingeschränkt. "Wie soll ich dann noch arbeiten?", fragt Butkus, der 59 Krimis zumeist mit regionalem Bezug verlegt. Autorin findet Vorfall lächerlich Unterdessen droht der Anwalt des TSVE Butkus 250.000 Euro Ordnungsstrafe an. "Bereits die Auseinandersetzungen im Vorfeld sind für einen kleinen Verlag wie meinen eine finanzielle Belastung", sagt Butkus. "Sollte die Verbreitung untersagt werden, dann wäre das ökonomisch ein herber Schlag." Am 31. März wird in Bielefeld ein weiteres Buch präsentiert, das sich mit dem Hermannslauf beschäftigt. "Abenteuer Hermannslauf" heißt der Titel, der ab dem 1. April im Buchhandel erhältlich ist. Autoren sind die beiden Hermannslauf-Mitbegründer Peter Gehrmann und Wolfgang Schlüter. Letztgenannter ist der Anwalt des TSVE 1890 im Streitfall mit dem Pendragon-Verlag. Die Organisatoren des Hermannslaufs befürchten einen Imageschaden und wollen die Verbreitung des Romans "Tödlicher Hermannslauf" stoppen. Die Autorin findet das "lächerlich". Am 2. April entscheidet das Landgericht.

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